Hegseth droht Iran mit neuen US-Angriffen: Washington verhandelt mit der Hand am Abzug
Nach Trumps Treffen im Situation Room gibt es weiter keine endgültige Entscheidung über den Iran-Deal. Während Teheran zentrale Punkte bestreitet, hält das Pentagon neue Angriffe ausdrücklich für möglich.

Die Vereinigten Staaten halten den militärischen Druck auf Iran offen aufrecht. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte am Samstag beim Shangri-La-Dialog in Singapur, Washington sei bereit, Angriffe auf Iran wieder aufzunehmen, falls die laufenden Verhandlungen scheitern. Die USA seien dazu „mehr als fähig“, sagte Hegseth. Auch die Munitionsvorräte seien ausreichend, sowohl in der Region als auch weltweit. Damit sendet das Pentagon eine klare Botschaft an Teheran: Ein Deal ist möglich, aber nicht um jeden Preis.
Die Erklärung fällt in eine entscheidende Phase. Präsident Donald Trump hatte am Freitag angekündigt, im Situation Room des Weißen Hauses eine endgültige Entscheidung über einen Vorschlag zur Beendigung des Iran-Krieges zu treffen. Nach dem Treffen gab es jedoch offenbar keinen finalen Beschluss. Damit bleibt offen, ob Washington einer Verlängerung der seit Anfang April bestehenden Feuerpause um weitere 60 Tage zustimmt, um den Unterhändlern mehr Zeit für ein dauerhaftes Abkommen zu geben. Reuters berichtet, dass Washington und Teheran weiter versuchen, erhebliche Differenzen zu überbrücken.
Trump hatte zuvor erklärt, die amerikanische Seeblockade in der Straße von Hormus werde aufgehoben. Die Meerenge müsse sofort für den freien Schiffsverkehr in beide Richtungen geöffnet werden, ohne Gebühren und ohne Einschränkungen. Außerdem verlangte er, Iran müsse verbliebene Seeminen beseitigen. Zugleich sprach Trump von vergrabenem angereichertem Uran, das er als „nuclear dust“ bezeichnete. Dieses Material solle nach seiner Darstellung von den USA geborgen und in Abstimmung mit Iran und der Internationalen Atomenergiebehörde vernichtet werden. Trump betonte außerdem, dass vorerst kein Geld an die Islamische Republik fließen werde.
Teheran weist zentrale Punkte dieser Darstellung zurück. Die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Fars sprach unter Berufung auf informierte Quellen von einer Mischung aus Wahrheit und Falschheit. Iran wirft Trump vor, einen erfundenen Sieg darstellen zu wollen. Nach iranischer Darstellung enthält das Memorandum keine Klausel, die eine gebührenfreie Öffnung der Straße von Hormus vorschreibt. Ebenso gebe es laut Teheran keine Bestimmung über die Vernichtung angereicherten Urans. Ein iranischer Vertreter erklärte gegenüber Reuters, das Papier enthalte überhaupt keine nuklearen Klauseln. Zugleich fordert Iran offenbar sofortigen Zugriff auf eingefrorene Vermögenswerte in Höhe von zwölf Milliarden Dollar.
Genau diese Widersprüche machen die Lage so gefährlich. Washington stellt das mögliche Abkommen als Schritt zur Kontrolle Irans dar. Teheran versucht, die eigene Deutung durchzusetzen und jeden Eindruck eines Nachgebens zu vermeiden. Wenn beide Seiten schon vor einer Unterschrift so unterschiedliche Versionen verbreiten, ist Vorsicht geboten. Ein Deal, dessen Kernpunkte nicht einmal öffentlich gleich beschrieben werden, kann für Israel keine verlässliche Sicherheitsgrundlage sein.
Hegseth stellte Trump als geduldig dar, aber nicht als nachgiebig. Der Präsident wolle einen „großartigen Deal“, der sicherstelle, dass Iran keine Atomwaffe erhalte. Genau hier liegt der Kern des Konflikts. Teheran will wirtschaftliche Entlastung, Zugriff auf eingefrorene Gelder und eine Normalisierung seiner Lage. Washington verlangt im Gegenzug Garantien gegen ein iranisches Atomwaffenprogramm und eine Öffnung der Straße von Hormus. Doch Iran bestreitet ausgerechnet jene Punkte, die Trump als entscheidend dargestellt hat.
Für Israel ist diese amerikanische Haltung von hoher Bedeutung. Ein Abkommen, das nur Ruhe verspricht, aber Irans nukleare Infrastruktur, Raketenprogramme und Stellvertreternetzwerke unangetastet lässt, wäre keine Lösung. Jerusalem kann sich nicht auf Worte verlassen, wenn Teheran seit Jahren Hamas, Hisbollah und andere Terrororganisationen unterstützt. Entscheidend ist nicht, ob ein Papier unterschrieben wird. Entscheidend ist, ob Iran danach tatsächlich weniger gefährlich ist.
Dass Hegseth die militärische Option ausdrücklich betont, soll auch Druck am Verhandlungstisch erzeugen. Iran muss wissen, dass die USA nicht aus Erschöpfung verhandeln, sondern aus einer Position der Stärke. Gleichzeitig versucht Washington, Verbündete in Asien zu beruhigen. Hegseth sagte in Singapur, die USA hätten sich trotz des Iran-Konflikts nicht vom indopazifischen Raum abgewandt. Amerika könne zwei Dinge gleichzeitig tun und baue seine Rüstungsproduktion massiv aus.
Für Jerusalem bleibt die Lage dennoch heikel. Jede Verlängerung der Feuerpause kann sinnvoll sein, wenn sie zu überprüfbaren Ergebnissen führt. Sie wird gefährlich, wenn sie Iran nur Zeit verschafft, seine Position zu ordnen, seine Bestände zu sichern und über Drittstaaten wirtschaftliche Erleichterungen zu erzwingen. Nach dem Treffen im Weißen Haus ist klar: Die Entscheidung ist noch nicht gefallen, der Druck bleibt, aber die Differenzen sind weiterhin erheblich.
Der Iran-Konflikt steht damit an einem kritischen Punkt. Trump will einen Deal, Hegseth hält die Drohung militärischer Gewalt aufrecht, und Teheran versucht, möglichst viel Entlastung zu erhalten, ohne entscheidende Zugeständnisse zu machen. Für Israel zählt am Ende nur die Realität vor Ort: keine iranische Atomwaffe, keine freie Hand für Revolutionsgarden, keine Milliarden zur Wiederbelebung von Terrornetzwerken. Alles darunter wäre keine Entspannung, sondern ein Aufschub der nächsten Krise.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 30. Mai 2026