Jordaniens Schulbücher vergiften den Frieden mit Israel
Jordanien gilt im Westen als verlässlicher Partner Israels. Doch wenn Schulbücher Juden verächtlich machen, Israel aus Karten tilgen und Terror relativieren, bleibt vom Friedensbild wenig übrig.

Der Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien ist mehr als drei Jahrzehnte alt. Auf internationalen Bühnen wird das Haschemitische Königreich bis heute gern als Stimme der Mäßigung verkauft, als arabischer Partner des Westens, als Nachbar, mit dem Israel trotz aller Krisen eine strategisch wichtige Verbindung hält. Doch ein Frieden, der in diplomatischen Sälen beschworen und in Klassenzimmern ausgehöhlt wird, bleibt brüchig. Genau deshalb sind die neuen Befunde über jordanische Schulbücher so schwerwiegend. Sie betreffen nicht irgendeinen Randbereich der Politik, sondern die Frage, welches Bild von Juden, Israel und dem jüdischen Staat an Kinder und Jugendliche weitergegeben wird.
Nach einem aktuellen Bericht des Forschungsinstituts IMPACT-se enthalten jordanische Schulbücher für das Schuljahr 2025/2026 weiterhin antisemitische und antiisraelische Muster. Das ist nicht nur beschämend. Es ist politisch gefährlich. Denn wer junge Menschen mit dem Eindruck aufwachsen lässt, Juden seien von Natur aus verräterisch, Israel sei kein legitimer Staat und Gewalt gegen Israelis müsse als Reaktion auf angebliche „Aggression“ verstanden werden, legt geistig den Boden für genau jene Feindschaft, die später als „Volksmeinung“ entschuldigt wird.
Besonders schwer wiegt, dass Jordanien nicht Iran ist, nicht Gaza unter Hamas-Herrschaft und nicht ein Staat ohne Beziehungen zu Israel. Jordanien hat 1994 Frieden mit Israel geschlossen. Es erhält westliche Unterstützung, pflegt sicherheitspolitische Verbindungen, gilt in Washington und europäischen Hauptstädten als Stabilitätsanker. Gerade deshalb kann man sich hier nicht mit Ausreden zufriedengeben. Wer international Mäßigung beansprucht, darf im eigenen Bildungssystem nicht dulden, dass alte Feindbilder weiterleben.
Die Befunde sind deutlich. In den untersuchten Lehrmaterialien wird nach Angaben von IMPACT-se zwar an manchen Stellen Toleranz gegenüber Christen gefördert, doch diese Toleranz endet offenbar dort, wo Juden und Israel ins Spiel kommen. Juden werden demnach mit Verrat, Vertragsbruch und schädlichem Einfluss verbunden. Ein Geschichtsbuch soll behaupten, Juden hätten während des Ersten Weltkriegs versucht, die deutsche Wirtschaft zu zerstören. Außerdem werde westliche Unterstützung für die Balfour-Erklärung mit angeblichem jüdischem finanziellen und politischen Einfluss erklärt. Das ist nicht Bildung. Das ist die Weitergabe klassischer antisemitischer Erzählmuster in modernem Schulbuchgewand.
Noch schwerer ist die Wirkung solcher Inhalte auf Schüler. Wenn ein Lehrbuch für die neunte Klasse Verrat und Vertragsbruch als angebliche Eigenschaften von Juden behandelt und Schüler darüber nachdenken lässt, warum Juden Muslime vernichten wollten, dann wird nicht Geschichte erklärt. Dann wird ein Feindbild verankert. Ein Kind, das solche Sätze im Unterricht liest, lernt nicht, komplexe historische Konflikte zu verstehen. Es lernt, eine ganze Gruppe moralisch abzuwerten. Das ist der Kern von Antisemitismus: aus Menschen ein Prinzip des Bösen zu machen.
Auch Israel wird nicht als Nachbarstaat dargestellt, mit dem Jordanien einen Friedensvertrag geschlossen hat, sondern als fremder Störkörper. Karten, auf denen Israel häufig als „Palästina“ erscheint, sind kein harmloser grafischer Fehler. Sie sind eine politische Aussage. Sie löschen die Existenz des jüdischen Staates aus dem Blick junger Menschen. Wer Kindern zeigt, dass Israel auf der Landkarte nicht vorkommt, darf sich später nicht wundern, wenn diese Kinder die Existenz Israels nicht als Wirklichkeit, sondern als Zumutung betrachten.
Besonders empörend ist die Darstellung des 7. Oktober. Das Massaker der Hamas war kein militärischer Zwischenfall, keine verständliche Reaktion und kein politischer Akt, den man in eine Erzählung von „Widerstand“ einordnen darf. Es war ein terroristisches Massaker an Israelis, an Familien, an Kindern, an Jugendlichen, an Alten, an Menschen auf einem Musikfestival, an Bewohnern von Kibbuzim und Städten im Süden Israels. Wenn Schulbücher diesen Angriff als Antwort auf „israelische Aggression“ rahmen und die betroffenen israelischen Orte als „Siedlungen“ bezeichnen, wird die Wirklichkeit moralisch verdreht. Dann wird das Opfer sprachlich zum Schuldigen gemacht und der Täter in eine angebliche Verteidigungsrolle verschoben.
Genau hier zeigt sich, wie tief das Problem reicht. Es geht nicht nur um einzelne problematische Formulierungen. Es geht um eine politische Erziehung, die den Frieden formal anerkennt, ihn aber innerlich nicht trägt. Jordanien kann nach außen vom Ausgleich sprechen, doch wenn in Lehrbüchern Israel delegitimiert und Juden abgewertet werden, bleibt diese Mäßigung halbiert. Sie funktioniert auf diplomatischer Ebene, aber nicht im Bewusstsein der nächsten Generation.
Das ist für Israel besonders bitter. Jerusalem weiß, wie wichtig die Beziehungen zu Amman sind. Die Grenze zu Jordanien, die Sicherheitskooperation, die regionale Balance, die Rolle Jordaniens auf dem Tempelberg und die fragile Lage in der arabischen Welt machen das Verhältnis zu einem strategischen Gut. Israel hat kein Interesse daran, Jordanien zu destabilisieren. Aber Stabilität darf nicht bedeuten, dass man systematische Feindbilder im Bildungswesen stillschweigend hinnimmt.
Auch der Westen muss sich fragen lassen, wie lange er solche Widersprüche noch schönreden will. Jordanien wird als Partner behandelt, erhält Unterstützung, politische Rückendeckung und diplomatische Nachsicht. Dann muss aber auch gelten: Ein Partner, der Frieden beansprucht, muss Frieden lehren. Nicht nur in Regierungserklärungen, sondern in Klassenzimmern. Nicht nur gegenüber westlichen Delegationen, sondern gegenüber den eigenen Schülern.
Der häufige Hinweis auf innenpolitischen Druck in Jordanien reicht nicht aus. Natürlich ist die öffentliche Stimmung gegenüber Israel in Teilen der jordanischen Gesellschaft schwierig. Natürlich steht die Monarchie zwischen regionalen Spannungen, palästinensischer Identität vieler Bürger und dem eigenen Sicherheitsinteresse. Aber gerade deshalb ist Bildung entscheidend. Wer den Hass im Schulbuch stehen lässt, entschärft keinen Druck. Er vererbt ihn.
Ein Staat, der jungen Menschen beibringt, Juden durch Misstrauen, Verrat und böse Absicht zu betrachten, schafft keine kritischen Bürger. Er schafft eine Generation, der Antisemitismus als normales Wissen begegnet. Ein Staat, der Israel aus Karten verschwinden lässt, fördert nicht nationale Würde, sondern politische Verweigerung. Ein Staat, der den 7. Oktober nicht klar als Terror benennt, sondern in eine Rechtfertigungslogik einbettet, beschädigt die moralische Grundlage jeder Friedenserziehung.
Der Bericht von IMPACT-se ist deshalb mehr als eine Bildungsstudie. Er ist ein Warnsignal an Jerusalem, Washington und Europa. Frieden im Nahen Osten scheitert nicht nur an Raketen, Milizen und Regimen. Er scheitert auch an Schulbüchern, in denen Kinder lernen, dass Juden misstrauisch betrachtet, Israel ausgelöscht und Terror als Folge angeblicher israelischer Schuld erklärt werden kann.
Jordanien muss sich entscheiden, welchen Frieden es will. Einen Frieden für Botschafter, Verträge und internationale Pressekonferenzen. Oder einen Frieden, der auch in den Köpfen der nächsten Generation eine Chance bekommt. Beides zugleich geht nicht. Man kann nicht in Washington als moderater Verbündeter auftreten und in Schulbüchern Erzählungen dulden, die alte antisemitische Muster neu einprägen.
Für Israel ist diese Wahrheit unbequem, aber notwendig. Der Frieden mit Jordanien bleibt strategisch wichtig. Doch gerade weil er wichtig ist, darf er nicht auf einer pädagogischen Lüge ruhen. Wer Frieden will, muss Kindern sagen, dass Juden keine Feinde sind, dass Israel existiert, dass Terror Terror ist und dass Geschichte nicht dazu dienen darf, Hass in Schulstunden zu verpacken.
Alles andere ist kein Frieden. Es ist ein Vertrag über einer glimmenden Glut.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 28. Mai 2026