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Israels Vertrauen in alte Friedensmodelle bricht weg


Eine neue Umfrage zeigt, wie tief der 7. Oktober die israelische Gesellschaft verändert hat. Große Teile der jüdischen Bevölkerung wollen israelische Kontrolle in Judäa und Samaria sichern, während kaum jemand daran glaubt, dass Trumps Gaza-Plan Hamas wirklich entwaffnen wird.

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Die internationale Diplomatie spricht weiterhin über einen palästinensischen Staat, territoriale Rückzüge und eine neue Ordnung für Gaza. In Israel selbst hat sich die politische Wirklichkeit jedoch längst verändert. Eine neue Umfrage zeigt, wie groß inzwischen die Distanz zwischen vielen internationalen Konzepten und der Sicherheitswahrnehmung der israelischen Bevölkerung geworden ist.

Nach einem Bericht der Jerusalem Post unter Berufung auf Daten des Jewish People Policy Institute, JPPI, wollen 55 Prozent der befragten jüdischen Israelis, dass Israel bei einer zukünftigen Vereinbarung die Kontrolle über die jüdischen Gemeinden in Judäa und Samaria behält. Rund 38 Prozent sprechen sich für eine vollständige Annexion des Gebietes aus.

Die Größenordnung ist bemerkenswert, sollte aber nicht falsch dargestellt werden. 38 Prozent sind keine Mehrheit für eine vollständige Annexion. Gleichzeitig zeigen mehrere voneinander unabhängige Umfragen, dass die Unterstützung für klassische territoriale Lösungen unter jüdischen Israelis erheblich geschrumpft ist.

Der Peace Index der Universität Tel Aviv kam im März 2026 zu einem fast identischen Ergebnis: 38 Prozent der jüdischen Befragten bevorzugten eine Annexion mit einem israelischen Staat und eingeschränkten Rechten für die palästinensische Bevölkerung. Nur 23 Prozent nannten die Zwei-Staaten-Lösung als bevorzugtes langfristiges Modell.

Bereits eine Untersuchung des INSS vom November 2025 hatte ergeben, dass 61 Prozent der jüdischen Israelis eine Lösung nach dem Prinzip zweier Staaten für zwei Völker ablehnten.

Das ist kein kurzfristiger Ausschlag einer einzelnen Befragung mehr.

Es ist eine Entwicklung.

Gaza hat das Vertrauen zerstört

Der entscheidende Hintergrund ist der 7. Oktober 2023.

Israel hat einen territorialen Rückzug bereits ausprobiert. 2005 wurden sämtliche israelischen Gemeinden aus dem Gazastreifen geräumt und die dauerhafte militärische Präsenz im Inneren beendet. Zwei Jahre später übernahm Hamas gewaltsam die vollständige Kontrolle.

Was danach folgte, prägt die israelische Diskussion bis heute: Raketen, Tunnel, Aufrüstung und schließlich das Massaker vom 7. Oktober.

Deshalb hören viele Israelis die Forderung nach einem weiteren Rückzug heute anders als Menschen in europäischen Außenministerien.

Für sie lautet die Frage nicht allein, ob Palästinenser einen eigenen Staat erhalten sollen.

Sie lautet: Wer garantiert, dass aus einem solchen Gebiet nicht erneut ein militärischer Ausgangspunkt gegen Israel entsteht?

Die Umfragedaten zeigen diese Veränderung deutlich. Bereits im März 2025 erklärten 58 Prozent der jüdischen Israelis gegenüber JPPI, jüdische Gemeinden in Judäa und Samaria erzeugten Abschreckung und trügen zur Sicherheit sämtlicher israelischer Bürger bei. Gleichzeitig widersprach eine Mehrheit der Aussage, diese Gemeinden seien eine Belastung für die Armee.

Der Streit über Judäa und Samaria wird deshalb in Israel zunehmend nicht nur ideologisch oder religiös geführt.

Er wird als Sicherheitsfrage verstanden.

Das macht auch die neue Umfrage politisch wichtig. Eine Mehrheit für vollständige Annexion gibt es nicht. Aber die Vorstellung, Israel könne sich weitgehend zurückziehen und seine Sicherheit anschließend auf internationale Garantien oder eine palästinensische Regierung stützen, besitzt innerhalb der jüdischen Bevölkerung immer weniger Vertrauen.

Genau dasselbe Misstrauen zeigt sich nun in Gaza.

Nach den von der Jerusalem Post veröffentlichten Umfragedaten glauben 58 Prozent der Israelis nicht, dass der vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump unterstützte Plan des Board of Peace die Lage im Gazastreifen grundlegend verändern wird. Unter jüdischen Israelis liegt dieser Anteil bei 63 Prozent.

Noch drastischer ist eine andere Zahl.

Lediglich drei Prozent der Befragten glauben dem Bericht zufolge, dass der Plan sämtliche gesteckten Ziele erreichen wird, einschließlich der Entwaffnung der Hamas. Unter den befragten jüdischen Israelis soll niemand diese Antwort gewählt haben.

Das ist ein politischer Warnruf.

Washington verlangt von Israel Zurückhaltung und setzt darauf, Hamas schrittweise zu entwaffnen, eine neue zivile Verwaltung aufzubauen und anschließend weitere israelische Rückzüge zu ermöglichen.

Doch genau in die entscheidende Voraussetzung dieses Modells hat die israelische Bevölkerung kaum Vertrauen.

Israelis glauben an Abkommen, wenn sie funktionieren

Dabei wäre es falsch, daraus eine grundsätzliche israelische Ablehnung jeder Diplomatie abzuleiten.

Die aktuelle JPPI-Erhebung zeigt sogar das Gegenteil.

Ein Abkommen mit dem Libanon wird von 63 Prozent der Israelis positiv bewertet. Diese Zustimmung zieht sich überraschend weit durch die politischen Lager. Gleichzeitig lehnt eine deutliche Mehrheit das amerikanische Abkommen mit Iran ab.

Israelis sind also keineswegs grundsätzlich gegen Vereinbarungen.

Sie unterscheiden danach, ob eine Vereinbarung aus ihrer Sicht Sicherheit schafft.

Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Wer daraus lediglich eine pauschale Verschiebung der israelischen Gesellschaft nach rechts macht, übersieht den Kern der Entwicklung. Nach drei Jahren Krieg fragen Israelis vor allem danach, wer nach einem Vertrag tatsächlich Waffen besitzt, wer strategisch wichtiges Gelände kontrolliert und wer einen Verstoß verhindern kann.

Genau deshalb findet das Abkommen mit dem Libanon breite Unterstützung, während die Skepsis gegenüber Gaza enorm ist. In Libanon soll der israelische Rückzug überprüfbar mit der Entwaffnung der Hisbollah verbunden werden. Bei Gaza sehen viele Israelis dagegen täglich Berichte darüber, dass Hamas versucht, ihre Strukturen wiederherzustellen.

Auch das Verhältnis zu Trump hat sich verändert.

Im Juli erklärten nur noch sieben Prozent der Israelis, sie hätten großes Vertrauen darin, dass Trump in den Beziehungen zu Israel das Richtige tun werde. Im März waren es noch 34 Prozent gewesen. Unter jüdischen Israelis äußerten inzwischen 46 Prozent überhaupt kein Vertrauen mehr in den Präsidenten.

Diese Zahlen sind bemerkenswert, weil Trump in Israel lange außerordentlich populär war.

Doch Dankbarkeit für frühere Entscheidungen ersetzt keine Zustimmung zu seiner heutigen Politik.

Die israelische Öffentlichkeit beurteilt Washington inzwischen stärker danach, was amerikanische Entscheidungen für die eigene Sicherheit bedeuten.

Und genau hier liegt der Zusammenhang zwischen Gaza und Judäa und Samaria.

Internationale Akteure behandeln beide Fragen häufig getrennt. Für viele Israelis gehören sie nach dem 7. Oktober jedoch zur selben Sicherheitsdebatte.

Wer kontrolliert das Gebiet auf der anderen Seite der Grenze?

Welche Waffen befinden sich dort?

Wie schnell kann Israel eingreifen?

Und was geschieht, wenn eine Vereinbarung nicht eingehalten wird?

Solange diese Fragen nicht überzeugend beantwortet werden, wird es für jede israelische Regierung schwer werden, die Bevölkerung für große territoriale Zugeständnisse zu gewinnen.

Das ist keine theoretische Veränderung mehr.

Die Zahlen zeigen sie inzwischen deutlich.

38 Prozent der jüdischen Israelis unterstützen vollständige Annexion. Eine Mehrheit will die jüdischen Gemeinden in Judäa und Samaria unter israelischer Kontrolle behalten. Gleichzeitig glaubt praktisch niemand daran, dass ein internationaler Gaza-Plan Hamas vollständig entwaffnen wird.

Die Welt kann weiterhin über die politischen Modelle der 1990er Jahre sprechen.

Israel lebt im Jahr 2026 mit den Folgen des 7. Oktober.

Und genau deshalb wird jede zukünftige Vereinbarung an einer neuen Bedingung gemessen:

Nicht daran, wie gut sie auf Papier aussieht.

Sondern daran, ob sie verhindert, dass Israel eines Morgens erneut feststellen muss, dass sein Gegner die Ruhe lediglich zur Vorbereitung des nächsten Angriffs genutzt hat.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 13. August 2026

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