Drei scharfe Rohrbomben am Bahnhof Ramla, gestohlene Armee-Munition lag daneben
Ein Bombenräumer ließ den Zugverkehr stoppen und sprengte die einsatzbereiten Sprengsätze kontrolliert. Fast gleichzeitig verhinderte die Polizei im Norden offenbar ein weiteres schweres Verbrechen mit einem geladenen M16 und einer Pistole.

Drei einsatzbereite Rohrbomben, explosive Füllungen und Dutzende mutmaßlich aus Beständen der israelischen Armee gestohlene Patronen: In einem offenen Gelände neben dem Bahnhof der zentralisraelischen Stadt Ramla hat die Polizei ein Waffenlager entdeckt, das jederzeit für einen schweren Anschlag im kriminellen Milieu hätte verwendet werden können. Wegen der unmittelbaren Nähe zu den Bahngleisen musste der Zugverkehr zeitweise vollständig eingestellt werden, während ein Bombenräumer die Sprengsätze untersuchte und schließlich kontrolliert zur Explosion brachte.
Die englische Ausgangsmeldung der „Jerusalem Post“ nennt irrtümlich Ramallah. Gemeint ist jedoch Ramla im israelischen Zentralbezirk. Ramallah verfügt zudem nicht über den in der Meldung beschriebenen israelischen Bahnhof. Ynet und weitere israelische Berichte bestätigen, dass die drei Sprengsätze nahe dem Bahnhof Ramla gefunden wurden. Auch die Ermittlungen werden von der für Ramla zuständigen Polizei im Zentralbezirk geführt.
Der Fund erfolgte bereits am Donnerstag während einer gezielten Operation, die auf Erkenntnissen der zentralen Ermittlungseinheit des israelischen Strafvollzugsdienstes beruhte. Die Beamten durchsuchten ein offenes Gelände in Bahnhofsnähe und stießen dort auf drei leistungsstarke Rohrbomben. Nach Polizeiangaben waren die Sprengsätze mit explosivem Material gefüllt und unmittelbar einsatzbereit. Neben ihnen lagen Dutzende Patronen des Kalibers 5,56 Millimeter, wie sie unter anderem für M16-Gewehre verwendet werden. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Munition aus Beständen der israelischen Armee gestohlen worden war.
Zugverkehr gestoppt, Bomben kontrolliert gesprengt
Nach der Entdeckung wurde ein Entschärfer der Polizei zum Fundort gerufen. Wegen der Gefahr für Züge, Reisende und Beschäftigte ordnete er die vorübergehende Einstellung des Bahnverkehrs in dem betroffenen Abschnitt an. Erst nachdem der Bereich geräumt und gesichert worden war, konnten die Bomben kontrolliert gesprengt werden. Die Überreste, die Munition und weitere Spuren wurden anschließend zur kriminaltechnischen Untersuchung gebracht.
Nach dem bisherigen Ermittlungsstand geht die Polizei von einem kriminellen Hintergrund aus. Hinweise auf einen geplanten nationalistisch oder islamistisch motivierten Terroranschlag wurden bislang nicht veröffentlicht. Das macht den Fund jedoch keineswegs weniger gefährlich. Die israelische Polizei verwendet für solche geplanten Gewalttaten inzwischen teilweise den Ausdruck „krimineller Terror“, weil mächtige Sprengsätze und militärische Waffen in Konflikten zwischen Banden und Familien nicht nur einzelne Gegner treffen, sondern ganze Wohngebiete, Straßen und öffentliche Orte in Angst versetzen.
Wer drei einsatzbereite Rohrbomben in unmittelbarer Nähe eines Bahnhofs lagert, nimmt in Kauf, dass auch Unbeteiligte getötet oder schwer verletzt werden. Noch ist nicht bekannt, gegen wen die Sprengsätze eingesetzt werden sollten, weshalb gerade dieses Gelände als Versteck gewählt wurde und wer die Bomben gebaut oder dort abgelegt hat. Ebenso offen ist, auf welchem Weg die 5,56-Millimeter-Munition aus militärischen Beständen in die Hände der Täter gelangte.
Gerade dieser Teil des Fundes ist besonders beunruhigend. Gestohlene Armeemunition verschwindet nicht einfach aus einem Lager und taucht zufällig neben scharfen Bomben wieder auf. Dahinter stehen Beschaffung, Transport, Lagerung und Kontakte zu Personen, die Zugang zu militärischem Material besitzen oder es weiterverkaufen. Jede aufgefundene Patrone kann deshalb eine Spur zu einem größeren Netzwerk sein. Die Ermittlungen müssen nicht nur klären, wer die Bomben verwenden wollte, sondern auch, wer militärische Munition in den kriminellen Markt eingeschleust hat.
Zweiter Zugriff verhindert offenbar geplante Bluttat
Nur Stunden zuvor meldete die Polizei einen weiteren bedeutenden Waffenfund in Bir al-Maksur, einer beduinischen Ortschaft im Norden Israels. Beamte des Nordbezirks und Kräfte der Grenzpolizei durchsuchten dort in den frühen Morgenstunden ein Gebäude. Sie fanden ein geladenes M16-Gewehr, eine geladene Pistole, weitere Munition, Magazine und Handschuhe. Fünf Verdächtige wurden festgenommen. Nach Einschätzung der Ermittler wollten sie im Zusammenhang mit einem kriminellen Konflikt eine schwere Gewalttat begehen.
Auch an dieser Stelle enthält die englische Ausgangsmeldung offenbar Fehler. Dort ist von einem „M12“ und sechs Festnahmen die Rede. Der israelische Bericht nennt dagegen eindeutig ein M16-Gewehr und fünf festgenommene Verdächtige. Die veröffentlichten Polizeibilder zeigen ebenfalls ein M16.
Nach Angaben der Polizei wurden allein seit Jahresbeginn im israelischen Nordbezirk mehr als 530 tödliche Waffen und andere gefährliche Kampfmittel beschlagnahmt. Dazu gehören Gewehre, Pistolen, Sprengsätze und in einzelnen Fällen sogar militärische Systeme. Die Zahl stammt aus der Bilanz der zuständigen Polizeieinheiten und zeigt, welche Mengen illegaler Waffen inzwischen in kriminellen Strukturen zirkulieren.
Erst wenige Tage zuvor hatten Sicherheitskräfte bei Einsätzen in Kalansuwa und Kafr Qasim unter anderem einen mutmaßlich aus Armeebeständen gestohlenen Matador-Raketenwerfer, ein M16, mehrere Pistolen, eine Handgranate und große Mengen Munition entdeckt. Fünf Menschen wurden dabei festgenommen. Solche Funde zeigen, dass kriminelle Organisationen längst nicht mehr nur über einzelne Handfeuerwaffen verfügen. Militärische Ausrüstung, Sprengstoff und panzerbrechende Waffen gelangen in Strukturen, die sie für Auftragsmorde, Vergeltungsschläge und die Einschüchterung ganzer Familien einsetzen können.
Die beiden aktuellen Einsätze in Ramla und Bir al-Maksur stehen deshalb für dasselbe Problem: Kriminelle Gewalt in Israel hat eine Feuerkraft erreicht, die früher vor allem von militärischen oder terroristischen Gruppen bekannt war. Rohrbomben neben einem Bahnhof, gestohlene Armee-Munition und ein geladenes Sturmgewehr für eine geplante Bluttat sind keine gewöhnlichen Verstöße gegen das Waffenrecht. Sie sind eine unmittelbare Bedrohung für jeden Menschen, der zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort steht.
In Ramla hat die Polizei möglicherweise Schlimmeres verhindert, bevor die Bomben aus ihrem Versteck geholt werden konnten. In Bir al-Maksur griff sie offenbar ein, bevor die bewaffneten Verdächtigen ihren Plan umsetzten. Doch jeder dieser Erfolge wirft dieselbe Frage auf: Wie viele Waffenlager sind noch nicht entdeckt worden?
Der Staat muss deshalb nicht nur fertige Sprengsätze finden, sondern die Versorgungswege dahinter zerschlagen. Munition aus Armeebeständen darf nicht erst dann auffallen, wenn sie neben scharfen Bomben liegt. Militärische Waffen müssen vom Ort des Diebstahls über Händler und Mittelsmänner bis zu den vorgesehenen Tätern zurückverfolgt werden. Nur wenn diese Ketten durchbrochen und die Verantwortlichen konsequent verurteilt werden, lässt sich verhindern, dass Israels Bahnhöfe, Straßen und Wohngebiete zu Schauplätzen eines Krieges zwischen kriminellen Organisationen werden.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Montag, 3. August 2026