Drei Drohnen an Israels Ostgrenze abgefangen: Spur führt zu Irans Milizen im Irak
Drei Drohnen wurden innerhalb von weniger als 24 Stunden an Israels Grenze zu Jordanien abgefangen. Eine israelische Quelle vermutet vom Iran unterstützte Milizen im Irak hinter den Angriffen.

Drei Angriffsdrohnen wurden innerhalb von weniger als 24 Stunden im Grenzraum zu Jordanien abgefangen. Nach Einschätzung einer israelischen Quelle starteten sie wahrscheinlich aus dem Irak. Hinter den Angriffen werden vom Iran bewaffnete schiitische Milizen vermutet.
Die vorläufige Ruhe zwischen den Vereinigten Staaten und Iran hat Israels Feinde offenbar nicht zur Ruhe gebracht. Innerhalb von weniger als 24 Stunden wurden drei Drohnen im Raum der israelisch-jordanischen Grenze abgefangen. Eine israelische Quelle erklärte gegenüber der „Jerusalem Post“, dass die Flugkörper wahrscheinlich von schiitischen Milizen im Irak gestartet wurden, die vom iranischen Regime bewaffnet und unterstützt werden.
Am Montag gegen 11 Uhr fing die israelische Luftwaffe zwei unbemannte Flugkörper ab. Eine dritte Drohne wurde am Dienstag kurz vor 6 Uhr morgens entdeckt und ebenfalls zerstört. Nach Angaben der israelischen Armee erreichten die Flugkörper israelisches Staatsgebiet nicht. Warnsirenen wurden deshalb nicht ausgelöst. Der genaue Startort werde weiterhin untersucht.
Damit ist die irakische Spur noch keine offiziell bestätigte Feststellung der IDF. Weder die Armee noch die israelische Regierung haben bislang öffentlich erklärt, welche Gruppe den Angriff ausführte. Die Einschätzung aus Sicherheitskreisen ist jedoch von erheblicher Bedeutung. Sie deutet darauf hin, dass Teheran erneut versucht, seinen Krieg gegen Israel über Stellvertreter fortzusetzen, während es selbst von einer Angriffspause und möglichen Verhandlungen profitiert.
Verteidigungsminister Israel Katz erklärte mit Blick auf mögliche weitere Drohnenangriffe aus dem Irak, Israel wisse mit der Gefahr umzugehen und sei vorbereitet. Die kurze Erklärung enthält eine klare Warnung: Die israelische Führung betrachtet das irakische Gebiet inzwischen nicht mehr nur als weit entfernten Schauplatz des iranischen Einflusses, sondern als möglichen Ausgangspunkt direkter Angriffe auf Israel.
Zu dem Angriff bekannte sich zunächst keine Organisation. Auch die Volksmobilisierungskräfte, auf Englisch Popular Mobilization Forces oder PMF, veröffentlichten keine Übernahme der Verantwortung. Unter diesem Dach operieren zahlreiche schiitische Milizen, darunter große und schwer bewaffnete Gruppen wie Kataib Hisbollah und die Badr-Organisation. Teile dieses Netzwerkes sind eng mit den iranischen Revolutionsgarden verbunden, erhalten iranische Waffen und vertreten offen die Ideologie der sogenannten Widerstandsachse.
Das Ausbleiben eines Bekennerschreibens ist kein Beweis für eine Beteiligung. Es passt jedoch zur iranischen Strategie, militärischen Druck auszuüben und gleichzeitig die direkte Verantwortung zu verschleiern. Drohnen können von irakischem Gebiet gestartet werden, ohne dass Teheran selbst einen Angriff verkünden muss. Scheitert die Operation, schweigen die Milizen. Erreicht ein Flugkörper sein Ziel, kann das Regime den Angriff nachträglich als selbstständige Aktion einer irakischen Gruppe darstellen.
Gerade der Irak bietet dafür günstige Voraussetzungen. Die iranischen Revolutionsgarden haben dort über Jahrzehnte bewaffnete Organisationen aufgebaut, die teilweise in die staatlichen Sicherheitsstrukturen integriert sind, zugleich aber eigene Befehlsketten, Waffenlager und politische Interessen besitzen. Die irakische Regierung kann deshalb behaupten, keine Angriffe angeordnet zu haben, während Milizen auf ihrem Staatsgebiet weiterhin Raketen und Drohnen einsetzen.
Reuters berichtete bereits im Juni, dass die Revolutionsgarden zusätzliche kleine Zellen im Irak aufgebaut haben sollen, die unabhängig von den bekannten großen Milizen operieren. Diese Gruppen bestanden demnach aus wenigen, speziell ausgewählten Männern und sollten Drohnenangriffe auf Golfstaaten mit amerikanischen Militärstützpunkten ausführen. Durch die Trennung von etablierten Organisationen wollte Teheran offenbar eine eindeutige Zuordnung erschweren und politischen Druck auf die irakische Regierung vermeiden.
Sollte sich die irakische Herkunft der drei Flugkörper bestätigen, könnte dasselbe Modell nun gegen Israel angewendet worden sein. Iran benötigt dafür keine öffentlich auftretende Organisation mit Flagge, Sprecher und Bekennerschreiben. Eine kleine Einheit, ein abgelegener Startplatz und aus Iran gelieferte Drohnentechnik genügen.
Die Flugroute macht die Bedrohung besonders komplex. Zwischen dem westlichen Irak und Israel liegt Jordanien. Angriffsdrohnen können den jordanischen Luftraum durchqueren oder sich entlang der jordanischen Grenze Israel nähern. Damit wird das Königreich unfreiwillig zum militärischen Vorfeld eines Konflikts, den es nicht begonnen hat.
Jordanien meldete am Montag unabhängig von den israelischen Abschüssen die Zerstörung zweier Drohnen, die nach offiziellen Angaben aus iranischem Gebiet in den jordanischen Luftraum eingedrungen waren. Bereits am 24. Juli hatte das jordanische Militär nach eigenen Angaben sieben Raketen und sechs iranische Drohnen abgefangen. Die einzelnen Meldungen müssen voneinander getrennt betrachtet werden, zeigen gemeinsam jedoch, wie stark Jordaniens Luftraum inzwischen durch iranische und iranisch unterstützte Angriffe belastet wird.
Der Haschemitische Staat versucht seit Beginn der regionalen Eskalation, sein Territorium und seine Bevölkerung zu schützen, ohne selbst in den Krieg hineingezogen zu werden. Für Teheran ist Jordaniens Neutralität offenbar bedeutungslos, sobald das Land zwischen iranischen Abschussorten und israelischen oder amerikanischen Zielen liegt.
Auch Saudi-Arabien machte am Montag vom Iran unterstützte Milizen im Irak für Drohnenangriffe auf seine Ölinfrastruktur verantwortlich. Die saudischen Angaben sind nicht automatisch ein Beweis für die Herkunft der gegen Israel gerichteten Flugkörper. Sie zeigen jedoch ein regionales Muster: Während die direkten amerikanischen Angriffe auf Iran pausieren, werden weiterhin Drohnen aus dem Umfeld der iranischen Stellvertreter gegen mehrere Staaten eingesetzt.
Die Ziele unterscheiden sich, die strategische Wirkung ist ähnlich. Saudi-Arabien soll für seine Zusammenarbeit mit Washington und seine Ölexporte bestraft werden. Jordanien soll wegen amerikanischer Truppen und seiner Luftverteidigung unter Druck gesetzt werden. Israel soll gezwungen werden, seine Ostgrenze dauerhaft gegen Flugkörper aus einem weit entfernten Staat zu sichern.
Drohnen sind dafür besonders geeignet. Sie sind vergleichsweise billig, können in geringer Höhe fliegen und zwingen den Verteidiger dennoch zum Einsatz kostspieliger Ortungs- und Abwehrsysteme. Selbst ein gescheiterter Angriff bindet Kampfflugzeuge, Radaranlagen und Personal. Mehrere gleichzeitig gestartete Flugkörper können zudem versuchen, die Luftverteidigung zu überlasten oder Lücken für weitere Angriffe zu schaffen.
Das iranische Regime kann auf diese Weise eine Angriffspause gegenüber den Vereinigten Staaten einhalten und dennoch den militärischen Druck über seine Verbündeten fortsetzen. Diese Trennung ist künstlich. Eine Miliz, die ihre Waffen, Ausbildung und politische Rückendeckung von Teheran erhält, handelt nicht in einem strategischen Vakuum.
Israel darf die Stellvertreter deshalb nicht isoliert betrachten. Wer Drohnen im Irak ausrüstet, Zielinformationen liefert und den politischen Rahmen für Angriffe gegen Israel schafft, trägt Verantwortung, auch wenn der Startknopf von einem irakischen Milizionär gedrückt wird.
Zugleich muss die irakische Regierung erklären, was sie gegen solche Abschussorte unternimmt. Ein souveräner Staat kann nicht dauerhaft dulden, dass bewaffnete Gruppen sein Territorium für Angriffe auf Nachbarstaaten und Israel benutzen. Die teilweise Eingliederung der PMF in die staatlichen Strukturen entbindet Bagdad nicht von dieser Verantwortung. Sie verschärft sie.
Die drei abgefangenen Drohnen verursachten weder Verletzte noch Schäden. Genau das ist der Erfolg der israelischen und regionalen Luftverteidigung. Doch die gescheiterten Angriffe dürfen nicht als bedeutungslos abgetan werden. Sie zeigen, dass Irans Stellvertreter offenbar nach neuen Routen suchen und Israels Verteidigung auch während einer diplomatischen Pause testen.
Teheran spricht von Verhandlungen, während seine bewaffneten Netzwerke weiter operieren. Es verlangt Ruhe für Iran, ohne Ruhe für Israel und seine Nachbarn zu garantieren.
Eine Feuerpause, in der die Revolutionsgarden ihre Drohnen lediglich an irakische Milizen weiterreichen, ist keine Deeskalation. Es ist die Fortsetzung des Krieges mit ausgelagertem Absender.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 28. Juli 2026