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Nach tödlichem Schusswechsel bei Havat Gilad: Israel nimmt mehr als 70 Terrorverdächtige fest


Benayahu Mellet und der 27-jährige Offizier Yuval Ezra wurden bei Tell erschossen, nachdem ein Palästinenser ein Gewehr an sich gerissen hatte. In der Nacht folgten groß angelegte Razzien in Judäa und Samaria.

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Noch am Freitag standen Familien an zwei Gräbern. Am Samstagmorgen durchsuchten Soldaten Hunderte Gebäude, sperrten Straßen und nahmen Verdächtige fest. Der tödliche Schusswechsel nahe Havat Gilad hat innerhalb weniger Stunden eine der größten israelischen Fahndungsaktionen der vergangenen Monate in Judäa und Samaria ausgelöst.

Nach Angaben der israelischen Armee wurden bei nächtlichen und morgendlichen Einsätzen mehr als 70 Terrorverdächtige festgenommen. Beteiligt waren Soldaten der Samaria-, Menashe-, Binyamin- und Ephraim-Brigaden, die Aufklärungseinheit der Nahal-Brigade, die Grenzpolizei, der Inlandsgeheimdienst Schin Bet und die auf Festnahmen in dicht bebauten Gebieten spezialisierte Einheit Duvdevan.

Im Mittelpunkt der Operation stand das Dorf Tell südwestlich von Nablus. Von dort stammte nach Angaben der Armee der Palästinenser, der am Freitag ein Gewehr an sich gerissen und auf Israelis geschossen hatte. Sicherheitskräfte befragten in Tell etwa 80 Menschen. Elf von ihnen wurden festgenommen. Weitere Festnahmen erfolgten in Tulkarm und anderen Teilen Judäas und Samarias.

Der Einsatz zeigt, wie schnell aus einem einzelnen tödlichen Vorfall eine umfassende Sicherheitslage entstehen kann. Die Armee sucht nicht nur nach Menschen, die unmittelbar an den Schüssen beteiligt waren. Sie will mögliche Helfer, Waffenhändler und weitere Zellen aufdecken, bevor aus dem Blutvergießen ein neuer Kreislauf geplanter Anschläge entsteht.

Zwei Israelis kehrten nicht zurück

Benayahu Mellet war 32 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er gehörte zur zivilen Sicherheitsmannschaft von Havat Gilad und war zugleich als Reservist anerkannt. In der kleinen Gemeinschaft kümmerte er sich um die Landwirtschaft. Seine Witwe Esther sagte bei der Beerdigung, ihr Mann sei immer als Erster losgelaufen, wenn irgendwo Hilfe gebraucht wurde. Diesmal sei er nicht zurückgekommen.

Neben ihm wurde Major Yuval Ezra getötet. Der 27-Jährige befehligte eine Artilleriebatterie und war mit weiteren Soldaten zu dem Ort gerufen worden, an dem Israelis und Palästinenser aufeinandergetroffen waren. Ein israelischer Zugführer erschoss schließlich den palästinensischen Schützen. Vier Palästinenser kamen bei dem gesamten Schusswechsel ums Leben. Mehrere Israelis und Palästinenser wurden zum Teil schwer verletzt. Wie genau die drei weiteren Palästinenser starben, wird nach Angaben der Armee noch untersucht.

Diese offenen Fragen dürfen nicht verschwiegen werden. Der Vorfall begann nicht mit einem sorgfältig geplanten Hinterhalt auf einer israelischen Straße. Nach der vorläufigen Untersuchung der Armee war zuvor eine Gruppe israelischer Zivilisten in den Randbereich von Tell gelangt. Das Gebiet gehört zu den Bereichen, die Israelis ohne vorherige Abstimmung mit der Armee nicht betreten dürfen. Einige Mitglieder der Gruppe waren bewaffnet. Die Armee räumte ein, dass der Besuch nicht koordiniert war.

Palästinensische Vertreter behaupten, die Gruppe habe Bewohner und Häuser angegriffen. Israelische Beteiligte sprachen zunächst von einer Wanderung und erklärten, sie seien von Dorfbewohnern angegriffen worden. Videoaufnahmen und die ersten Ergebnisse der militärischen Untersuchung zeigen jedenfalls eine schwere Auseinandersetzung, bevor reguläre Sicherheitskräfte die Lage unter Kontrolle bringen konnten.

In diesem Durcheinander griff ein Palästinenser nach dem Gewehr Mellets. Er richtete die Waffe gegen die Israelis und erschoss Mellet und Ezra. Dass der vorausgegangene Grenzübertritt israelischer Zivilisten untersucht werden muss, ändert nichts an der Verantwortung des Schützen für diese tödliche Entscheidung.

Es darf aber auch nicht dazu führen, dass der Ablauf politisch bequemer dargestellt wird, als er war. Israels Sicherheit verlangt Wahrheit. Wer ohne Abstimmung in ein gefährliches Gebiet eindringt, gefährdet sich selbst, die Soldaten, die ihn retten müssen, und Menschen, die mit dem ursprünglichen Vorfall nichts zu tun haben.

Mehr als 300 Orte durchsucht

Die anschließende Operation ging weit über Tell hinaus. Nach Angaben der Armee durchsuchten Kräfte der Menashe-Brigade mehr als 300 Orte. Festgenommen wurden unter anderem Verdächtige mit mutmaßlichen Verbindungen zur Hamas sowie Personen, die Sprengstoffanschläge vorbereitet haben sollen.

Im Gebiet der Binyamin-Brigade nahmen Soldaten etwa 20 Verdächtige fest. Ihnen werden nach Angaben des Militärs Beteiligung an geplanten Anschlägen, der Einsatz von Brandsätzen und Waffenhandel vorgeworfen.

Duvdevan-Soldaten fassten im Raum Tulkarm außerdem einen Mann, der nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden einen Anschlag vorbereitet haben soll, sowie einen gesuchten Verdächtigen mit Verbindung zur Hamas. Sämtliche Festgenommenen wurden dem Schin Bet oder anderen Sicherheitsbehörden zur weiteren Befragung übergeben.

Diese Zahlen bedeuten nicht, dass bereits bei allen Festgenommenen eine persönliche Beteiligung am Tod Mellets und Ezras nachgewiesen ist. Befragung, vorläufige Festnahme und strafrechtlich belegte Mitgliedschaft in einer Terrorzelle sind unterschiedliche Dinge. Genau deshalb müssen die Ermittlungen jetzt klären, wer Waffen beschaffte, wer Anschläge vorbereitete und wer lediglich während der Razzien überprüft wurde.

Die groß angelegte Operation folgt einer bekannten Sicherheitslogik. Nach einem tödlichen Angriff versuchen die Behörden, nicht nur den unmittelbaren Täter zu finden. Sie gehen gegen das Umfeld vor, prüfen Kommunikationswege und suchen nach Waffenlagern oder bereits geplanten weiteren Anschlägen. In einer Region, in der eine einzelne bewaffnete Zelle innerhalb kurzer Zeit mehrfach zuschlagen kann, darf Israel nicht auf den nächsten Angriff warten.

Gleichzeitig muss das Recht auch für Israelis gelten. Berichte über Angriffe auf palästinensische Dörfer nach dem Tod der beiden Männer müssen untersucht werden. Vergeltungsaktionen gegen Unbeteiligte schützen keine jüdische Familie und verhindern keinen Terroranschlag. Sie schaffen zusätzliche Gewalt, binden Sicherheitskräfte und geben Israels Gegnern Bilder, mit denen sie den Mord an Israelis nachträglich rechtfertigen wollen.

Die Verantwortung liegt deshalb auf zwei Ebenen. Israel muss Terrorstrukturen zerschlagen und Menschen festnehmen, die Anschläge vorbereiten. Zugleich muss der Staat verhindern, dass israelische Zivilisten eigenmächtig in palästinensische Orte eindringen und Soldaten anschließend eine bereits außer Kontrolle geratene Lage übernehmen müssen.

Benayahu Mellet und Yuval Ezra sind tot. Ihre Familien müssen mit einer Lücke leben, die keine Razzia und keine Festnahme mehr schließen kann. Die Sicherheitskräfte können nur noch verhindern, dass weitere Familien dieselbe Nachricht erhalten.

Mehr als 70 Festnahmen sind dabei kein Grund zum Jubeln. Sie zeigen, wie groß das Gefahrenfeld geworden ist. Der Erfolg dieser Operation wird sich nicht daran messen lassen, wie viele Menschen in Fahrzeuge gesetzt wurden. Er wird sich daran messen lassen, ob konkrete Anschläge verhindert, Waffen beschlagnahmt und Verantwortliche vor Gericht gestellt werden.

Israel muss entschlossen handeln. Aber Entschlossenheit bedeutet nicht, auf Genauigkeit zu verzichten. Sie bedeutet, Terroristen zu verfolgen, Unbeteiligte zu schützen und auch dort Verantwortung einzufordern, wo das politisch unbequem ist.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: IDF SPOKESPERSON UNIT

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 25. Juli 2026

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