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Israel rückt über den Litani vor und trifft Hisbollah im Herzen des Libanon


Netanyahu bestätigt israelische Operationen nördlich des Litani, in Beirut und in der Bekaa-Ebene. Israel macht deutlich: Die Hisbollah soll nicht nur zurückgedrängt, sondern als Terrorarmee gebrochen werden.

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Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat bei einem Besuch an der Nordgrenze bestätigt, dass israelische Soldaten den Litani-Fluss im Libanon überschritten haben. Damit wird eine neue Phase im Kampf gegen die Hisbollah sichtbar. Es geht nicht mehr nur um einzelne Schläge im Grenzgebiet, nicht mehr nur um die Abwehr von Raketen, Drohnen und Infiltrationsversuchen. Israel operiert nach Netanyahus Worten in Beirut, in der Bekaa-Ebene und über die gesamte Breite der Front. Die Botschaft ist klar: Die Hisbollah soll dort getroffen werden, wo sie ihre Macht aufgebaut hat, nicht nur dort, wo sie Israel unmittelbar beschießt.

Netanyahu sprach während seines Besuchs an der Nordgrenze von israelischen Kräften, die den Litani überschritten und beherrschende Positionen eingenommen hätten. Begleitet wurde er von Verteidigungsminister Israel Katz. Vor Ort ließ er sich vom Chef des Nordkommandos, Generalmajor Rafi Milo, und vom Kommandeur der 36. Division, Brigadegeneral Yiftach Norkin, über die Operationen im Libanon unterrichten. Die Bilder und Worte dieses Besuchs waren bewusst gewählt. Netanyahu wollte zeigen, dass der Krieg gegen die Hisbollah nicht aus Jerusalem heraus nur verwaltet wird, sondern an der Front geführt, bewertet und politisch abgesichert wird.

Der Litani ist dabei mehr als ein Fluss. Er ist seit Jahrzehnten ein militärischer und politischer Bezugspunkt im Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah. Nach dem Zweiten Libanonkrieg von 2006 sollte die UN-Resolution 1701 dafür sorgen, dass südlich des Litani keine bewaffnete Hisbollah-Präsenz mehr besteht. In der Realität baute die Terrororganisation ihre militärische Infrastruktur im Libanon weiter aus. Raketen, Waffenlager, Tunnel, Beobachtungsposten, Drohnenfähigkeiten und Kommandoeinheiten wurden Teil eines Systems, das Israel dauerhaft bedroht. Genau deshalb hat der israelische Vormarsch über den Litani eine strategische Bedeutung: Er zeigt, dass Israel die bisherigen Begrenzungen nicht länger als ausreichend betrachtet, wenn die Hisbollah sie über Jahre ausgehöhlt hat.

Netanyahu formulierte es entsprechend hart. Israel füge der Hisbollah einen schweren Schlag zu, sagte er. Die israelischen Kräfte operierten nicht nur im Süden, sondern auch in Beirut und in der Bekaa-Ebene. Gerade die Bekaa ist für die Hisbollah und ihre Verbindung zum Iran seit Langem von Bedeutung. Wer dort Infrastruktur trifft, trifft nicht nur einzelne Kämpfer, sondern Wege, Lager, Ausbildung, Nachschub und die tiefere Verbindung zwischen Teheran und seinem wichtigsten Terrorpartner an Israels Nordgrenze. Beirut wiederum ist nicht nur Libanons Hauptstadt, sondern auch ein Raum, in dem die Hisbollah politische Macht, Sicherheitsstrukturen und militärische Netzwerke aufgebaut hat.

Für Israel ist die Hisbollah keine gewöhnliche Miliz. Sie ist eine vom Iran aufgebaute und gestützte Terrororganisation, die im Libanon eine Machtstellung erreicht hat, die den Staat selbst schwächt. Sie besitzt ein gewaltiges Raketenarsenal, bedroht israelische Städte, nutzt zivile Räume für militärische Zwecke und handelt als Teil der sogenannten Achse des Widerstands, also des iranischen Terror- und Milizennetzwerks gegen Israel. Wer die Hisbollah nur als libanesischen Akteur beschreibt, unterschlägt ihren eigentlichen Charakter. Sie ist Irans stärkster Vorposten direkt an Israels Nordgrenze.

Netanyahus Worte vor den Soldaten waren deshalb nicht nur Lob für eine laufende Operation. Sie waren auch Teil einer innenpolitischen und strategischen Botschaft. Er sprach von einem gewaltigen Kampfgeist und davon, dass die Soldaten und ihre Kommandeure die Stärke der israelischen Armee bewiesen. Solche Formulierungen sind in Israel nicht bloß Rhetorik. Der Norden des Landes steht seit langer Zeit unter dem Druck der Hisbollah. Familien mussten ihre Häuser verlassen, Gemeinden lebten mit Sirenen, Drohnen, Raketen und der Sorge vor einem Angriff ähnlich dem 7. Oktober. Ein Staat, der seine Bürger im Norden dauerhaft nicht schützen kann, verliert nicht nur Territorium im praktischen Sinn, sondern Vertrauen in seine eigene Schutzfähigkeit.

Die Operation im Libanon ist deshalb eng mit der Frage verbunden, ob die Bewohner Nordisraels sicher zurückkehren können. Israel kann nicht akzeptieren, dass eine Terrororganisation wenige Kilometer von seinen Gemeinden entfernt Raketen lagert, Drohnen startet und Angriffseinheiten bereithält. Nach dem Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 hat sich Israels Sicherheitsdenken nochmals verschärft. Die Lehre ist bitter, aber eindeutig: Terrorinfrastruktur darf nicht so lange wachsen, bis sie zum Massaker fähig ist. Was in Gaza geschah, darf sich im Norden nicht wiederholen.

Die Hisbollah hat den Libanon über Jahre in eine gefährliche Lage gebracht. Sie entscheidet über Krieg und Frieden mit, ohne die volle Verantwortung eines Staates zu tragen. Sie versteckt sich in einem Land, dessen Bevölkerung die Folgen ihrer Strategie tragen muss. Wenn Israel im Libanon operiert, wird international oft zuerst auf die Zerstörung geschaut. Doch die entscheidende Frage lautet, warum eine Terrororganisation überhaupt in der Lage ist, ein ganzes Land als militärische Plattform gegen Israel zu nutzen. Die Verantwortung liegt nicht allein bei jenen, die Terrorinfrastruktur bekämpfen. Sie liegt zuerst bei jenen, die diese Infrastruktur aufbauen, bewaffnen und in zivile Räume einbetten.

Dass Netanyahu Beirut und die Bekaa ausdrücklich nennt, ist daher ein Signal an mehrere Adressen. An die Hisbollah: Es gibt keinen sicheren Raum mehr, wenn Angriffe auf Israel fortgesetzt werden. An den Iran: Der Stellvertreterkrieg hat Kosten. An den Libanon: Ein Staat, der Hisbollah nicht entwaffnet, bleibt Geisel ihrer Entscheidungen. Und an die eigene Bevölkerung: Israel wird den Norden nicht aufgeben.

Die Lage bleibt gefährlich. Je tiefer israelische Kräfte im Libanon operieren, desto größer ist das Risiko weiterer Kämpfe, internationaler Kritik und regionaler Gegenreaktionen. Doch aus israelischer Sicht ist die Alternative nicht Frieden, sondern ein langsamer Verlust von Sicherheit. Die Hisbollah hat über Jahre gezeigt, dass sie Ruhephasen nutzt, um stärker zu werden. Israel will diese Logik durchbrechen. Nicht die nächste Waffenruhe um jeden Preis steht im Mittelpunkt, sondern eine Sicherheitsordnung, in der die Hisbollah nicht mehr unmittelbar an Israels Grenze als Terrorarmee auftreten kann.

Netanyahu sprach davon, dass Israel bis zum Ende weitermachen werde. Was dieses Ende genau bedeutet, bleibt militärisch und politisch offen. Klar ist jedoch: Der Vormarsch über den Litani markiert einen Einschnitt. Israel sendet die Botschaft, dass es die Hisbollah nicht mehr nur eindämmen will. Es will ihre militärische Handlungsfähigkeit brechen, ihre Rückzugsräume treffen und ihren iranischen Schutzschirm politisch wie militärisch herausfordern.

Für Europa und Deutschland sollte diese Entwicklung eine unbequeme Erinnerung sein. Die Hisbollah ist kein Randproblem des Libanon, sondern Teil eines größeren iranischen Terrornetzwerks. Wer von Deeskalation spricht, ohne die Entwaffnung und Zurückdrängung der Hisbollah zu verlangen, fordert im Ergebnis oft nur, dass Israel die Bedrohung weiter erträgt. Doch kein Staat kann dauerhaft akzeptieren, dass eine Terrororganisation seine Bürger vertreibt, seine Grenze bedroht und seine Städte ins Visier nimmt.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 29. Mai 2026

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