Israel greift wieder präventiv an: IDF lockert Zurückhaltung in Gaza
Nach dem amerikanisch vermittelten Gaza-Plan hatte Israel offensive Angriffe deutlich reduziert. Nun schlägt die IDF wieder gegen Hamas-Zellen zu, bevor deren Anschläge unmittelbar bevorstehen. Washington protestiert bislang nicht.

Israel verändert seinen militärischen Kurs im Gazastreifen erneut. Die israelische Luftwaffe hat am Donnerstag in Khan Yunis eine Hamas-Zelle angegriffen, die nach Informationen der Jerusalem Post einen Anschlag auf israelische Soldaten vorbereitete.
Es war bereits der zweite gezielte Präventivschlag innerhalb von zwei Tagen. Seit der Ende Juli unter amerikanischem Druck vereinbarten neuen Gaza-Regelung hatte Israel solche Angriffe weitgehend eingestellt.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die IDF nun wieder zu ihrer früheren umfassenden Angriffspolitik zurückkehrt.
Nach Angaben israelischer Militärquellen greift die Armee weiterhin nicht systematisch Hamas-Mitglieder allein deshalb an, weil sie am Massaker vom 7. Oktober beteiligt waren. Auch strategische Hamas-Ziele und Führungspersonen würden derzeit nicht grundsätzlich angegriffen.
Eine entscheidende Ausnahme macht Israel jedoch dort, wo Terroristen neue Anschläge vorbereiten.
Genau das soll bei der Hamas-Zelle in Khan Yunis der Fall gewesen sein. Die Mitglieder seien nicht besonders hochrangig gewesen, hätten aber nach israelischen Erkenntnissen konkret an einer bevorstehenden Operation gegen die IDF gearbeitet.
Reuters bestätigt einen israelischen Angriff in Khan Yunis am Donnerstag. Dabei wurde nach palästinensischen Angaben ein Hamas-Kommandeur auf einem Motorrad getroffen. Es waren die ersten gemeldeten Todesfälle durch israelische Angriffe in Gaza seit mehr als einer Woche, nachdem Israel seine militärischen Aktivitäten unter amerikanischem Druck stark reduziert hatte.
Israel wartet nicht mehr bis zum letzten Moment
Die Veränderung liegt vor allem im Zeitpunkt eines Angriffs.
Während der vergangenen Wochen griff Israel nach Darstellung der Jerusalem Post vor allem dann ein, wenn Hamas-Kämpfer die Gelbe Linie überschritten oder unmittelbar israelische Soldaten bedrohten.
Jetzt soll wieder früher zugeschlagen werden.
Wenn der israelische Geheimdienst erkennt, dass eine Hamas-Zelle einen Anschlag vorbereitet, will die IDF nicht warten, bis die Terroristen bereits auf dem Weg zum Angriff sind. In Gaza ist eine Festnahme wie bei vielen Antiterroroperationen in Judäa und Samaria häufig nicht möglich, weil israelische Soldaten nicht jederzeit in die von Hamas kontrollierten Gebiete eindringen können.
Der Luftangriff bleibt deshalb das wichtigste Mittel.
Bereits am Mittwoch hatte die IDF erstmals seit der neuen Vereinbarung einen Hamas-Kommandeur im Norden Gazas angegriffen, obwohl dieser sich nicht unmittelbar an der Gelben Linie befand und zu diesem Zeitpunkt keine direkte Gefahr für israelische Soldaten darstellte.
Nach israelischer Darstellung plante er zukünftige Angriffe.
Damit setzt Jerusalem eine neue Grenze: Die Feuerpause soll Hamas nicht ermöglichen, unter dem Schutz amerikanischer Zurückhaltung neue Anschläge vorzubereiten.
Das ist besonders relevant, weil der amerikanische Gaza-Plan die schrittweise Entwaffnung der Hamas mit israelischen Rückzügen verbindet. Der Plan sieht vor, dass Waffen überprüfbar abgegeben werden und Israel anschließend etappenweise Gelände räumt. Gerade über Reihenfolge und Umfang dieser Schritte bestehen allerdings weiterhin erhebliche Differenzen.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lehnt einen Rückzug ab, solange Hamas nicht tatsächlich entwaffnet ist. Washington verfolgt dagegen ein stufenweises Modell, bei dem überprüfte Fortschritte auf beiden Seiten weitere Schritte auslösen sollen.
Kein amerikanischer Freibrief
Bemerkenswert ist, dass Washington den israelischen Präventivschlag vom Mittwoch öffentlich nicht verurteilt hat.
Die Jerusalem Post wertet dies als möglichen Hinweis darauf, dass die amerikanische Regierung Israels Vorgehen zumindest vorläufig akzeptiert. Bestätigt ist eine solche amerikanische Zustimmung allerdings nicht.
Aus dem Ausbleiben einer öffentlichen Reaktion lässt sich kein formeller Freibrief ableiten.
Politisch wäre die Haltung dennoch nachvollziehbar. Der gesamte amerikanische Plan hängt davon ab, dass Hamas mit der Entwaffnung beginnt. Reuters berichtete zuletzt ebenfalls, dass die Umsetzung genau an diesem Punkt stockt und Israel Hamas weiterhin vorwirft, militärische Fähigkeiten wiederherzustellen.
Für Israel stellt sich deshalb eine grundlegende Frage: Soll die IDF eine bekannte Anschlagsvorbereitung hinnehmen, nur damit die diplomatische Vereinbarung formal unangetastet bleibt?
Die Antwort des Militärs lautet offenbar Nein.
Gleichzeitig versucht Israel, die Grenze zur vollständigen Wiederaufnahme des Krieges nicht zu überschreiten.
Die neue Linie lautet deshalb vorerst: keine umfassende Jagd auf sämtliche Hamas-Funktionäre, aber auch keine Immunität für Terroristen, die neue Angriffe vorbereiten.
Damit bekommt die Feuerpause eine entscheidende Einschränkung.
Hamas kann die amerikanische Initiative nicht als Schutzschild für ihre militärische Neuorganisation benutzen.
Ob Washington diese israelische Linie dauerhaft akzeptiert, dürfte spätestens dann sichtbar werden, wenn die Angriffe häufiger werden oder Hamas die vereinbarte Abgabe von Waffen weiter verzögert.
Für die IDF scheint die Entscheidung jedoch bereits gefallen zu sein:
Eine Feuerpause bedeutet Zurückhaltung. Sie bedeutet nicht, einem erkannten Anschlag beim Entstehen zuzusehen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 13. August 2026