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Blutige Nacht in Israel: Arabische Kriminalität fordert vier Menschenleben


Autobombe, Schießerei, Tote mitten in Wohngebieten. Innerhalb weniger Stunden erschüttert eine neue Gewaltwelle die arabischen Gemeinden Israels. Die innere Sicherheit droht außer Kontrolle zu geraten.

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Israel hat sich an Terror gewöhnt, an Raketenalarme, an Bedrohungen von außen. Doch was in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag geschah, kam nicht aus Gaza, nicht aus dem Libanon und auch nicht aus dem Iran. Es kam aus dem Inneren des Landes selbst. Vier israelische Bürger verloren in wenigen Stunden ihr Leben, Opfer einer ausufernden Kriminalität im arabischen Sektor, die seit Jahren wächst und von vielen als größte innenpolitische Gefahr des Landes betrachtet wird.

Der erste Schock ereignete sich am späten Mittwochabend in Kirjat Jam nahe Haifa. Eine gewaltige Explosion riss Anwohner aus ihren Wohnungen. Ein Auto ging in Flammen auf, Trümmer flogen durch die Luft, Fensterscheiben barsten. Was zunächst wie ein möglicher Raketenangriff wirkte, entpuppte sich rasch als gezielte kriminelle Tat. Nach ersten Ermittlungen war eine Sprengladung am Fahrzeug angebracht worden und detonierte offenbar früher als geplant.

Als Rettungskräfte eintrafen, bot sich ihnen ein Bild der Verwüstung. Drei Menschen lagen schwer verletzt neben dem brennenden Wagen. Ein Mann, etwa vierzig Jahre alt, musste noch am Einsatzort wiederbelebt werden. Trotz sofortiger medizinischer Hilfe wurde er kurz darauf im Krankenhaus für tot erklärt. Ein 30-jähriger Mann und ein etwa 13-jähriger Junge wurden mit lebensgefährlichen Verletzungen in das Rambam-Krankenhaus gebracht. Der Erwachsene musste notoperiert werden und liegt weiterhin im kritischen Zustand. Auch der Jugendliche kämpft um sein Leben.

Für die Bewohner des Viertels war der Vorfall traumatisch. Viele glaubten im ersten Moment an einen militärischen Zwischenfall. Ein Anwohner berichtete, man habe sofort an einen Raketeneinschlag gedacht. Erst später sei klar geworden, dass es sich um eine Tat aus dem kriminellen Milieu handelte. Doch diese Erkenntnis brachte kaum Erleichterung. Die Explosion ereignete sich in unmittelbarer Nähe zu Wohnhäusern und einem kleinen Einkaufszentrum. Kinder spielten in der Umgebung. Dass nicht noch mehr Menschen getötet wurden, grenzt an ein Wunder.

Nur wenige Stunden später, am frühen Donnerstagmorgen, folgte das nächste Blutbad. In einem Beduinendorf in der Unteren Galiläa eröffneten Unbekannte das Feuer auf mehrere Männer. Drei Menschen wurden getötet. Zwei von ihnen, beide etwa dreißig Jahre alt, starben noch am Tatort. Ein dritter Mann, rund fünfzig Jahre alt, erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Auch hier geht die Polizei von einem Hintergrund im Bereich organisierter Kriminalität aus.

Die Ermittlungen laufen, doch für viele Israelis wiederholt sich ein bekanntes Muster. Seit Jahren versinken Teile der arabischen Gemeinden in Israel in einem Strudel aus Clanfehden, Schutzgelderpressung, Drogenhandel und illegalem Waffenbesitz. Die Zahl der Morde in diesem Sektor ist dramatisch hoch. Im vergangenen Jahr wurden in arabischen Ortschaften mehr Menschen durch kriminelle Gewalt getötet als durch Terroranschläge. Dennoch scheint der Staat kaum in der Lage zu sein, diese Entwicklung zu stoppen.

Staatspräsident Isaac Herzog fand deutliche Worte. Es handele sich nicht um eine interne Angelegenheit eines bestimmten Bevölkerungssektors, sondern um eine nationale Tragödie. Das vergossene Blut sei das Blut israelischer Bürger, und die Kriminalität bedrohe die Sicherheit des gesamten Landes. Seine Botschaft war klar: Wegsehen ist keine Option mehr.

Auch Oppositionsführer Yair Lapid äußerte sich scharf. Er sprach von einem weiteren Tag, an dem israelische Bürger mit ihrem Leben für das Versagen der Regierung bezahlten. Ob Juden oder Araber, betonte Lapid, spiele keine Rolle. Es seien Bürger Israels, und der Staat dürfe diesen Zustand nicht akzeptieren. Seine Kritik richtete sich vor allem gegen den Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, dem viele vorwerfen, große Versprechen abgegeben, aber wenig konkrete Ergebnisse geliefert zu haben.

Die Realität auf den Straßen arabischer Städte und Dörfer ist längst unerträglich geworden. Waffen sind leicht erhältlich, Polizei und Justiz oft machtlos oder zu langsam, lokale Autoritäten eingeschüchtert. Viele Familien leben in ständiger Angst vor der nächsten Abrechnung zwischen rivalisierenden Gruppen. Selbst einfache Alltagswege können zur Lebensgefahr werden.

Dabei warnen Experten seit Jahren, dass die unkontrollierte Verbreitung illegaler Waffen und die Schwäche staatlicher Strukturen irgendwann das gesamte Land destabilisieren könnten. Die jüngsten Ereignisse zeigen, wie berechtigt diese Warnungen sind. Wenn Autobomben in Wohngebieten explodieren und Menschen am helllichten Morgen erschossen werden, dann ist das nicht mehr nur ein Problem einzelner Gemeinden. Dann wird es zu einer nationalen Krise.

Für Israel, ein Land, das sich seit Jahrzehnten gegen äußere Feinde behauptet, ist diese innere Bedrohung vielleicht die komplizierteste von allen. Terror lässt sich militärisch bekämpfen. Kriminalität, die tief in sozialen Strukturen verwurzelt ist, erfordert Geduld, Investitionen, konsequente Strafverfolgung und politischen Willen. Genau daran scheint es bisher zu fehlen.

Die Familien der Opfer von Kirjat Jam und der Unteren Galiläa werden ihre Angehörigen nicht zurückbekommen. Für sie bleibt nur Trauer und Wut. Für den Staat Israel bleibt die dringende Aufgabe, endlich zu beweisen, dass das Recht stärker ist als die Banden und dass die Sicherheit seiner Bürger nicht nur an den Grenzen, sondern auch in den eigenen Straßen verteidigt wird.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: UNITED HATZALAH

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 5. Februar 2026

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