Netanyahu besetzt Schlüsselposten nach Mossad-Wechsel neu
Nach Roman Gofmans Wechsel an die Spitze des Mossad bekommt Netanyahu einen neuen Militärsekretär. Brigadegeneral Guy Markizeno übernimmt einen der sensibelsten Posten im Umfeld des Ministerpräsidenten.

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat Brigadegeneral Guy Markizeno zu seinem neuen Militärsekretär ernannt. Damit folgt Markizeno auf Roman Gofman, der am Dienstag offiziell an die Spitze des Mossad wechselte. Die Personalentscheidung ist mehr als eine normale Rochade im Sicherheitsapparat. Der Militärsekretär des Ministerpräsidenten gehört zu den wichtigsten Schnittstellen zwischen politischer Führung, Armee, Nachrichtendiensten und Krisenmanagement. Wer diesen Posten innehat, sitzt nicht im Hintergrund einer Verwaltung. Er steht im Zentrum jener Informationen, die in Jerusalem oft über Krieg, Abschreckung und unmittelbare Sicherheit entscheiden.
Gofmans Wechsel zum Mossad war zuvor vom Obersten Gerichtshof bestätigt worden. Danach musste Netanyahu einen Nachfolger für den Posten des Militärsekretärs bestimmen. Nach israelischen Berichten hatte die IDF mehrere Kandidaten vorgeschlagen, doch die Entscheidung verzögerte sich einige Tage. Nun fällt die Wahl auf Markizeno, der bislang als Militärsekretär von Verteidigungsminister Israel Katz tätig war und zuvor auch für den früheren Verteidigungsminister Yoav Gallant gearbeitet hatte.
Ein Posten mit direktem Zugang zum Zentrum der Macht
Die Bedeutung des Militärsekretärs wird außerhalb Israels oft unterschätzt. In einem Land, das gleichzeitig mit Iran, Hamas, Hisbollah, Terrorgefahr, Geiselfragen, Grenzkonflikten und internationalem Druck umgehen muss, ist dieser Posten eine der wichtigsten Verbindungen zwischen operativer Lage und politischer Entscheidung. Der Militärsekretär erhält häufig als einer der ersten Berichte für den Ministerpräsidenten, bewertet Entwicklungen mit und bleibt gemeinsam mit dem Chef des Nationalen Sicherheitsrats meist in unmittelbarer Nähe des Regierungschefs.
Gerade in Krisensituationen ist diese Rolle entscheidend. Wenn Raketen abgefeuert werden, Geheimdienstinformationen eintreffen, Operationen vorbereitet oder militärische Optionen geprüft werden, braucht der Ministerpräsident jemanden, der die Sprache der Streitkräfte versteht und zugleich die politische Ebene einordnen kann. Der Militärsekretär muss schnell, präzise und belastbar arbeiten. Er darf weder bloßer Überbringer militärischer Einschätzungen noch politischer Lautsprecher sein. Seine Stärke liegt in der Fähigkeit, Lagebilder zu ordnen, Risiken zu benennen und Entscheidungen vorzubereiten.
Markizeno bringt dafür umfangreiche militärische Erfahrung mit. Er kommandierte unter anderem die Artillerieeinheit 405 sowie die Artilleriebrigaden 209 und 215. Zudem war er Planungschef im Infanteriekommando und Stabschef des Nordkommandos. Gerade die Erfahrung im Norden ist in der aktuellen Lage von Gewicht. Die Hisbollah bleibt eine zentrale Bedrohung, der Libanon ist weiterhin ein empfindlicher Schauplatz, und Iran versucht, seine Stellvertreter auch nach schweren Rückschlägen als Druckmittel gegen Israel einzusetzen.
Die Ernennung löst auch interne Spannungen
Die Personalie steht zugleich im Zusammenhang mit Spannungen zwischen Verteidigungsminister Israel Katz und IDF-Generalstabschef Eyal Zamir. Markizeno galt nicht als Zamirs Wunschkandidat für das Amt beim Ministerpräsidenten. Zugleich könnte sein Wechsel ein anderes Problem lösen. Seit Dezember 2025 wollte Zamir Brigadegeneral Tal Polites auf den Posten des israelischen Verteidigungsattachés in den USA bringen. Diese Stelle ist seit Monaten nicht dauerhaft besetzt. Katz hatte dem Vernehmen nach jedoch Markizeno für diese Funktion bevorzugt.
Mit Markizenos Wechsel in Netanyahus Büro könnte der Weg für Polites frei werden. Polites war stellvertretender Marinechef und Kommandeur der Eliteeinheit Schajetet 13. Ob Katz seinen Widerstand gegen diese Besetzung tatsächlich aufgegeben hat, war zunächst nicht abschließend klar. Doch die Ernennung Markizenos könnte die Personalblockade im Sicherheitsapparat zumindest teilweise auflösen.
Solche internen Verschiebungen wirken nach außen oft wie Machtfragen zwischen Ministerien, Militärführung und Regierungsspitze. In Israel haben sie jedoch unmittelbare Bedeutung. Die Qualität der Abstimmung zwischen Ministerpräsident, Verteidigungsminister, Generalstab und Nachrichtendiensten ist in Kriegszeiten keine Nebensache. Wenn persönliche oder politische Spannungen Personalentscheidungen verzögern, kann das Vertrauen im Sicherheitsapparat leiden. Umgekehrt kann eine kluge Besetzung entscheidende Abläufe stabilisieren.
Für Netanyahu ist Markizeno nun eine zentrale Figur im engsten sicherheitspolitischen Umfeld. Der Ministerpräsident setzt nach Gofmans Aufstieg zum Mossad-Chef auf einen Offizier, der Erfahrung im Verteidigungsministerium, in Kommandostrukturen und an der Nordfront mitbringt. Das ist in der aktuellen Lage nachvollziehbar. Israel steht nicht vor einer einzelnen Krise, sondern vor mehreren miteinander verbundenen Fronten: Iran, Libanon, Gaza, internationale Diplomatie und innere Sicherheitsfragen.
Gofman zum Mossad, Markizeno ins Büro des Ministerpräsidenten
Der größere Zusammenhang der Personalentscheidung ist der Umbau an der Spitze des israelischen Sicherheitsapparats. Mit Roman Gofman übernimmt ein Vertrauter Netanyahus den Mossad. Seine Ernennung war umstritten, wurde aber nach juristischer Prüfung bestätigt. Gofman hatte zuvor als Militärsekretär direkten Zugang zum Ministerpräsidenten und war damit bereits tief in sicherheitspolitische Entscheidungsprozesse eingebunden.
Markizeno rückt nun in genau diese Rolle nach. Für Netanyahu bedeutet das Kontinuität an einer sensiblen Stelle, aber auch eine neue Machtbalance. Der Militärsekretär muss dem Ministerpräsidenten dienen, aber zugleich mit IDF-Spitze, Verteidigungsministerium und Nachrichtendiensten professionell zusammenarbeiten. In einer Zeit, in der operative Entscheidungen oft innerhalb von Minuten getroffen werden müssen, kann diese Verbindung über die Qualität politischer Führung entscheiden.
Die Ernennung zeigt daher, wie wichtig Personalfragen in Israels Sicherheitsarchitektur sind. Es geht nicht nur darum, wer welchen Titel trägt. Es geht darum, wer Zugang zu Informationen hat, wer den Regierungschef in kritischen Momenten berät und wer zwischen politischem Willen und militärischer Wirklichkeit vermittelt. Guy Markizeno übernimmt diesen Posten in einer Phase, in der Israel keine schwachen Schnittstellen im Sicherheitsapparat gebrauchen kann.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Freitag, 5. Juni 2026