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Die Huthi nutzen die Feuerpause als Werkstatt für den nächsten Raketenkrieg


Während Washington von Ruhe spricht, arbeiten Irans Verbündete im Jemen offenbar an Reichweite und Präzision ihrer Raketen. Für Israel ist das eine Warnung: Eine Feuerpause, die Terrorgruppen Zeit verschafft, ist keine Entspannung, sondern Vorbereitung.

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Die Huthi feuern derzeit weniger. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte lautet: Nach Informationen westlicher Geheimdienstquellen nutzen sie genau diese ruhigere Phase, um ihre Raketenfähigkeiten zu verbessern. Es geht um größere Reichweite, höhere Zielgenauigkeit und Tests, die zeigen sollen, wie der nächste Angriff auf Israel wirksamer werden kann. Das berichtete die Jerusalem Post unter Berufung auf zwei westliche Geheimdienstquellen.

Damit zeigt sich erneut, wie gefährlich das Wort „Ruhe“ im Nahen Osten sein kann. Ruhe heißt nicht automatisch Deeskalation. Ruhe kann auch bedeuten, dass Waffen geprüft, Reichweiten berechnet, Abschussverfahren verbessert und neue Drohkulissen aufgebaut werden. Genau das ist die Logik der iranischen Stellvertreter: Wenn geschossen wird, soll Israel unter Druck geraten. Wenn nicht geschossen wird, soll die nächste Runde vorbereitet werden.

Die Huthi sind seit Jahren mehr als eine jemenitische Miliz. Sie sind ein iranisch gestützter Akteur an einer der empfindlichsten Stellen des Welthandels: am Roten Meer, am Bab el-Mandeb und nahe den Seewegen, die Europa, Asien, Israel und die Golfregion verbinden. Wer dort Raketen, Drohnen und Marschflugkörper verbessert, bedroht nicht nur Israel. Er bedroht Schifffahrt, Energiepreise, Handel und die Sicherheit ganzer Staaten.

Seit dem Beginn der israelischen Operation gegen Iran hielten sich die Huthi im Vergleich zur Hisbollah auffällig zurück. Nach Angaben des Berichts feuerten sie seit der Wiederaufnahme ihrer Angriffe auf Israel am 28. März etwa sechs Raketen und fünf Drohnen auf israelisches Gebiet. Das ist weniger als andere iranische Fronten. Aber weniger Angriffe bedeuten nicht weniger Gefahr. Gerade Gruppen wie die Huthi nutzen Pausen, um aus Fehlern zu lernen. Was nicht durchkam, wird analysiert. Was zu kurz flog, wird verbessert. Was ungenau war, wird nachjustiert.

Huthi-Führer Abdul-Malik al-Houthi machte vergangene Woche deutlich, dass seine Organisation keineswegs aus dem Konflikt ausgestiegen ist. Er drohte, militärisch zugunsten der Hamas einzugreifen, falls die israelische Armee eine neue Operation im Gazastreifen beginne. Zugleich behauptete er, Israel wolle sich im Golf von Aden, am Bab el-Mandeb und im Roten Meer festsetzen. Auch Somaliland nahm er in seine Drohkulisse auf. Das ist die Sprache einer Bewegung, die jeden regionalen Punkt in eine Front gegen Israel verwandeln will.

Für Israel ist das nicht abstrakt. Raketen aus dem Jemen bedeuten lange Flugbahnen, frühe Warnungen, Abfangkosten, Risiko für Zivilisten und eine ständige Erweiterung des Kriegsraums. Die Huthi liegen weit entfernt von Israels Grenzen, aber nicht außerhalb der Bedrohung. Der 7. Oktober hat gezeigt, wohin es führt, wenn Terrororganisationen unterschätzt werden, nur weil sie zeitweise schweigen oder weil ihr Schauplatz weit weg wirkt.

Die Feuerpause zwischen Israel, den USA und Iran ist deshalb kein sicherer Rahmen. Sie ist ein Test. Wenn Teherans Verbündete die Zeit nutzen, um ihre Fähigkeiten zu verbessern, dann wird die Feuerpause zum Schutzschirm für Aufrüstung. Genau das ist die alte Gefahr jeder halbherzigen Entspannung: Der Westen zählt Tage ohne Einschläge, die Terrorgruppen zählen Fortschritte in ihren Arsenalen.

Israel hat seit seinem Angriff im Jemen vom 25. September 2025 nach dem Bericht keine weiteren Schläge dort ausgeführt, auch nicht während des jüngsten Konflikts mit Iran. Doch Verteidigungsminister Israel Katz machte klar, dass die Rechnung mit den Huthi offen bleibt. Ihre Führung sei nicht immun; wenn der Huthi-Anführer ins israelische Visier gerate, werde Israel ihn ausschalten. Solche Worte sind keine leere Drohung, sondern Teil einer notwendigen Abschreckung. Wer Israel aus tausenden Kilometern Entfernung beschießt, darf nicht glauben, außerhalb jeder Reichweite zu stehen.

Die eigentliche Botschaft dieser Entwicklung lautet: Irans Achse ist nicht verschwunden. Sie sortiert sich. Die Hisbollah steht unter Druck, Hamas ist geschwächt, Iran selbst sucht Luft durch Vereinbarungen mit Washington. Doch die Huthi bleiben ein nützliches Werkzeug: weit genug entfernt, schwer zu erreichen, ideologisch fanatisch, bereit zur Erpressung der Seewege und fähig, Israel auch aus der Ferne unter Druck zu setzen.

Wer also heute nur auf die Zahl der Abschüsse schaut, übersieht den entscheidenden Punkt. Die Huthi messen ihren Erfolg nicht nur an Treffern. Sie messen ihn an der Fähigkeit, die nächste Bedrohung glaubwürdiger zu machen. Größere Reichweite und bessere Präzision verändern die Lage. Sie machen aus einer störenden Front eine strategisch ernstere Gefahr.

Für Washington und Europa sollte das eine Warnung sein. Jede Vereinbarung mit Iran, die dessen Stellvertreter nicht einbindet, bleibt löchrig. Jede Feuerpause, die Raketenprogramme, Drohnenarsenale und maritime Erpressung ausklammert, verschiebt das Problem nur. Teheran muss nicht selbst schießen, wenn seine Verbündeten die Zeit nutzen, um später besser zu schießen.

Israel kann sich solche Illusionen nicht leisten. Ein Staat, der vom Libanon, Gaza, Iran und Jemen aus bedroht wird, darf Ruhe nicht mit Sicherheit verwechseln. Sicherheit entsteht nicht dadurch, dass Raketen einige Wochen schweigen. Sicherheit entsteht erst, wenn ihre nächste Generation nicht gebaut wird.

Die Huthi nutzen die Pause. Israel sollte das nicht vergessen.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 30. Juni 2026

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