Netanyahu im Weißen Haus: Krisengespräch mit Trump über rote Linien gegenüber Iran
In Washington hat das mit Spannung erwartete Treffen zwischen Benjamin Netanyahu und Donald Trump begonnen. Im Mittelpunkt stehen die Atomgespräche mit Iran und die Frage, welche Bedingungen Israel als unverzichtbar betrachtet.

Netanyahu im Weißen Haus: Krisengespräch mit Trump über rote Linien gegenüber Iran
Vorschautext: In Washington hat das mit Spannung erwartete Treffen zwischen Benjamin Netanyahu und Donald Trump begonnen. Im Mittelpunkt stehen die Atomgespräche mit Iran und die Frage, welche Bedingungen Israel als unverzichtbar betrachtet.
Im Weißen Haus läuft seit den frühen Abendstunden das entscheidende Gespräch zwischen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und US-Präsident Donald Trump. Beide Staatsmänner beraten über die weitere Strategie gegenüber Iran und über die Bedingungen, unter denen ein mögliches Abkommen überhaupt akzeptabel sein könnte.
Die Begegnung findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem Washington und Teheran bereits erste indirekte Verhandlungen führen. Für Israel ist diese Entwicklung von höchster Sensibilität. Netanyahu will dem amerikanischen Präsidenten die klaren roten Linien Jerusalems darlegen und verhindern, dass ein Abkommen entsteht, das Irans militärische Fähigkeiten unangetastet lässt.
Schon vor seiner Abreise machte Netanyahu deutlich, mit welcher Botschaft er nach Washington kommt. „Ich werde Präsident Trump die Grundsätze für Verhandlungen mit Iran präsentieren, die nicht nur für Israel, sondern für alle wichtig sind, die Frieden und Sicherheit wollen“, erklärte er beim Einstieg in das Regierungsflugzeug. Diese Prinzipien seien entscheidend für die Stabilität des gesamten Nahen Ostens.
Nach seiner Ankunft in den Vereinigten Staaten traf Netanyahu zunächst mit Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff und dessen Berater Jared Kushner zusammen. Bei diesem Gespräch wurde der israelische Premier über den Verlauf der ersten Verhandlungsrunde zwischen den USA und Iran informiert, die wenige Tage zuvor in Oman stattgefunden hatte. Für Israel ist diese direkte Einbindung in den Informationsfluss von großer Bedeutung, denn jede Entwicklung in den Gesprächen kann unmittelbare sicherheitspolitische Folgen haben.
Vor dem Treffen mit Trump kam es zu einem weiteren wichtigen Schritt. Netanyahu unterzeichnete während eines Gesprächs mit US-Außenminister Marco Rubio offiziell den Beitritt Israels zum sogenannten Friedensrat für Gaza. Bereits am 19. Januar hatte der Premier in einem Schreiben seine Zustimmung zur Charta dieses Gremiums erklärt. Mit der nun erfolgten formalen Unterzeichnung wird Israels Teilnahme endgültig besiegelt.
Das neue internationale Gremium soll nach den Plänen der Trump-Administration eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau und bei der Stabilisierung des Gazastreifens spielen. Für Jerusalem ist der Beitritt ein Weg, künftige Entscheidungen über Gaza aktiv mitzugestalten und sicherzustellen, dass jede Regelung den israelischen Sicherheitsinteressen entspricht.
Doch trotz dieser diplomatischen Themen dominiert im Weißen Haus vor allem ein Punkt: Iran. In Israel wächst die Sorge, dass die laufenden amerikanisch-iranischen Gespräche zu einem Abkommen führen könnten, das sich lediglich auf das Atomprogramm beschränkt und andere Bedrohungen ausklammert. Aus Sicht Jerusalems reicht eine bloße Begrenzung der Urananreicherung nicht aus. Ebenso entscheidend sind das iranische Raketenprogramm und die massive Unterstützung von Terrororganisationen in der Region.
Netanyahu will Trump deshalb überzeugen, dass ein künftiges Abkommen nur dann Sinn ergibt, wenn es alle diese Aspekte berücksichtigt. Israel fordert unter anderem die vollständige Einstellung der Urananreicherung, die Ausfuhr bereits angereicherten Materials aus Iran sowie strenge und jederzeit mögliche Kontrollen durch die Internationale Atomenergiebehörde.
In Washington ist man sich bewusst, dass das Verhältnis zu Israel ein zentraler Faktor jeder Nahostpolitik bleibt. Trump und Netanyahu verbindet eine lange politische Beziehung, doch beide verfolgen auch eigene Interessen. Der amerikanische Präsident sucht nach einem diplomatischen Erfolg, während Israel vor allem ein Abkommen verhindern will, das Teheran Zeit und Spielraum verschafft.
Die Gespräche im Weißen Haus finden bewusst ohne öffentliche Begleitmusik statt. Weder eine gemeinsame Pressekonferenz noch öffentliche Erklärungen sind geplant. Beide Seiten bevorzugen einen vertraulichen Rahmen, um heikle Fragen offen und ohne äußeren Druck zu erörtern.
Für Netanyahu ist dieser Besuch eine Mission von größter Tragweite. Er weiß, dass die kommenden Entscheidungen in Washington maßgeblich darüber bestimmen werden, ob Israel in den nächsten Jahren sicherer lebt oder sich einer noch größeren Bedrohung gegenübersieht.
Das Ergebnis des Treffens wird daher weit über die aktuellen Verhandlungen hinausreichen. Es geht nicht nur um ein mögliches Abkommen, sondern um die strategische Zukunft des Nahen Ostens.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By The White House - https://www.flickr.com/photos/202101414@N05/54822870395/, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=177564471
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 11. Februar 2026