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Illegaler Außenposten bei Kusra geräumt, Siedler blockieren Zufahrt


Nach fast zwei Tagen haben israelische Sicherheitskräfte einen nicht genehmigten Außenposten unmittelbar bei palästinensischen Wohnhäusern in Kusra geräumt. Danach versuchten Siedler, die Zufahrt mit Steinen zu blockieren. Die IDF kündigt Konsequenzen an.

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Israelische Sicherheitskräfte haben am Mittwochmorgen einen illegal errichteten Außenposten bei Kusra in Samaria geräumt. Soldaten und Grenzpolizisten entfernten ein Zelt, das nur wenige Tage zuvor in unmittelbarer Nähe zu den Häusern zweier palästinensischer Familien aufgebaut worden war. Nach der Räumung versuchten israelische Siedler nach Angaben von N12, den Weg in Richtung des Dorfes mit größeren Steinen zu blockieren.

Der Vorfall ist deshalb besonders brisant, weil die Sicherheitslage in Judäa und Samaria ohnehin angespannt ist. Die IDF hat ihre Kräfte in der Region zuletzt erheblich verstärkt. Ende Juli waren nach Angaben des Militärs 26 Bataillone im Gebiet eingesetzt. Sicherheitsvertreter warnten zugleich davor, dass neben palästinensischem Terror auch Gewalt und illegale Aktivitäten einzelner israelischer Gruppen zusätzliche Kräfte binden und die Aufrechterhaltung von Sicherheit und öffentlicher Ordnung erschweren.

Der Kommandeur des Zentralkommandos, Generalmajor Avi Bluth, erschien selbst vor Ort. Gemeinsam mit dem Kommandeur der Division Judäa und Samaria sowie dem regionalen Kommandeur der Grenzpolizei besichtigte er Kusra und mehrere umliegende Außenposten. Die Offiziere sprachen nach Angaben von N12 auch mit der palästinensischen Familie, die unmittelbar neben dem geräumten Außenposten lebt.

Die IDF erklärte anschließend, die Kommandeure hätten die Handlungen israelischer Zivilisten gegenüber der Familie mit großer Ernsthaftigkeit bewertet und weitere Maßnahmen angeordnet.

Dabei ist eine journalistische Trennung wichtig. Nach palästinensischen Angaben waren die Bewohner seit der Errichtung des Außenpostens fast zwei Tage lang nicht mehr in der Lage gewesen, ihre Häuser frei zu verlassen und zurückzukehren. Außerdem hätten ihre Lebensmittelvorräte begonnen, knapp zu werden. Diese Angaben stammen von den betroffenen Familien und sind deshalb als deren Darstellung zu kennzeichnen. N12 berichtet zugleich, dass die Familie gegenüber den israelischen Kommandeuren bestätigte, weiterhin über Strom und Wasser zu verfügen.

Unabhängig davon war der errichtete Außenposten nach israelischer Darstellung nicht genehmigt. Die Sicherheitskräfte öffneten außerdem ein Tor, das von Siedlern in dem Gebiet aufgestellt worden war. Bereits zuvor hatte die IDF einen Teil des Bereichs zum geschlossenen militärischen Gebiet erklärt und Personen, die dort nicht wohnen, den Zutritt untersagt.

Besonders unangenehm für die Armee ist ein weiterer Vorgang. Nach palästinensischen Angaben war zuvor eine lokale militärische Schutztruppe an den Ort gekommen, hatte die israelischen Zivilisten jedoch nicht entfernt. Stattdessen wurden Soldaten dabei gefilmt, wie sie gemeinsam mit ihnen beteten.

Die IDF bestätigte nicht die gesamte Darstellung der palästinensischen Familien, erklärte jedoch, dass das Verhalten der beteiligten Soldaten untersucht werde. Gegen Angehörige der Truppe, die auf den Aufnahmen zu sehen seien, solle entsprechend den Ergebnissen disziplinarisch vorgegangen werden.

Das ist notwendig.

Soldaten sind in Judäa und Samaria nicht dafür eingesetzt, illegale Aktionen israelischer Zivilisten politisch zu unterstützen. Ihre Aufgabe besteht darin, Israelis vor Terror zu schützen, palästinensische Terrorstrukturen zu bekämpfen und zugleich Recht und Ordnung durchzusetzen. Wer dabei die Grenze zwischen militärischem Auftrag und persönlicher Sympathie verwischt, beschädigt nicht nur das Vertrauen in die Armee, sondern erschwert ihren ohnehin schwierigen Auftrag.

Ebenso wenig darf aus dem Verhalten einzelner Gruppen eine pauschale Verurteilung der israelischen Siedler entstehen. Die große Mehrheit der Israelis in Judäa und Samaria ist nicht an solchen Aktionen beteiligt. Auch innerhalb der israelischen Politik und der Siedlerbewegung wird seit längerem zwischen regulären Gemeinden, landwirtschaftlichen Farmen und Gruppen unterschieden, die eigenmächtig neue Außenposten errichten oder gewaltsam gegen Palästinenser und israelische Sicherheitskräfte vorgehen. Ende 2025 hatte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bereits die Räumung von 14 nicht genehmigten Außenposten angeordnet, die von Sicherheitsbehörden als Zentren extremistischer und krimineller Aktivitäten eingestuft worden waren.

Das Problem ist auch militärisch nicht nebensächlich. Ein hochrangiger Offizier des Zentralkommandos erklärte erst Ende Juli, nicht genehmigte und gewalttätige Außenposten gehörten mittlerweile zu den Faktoren, die die Fähigkeit der Armee beeinträchtigten, das Gebiet zu kontrollieren und die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten. Nach seinen Angaben existierten zu diesem Zeitpunkt etwa 80 neue nicht genehmigte Außenposten sowie 126 Farmen in Judäa und Samaria außerhalb des Jordantals.

Die IDF muss dort gleichzeitig palästinensische Terrorzellen bekämpfen, Straßen und israelische Gemeinden sichern, Terrorgelder aufspüren und Angriffe verhindern. Zusätzliche Einsätze, weil israelische Zivilisten ohne Genehmigung Außenposten errichten oder in palästinensische Gebiete eindringen, binden Kräfte, die an anderer Stelle fehlen.

Genau diese Diskussion ist nach dem tödlichen Terroranschlag bei Tel besonders schmerzhaft geworden.

Bei dem Angriff Ende Juli wurden der Reservist Benayahu Mellet und Major Yuval Ezra getötet. Die IDF stellte später fest, dass die vorausgegangene israelische Exkursion in dem Gebiet nicht mit den Sicherheitskräften abgestimmt worden war. Gleichzeitig betonte das Militär ausdrücklich, dass der Terroranschlag und die Verantwortung der palästinensischen Angreifer dadurch selbstverständlich nicht relativiert werden.

Gerade diese beiden Wahrheiten müssen nebeneinander bestehen können.

Palästinensischer Terror gegen Israelis ist Terror und muss konsequent bekämpft werden.

Illegale oder gewalttätige Aktionen israelischer Zivilisten werden dadurch aber nicht plötzlich legitim.

Israel kann nicht von Palästinensern verlangen, Terroristen und Gesetzesbrecher nicht zu schützen, und gleichzeitig wegsehen, wenn Israelis das Recht selbst in die Hand nehmen. Ein Rechtsstaat verliert seine Glaubwürdigkeit, wenn die Anwendung des Gesetzes davon abhängt, wer es verletzt.

Das gilt auch für Kusra.

Wer einen Außenposten ohne Genehmigung unmittelbar neben bewohnten Häusern errichtet, kann nicht erwarten, dass die Armee diese Situation dauerhaft hinnimmt. Wer anschließend mit Felsbrocken versucht, eine Zufahrt zu blockieren, widersetzt sich nicht einer fremden Macht, sondern israelischen Sicherheitskräften, die einen israelischen Befehl durchsetzen.

Die Tatsache, dass Generalmajor Avi Bluth persönlich an den Ort kam, zeigt, wie ernst die Armeeführung die Entwicklung nimmt. Bereits in den vergangenen Monaten hatte Bluth mehrfach deutlich gemacht, dass Gewalt gegen Sicherheitskräfte und eigenmächtige Aktionen in Samaria nicht akzeptiert werden. Im Juni unterstützte er ausdrücklich einen Brigadekommandeur, nachdem Sicherheitskräfte bei Auseinandersetzungen mit israelischen Aktivisten verletzt worden waren.

Auch der größere Zusammenhang darf nicht ausgeblendet werden. Die Region erlebt gleichzeitig eine erhebliche Welle palästinensischer Terroraktivität. Die IDF hat ihre Präsenz deshalb massiv ausgebaut und führt nahezu täglich Festnahmen und Anti Terror Operationen durch. Genau in einer solchen Situation sind zusätzliche Konflikte zwischen israelischen Zivilisten und der eigenen Armee besonders verantwortungslos.

Der Staat Israel hat jedes Recht, jüdisches Leben in Judäa und Samaria zu schützen.

Er hat ebenso das Recht, über die Zukunft israelischer Gemeinden dort politisch zu entscheiden.

Aber dieses Recht gehört dem Staat und seinen demokratischen Institutionen, nicht einzelnen Gruppen, die nachts ein Zelt aufstellen und anschließend versuchen, Sicherheitskräfte vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Wer Israels Anspruch auf Judäa und Samaria stärken will, erreicht das nicht durch Gesetzlosigkeit.

Er schwächt ihn damit.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de

Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 12. August 2026

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