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Netanyahu unterstützt Ende der US-Militärhilfe: Israel will Partner statt Empfänger sein


Ein republikanischer Vorschlag sieht vor, die jährliche US-Militärhilfe für Israel schrittweise zu beenden. Netanyahu unterstützt den Kurs, weil Jerusalem die Allianz mit Washington auf Augenhöhe neu ordnen will.

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Israel und die Vereinigten Staaten stehen möglicherweise vor einer grundlegenden Neuordnung ihrer sicherheitspolitischen Partnerschaft. Der republikanische Kongressabgeordnete Marlin Stutzman aus Indiana hat eine Resolution eingebracht, die Verhandlungen über ein neues Abkommen zwischen Washington und Jerusalem fordert. Der Kern: Die bisherige jährliche Militärhilfe von 3,8 Milliarden Dollar soll schrittweise auslaufen und durch eine breitere Partnerschaft ersetzt werden, die auf Verteidigungskooperation, Handel und gemeinsamer technologischer Entwicklung beruht.

Das derzeitige Zehn-Jahres-Abkommen wurde 2016 unterzeichnet und umfasst insgesamt 38 Milliarden Dollar an amerikanischer Militärhilfe bis 2028. Nun rückt die Frage näher, wie die Beziehung nach Ablauf dieser Vereinbarung aussehen soll. Stutzman argumentiert, Israel habe sich wirtschaftlich und strategisch so stark entwickelt, dass das alte Modell nicht mehr zur Wirklichkeit passe. Statt fortlaufender Hilfszahlungen solle die Allianz auf eine reifere Grundlage gestellt werden: zwei unabhängige Staaten, die gemeinsame Interessen verfolgen und gemeinsam investieren.

Besonders bemerkenswert ist, dass Ministerpräsident Benjamin Netanyahu diesen Ansatz nach Darstellung Stutzmans unterstützt. Der Kongressabgeordnete erklärte, Netanyahu habe ihm nach einem Treffen in Israel einen Brief übergeben, in dem er die neue Richtung begrüße. Darin soll Netanyahu geschrieben haben, die Zeit sei gekommen, vom Hilfsempfänger zum Partner zu werden.

Für Israel ist das mehr als eine finanzpolitische Frage. Es ist eine Frage des Selbstverständnisses. Der jüdische Staat wurde über Jahrzehnte als bedrohte Demokratie in einer feindlichen Region militärisch stark von Washington unterstützt. Diese Hilfe war historisch bedeutsam. Sie stärkte Israels Abschreckung, vertiefte die strategische Bindung an die USA und half, die qualitative militärische Überlegenheit Israels in einer gefährlichen Nachbarschaft zu sichern. Doch Israel von 2026 ist nicht mehr das Israel früherer Jahrzehnte. Das Land hat rund zehn Millionen Einwohner, eine hoch entwickelte Wirtschaft, eine der leistungsfähigsten Technologieszenen der Welt und Streitkräfte, deren Fähigkeiten weit über klassische Verteidigung hinausgehen.

Eine Allianz auf Augenhöhe

Stutzman betont, sein Vorschlag solle die Beziehung nicht schwächen, sondern stärken. Genau darin liegt der politische Kern. Wer das Ende direkter Militärhilfe automatisch als Abkehr von Israel versteht, übersieht die andere Lesart: Eine Partnerschaft kann stärker werden, wenn sie weniger nach Abhängigkeit und mehr nach gemeinsamer Stärke aussieht.

Die geplante neue Grundlage soll gemeinsame Verteidigungsprojekte, technologische Kooperation und wirtschaftliche Investitionen umfassen. Das ist naheliegend. Israel ist längst nicht nur Empfänger amerikanischer Waffen, sondern selbst ein zentraler Innovationsmotor in Bereichen wie Raketenabwehr, Cyberabwehr, Drohnentechnik, Nachrichtendiensttechnologie, künstlicher Intelligenz, Medizintechnik und Sicherheitsforschung. Viele Entwicklungen, die in Israel entstehen, sind auch für die USA strategisch wertvoll.

Eine Neuordnung könnte daher beiden Seiten nutzen. Die USA würden ihre Ausgaben senken und zugleich engeren Zugang zu israelischer Technologie und gemeinsamer Forschung erhalten. Israel könnte seine Unabhängigkeit stärken und das politische Argument entkräften, es lebe auf Kosten amerikanischer Steuerzahler. Gerade in einer Zeit wachsender Skepsis gegenüber Auslandshilfen in den USA wäre das für Jerusalem nicht unwichtig.

Stutzman versucht deshalb, zwei Lager zusammenzuführen: konservative Haushaltspolitiker, die Ausgaben reduzieren wollen, und pro-israelische Abgeordnete, die die Allianz mit Jerusalem ausbauen wollen. Nach seinen Angaben gibt es bereits Unterstützung aus republikanischen Kreisen, von konservativen Gruppen und pro-israelischen Organisationen. Er verweist darauf, dass Israel nur einen kleinen Teil der amerikanischen Auslandshilfe ausmache, im Vergleich zu Summen für andere Länder wie die Ukraine oder Programme in Afrika und Asien. Zugleich sei Israel ein außergewöhnlich verlässlicher Partner.

Israel bleibt Amerikas stärkster Verbündeter im Nahen Osten

Gerade dieser Punkt ist entscheidend. Israel ist für die USA nicht irgendein Empfängerland. Es ist der wichtigste demokratische Verbündete Washingtons im Nahen Osten, militärisch stark, technologisch führend und strategisch unverzichtbar im Kampf gegen Iran, Terrororganisationen und regionale Instabilität. Die Beziehung beruht nicht nur auf Geld, sondern auf gemeinsamen Interessen, Werten und Bedrohungsanalysen.

Ein schrittweiser Ausstieg aus direkter Militärhilfe müsste daher sorgfältig gestaltet werden. Er darf nicht den Eindruck erzeugen, Washington ziehe sich aus der Sicherheit Israels zurück. Er müsste vielmehr mit neuen Verteidigungsabkommen, gemeinsamen Entwicklungsprogrammen, verlässlicher Munitionsversorgung, beschleunigten Beschaffungswegen und politischer Rückendeckung verbunden werden. Wenn das gelingt, könnte aus einer symbolisch belasteten Hilfsbeziehung eine moderne strategische Partnerschaft entstehen.

Netanyahus Unterstützung für diesen Weg passt zu seinem langfristigen Ziel, Israel als eigenständige regionale Macht darzustellen. Israel will nicht als Bittsteller auftreten, sondern als Staat, der mit den USA auf Augenhöhe handelt. In einer Region, in der Iran weiter droht, die Hisbollah den Libanon unter Druck hält, Hamas nach dem 7. Oktober militärisch und politisch zerschlagen werden muss und die Golfstaaten ihre Sicherheitsarchitektur neu ordnen, ist diese Selbstständigkeit ein Signal.

Gleichzeitig bleibt klar: Auch ohne direkte Militärhilfe wird Israel die USA brauchen. Diplomatische Rückendeckung im UN-Sicherheitsrat, strategische Kooperation, gemeinsame Abschreckung gegenüber Iran und Zugang zu bestimmten amerikanischen Waffensystemen bleiben zentral. Aber das Verhältnis könnte erwachsener werden. Weniger Hilfe, mehr Partnerschaft. Weniger jährliche Transfers, mehr gemeinsame Entwicklung. Weniger Abhängigkeit, mehr gegenseitiger Nutzen.

Der Vorschlag ist zunächst nicht bindend. Er ist ein politischer Anstoß, kein fertiges neues Abkommen. Doch er zeigt, wohin die Debatte gehen könnte. Israel ist stark genug, über ein Ende klassischer Hilfe zu sprechen. Die USA sind interessiert genug, die Allianz nicht zu beenden, sondern neu zu definieren.

Wenn dieser Schritt klug umgesetzt wird, könnte er beiden Seiten dienen. Amerika spart Geld, ohne Israel zu verlieren. Israel gewinnt Unabhängigkeit, ohne die strategische Bindung an Washington zu gefährden. Und die Allianz selbst würde ein neues Kapitel aufschlagen: nicht mehr als Beziehung zwischen Geber und Empfänger, sondern als Partnerschaft zweier Staaten, die gemeinsam wissen, wer ihre Gegner sind und warum ihre Zusammenarbeit im Nahen Osten unverzichtbar bleibt.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 4. Juni 2026

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