Nach 693 Tagen: Israel bringt die sterblichen Überreste von Ilan Weiss aus Gaza zurück


Ein außergewöhnlicher Einsatz brachte die Leiche von Ilan Weiss, Mitglied des Notfallteams von Kibbuz Be’eri, zurück nach Israel. Fast zwei Jahre hielt Hamas den Toten als Geisel. Der Fall zeigt, wie grausam die Terrororganisation vorgeht – und wie entschlossen Israel um jeden Vermissten kämpft.

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Fast zwei Jahre nach dem Massaker vom 7. Oktober hat die israelische Armee die sterblichen Überreste von Ilan Weiss zurück nach Israel gebracht. Der 56-Jährige, Mitglied des Notfallteams von Kibbuz Be’eri, wurde an jenem schwarzen Samstag von Hamas-Terroristen ermordet und nach Gaza verschleppt. Seine Leiche, ebenso wie Spuren eines weiteren noch nicht identifizierten Opfers, konnten nun im Rahmen einer riskanten Militäraktion geborgen werden.

Der Einsatz erfolgte im Zentrum des Gazastreifens und wurde von Spezialeinheiten unter dem Kommando des Südkommandos, des Geheimdienstes Aman und des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet durchgeführt. Das Militär sprach von „präziser Geheimdienstarbeit“, die den Erfolg möglich gemacht habe. Die Familien wurden inzwischen informiert.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dankte den Soldaten und Kommandeuren: „Es war ein erfolgreicher Einsatz, getragen von Mut und Entschlossenheit.“ Verteidigungsminister Israel Katz würdigte den unermüdlichen Einsatz der Truppen: „Sie riskieren Tag und Nacht ihr Leben, um alle Entführten – Lebende wie Gefallene – zurückzubringen.“

Das Schicksal einer Familie

Die Rückkehr der Leiche von Ilan Weiss lenkt den Blick erneut auf das unermessliche Leid der Familien. Weiss war tief in Kibbuz Be’eri verwurzelt. Der Sohn eines Holocaust-Überlebenden aus Ungarn, lebte er seit den frühen 1990er-Jahren dort, arbeitete in der Landwirtschaft und engagierte sich in der Gemeinschaft. In den vergangenen vier Jahren diente er als stellvertretender Leiter des örtlichen Notfallteams – eine Aufgabe, in der er am 7. Oktober zu kämpfen versuchte.

An diesem Morgen brach die Hölle los. Als Hamas-Terroristen den Kibbuz angriffen, eilte Weiss zur Waffenkammer. Seine Frau Shiri und Tochter Noga hielten sich derweil im Schutzraum des Hauses auf. Noga, damals 18, überlebte nur knapp: Als die Terroristen das Haus in Brand setzten, entschloss sie sich, aus dem Fenster zu fliehen. „Ich wusste, dass ich sterben würde – aber ich wollte erschossen werden, nicht lebendig verbrennen“, sagte sie später. Wenig später wurde sie von Hamas-Kämpfern entdeckt, verschleppt und in Gaza festgehalten.

Nach 50 Tagen in Geiselhaft wurde Noga zusammen mit ihrer Mutter im Rahmen der Geisel-Deal im November 2023 freigelassen. Ihr Vater blieb verschollen – nun ist bestätigt, dass er am 7. Oktober gefallen war und seine Leiche als makabres Faustpfand diente.

Symbol der Entschlossenheit

Die Rückführung der Leiche ist für Israel mehr als ein militärischer Erfolg. Sie ist ein Symbol: Kein Opfer, kein Vermisster, kein Gefallener wird vergessen. Für die Angehörigen bedeutet es einen schweren, aber entscheidenden Schritt – endlich Gewissheit, endlich die Möglichkeit, den Toten würdig zu beerdigen.

Gleichzeitig erinnert der Fall daran, wie skrupellos Hamas handelt: Selbst die Körper von Toten werden instrumentalisiert, um Druck auf Israel auszuüben. Das Schweigen großer Teile der Welt dazu zeigt, wie wenig das Leiden der israelischen Opfer wahrgenommen wird.

Für die Familie Weiss ist der Schmerz nicht vorbei. Tochter Meital sagte jüngst: „Seit dem 7. Oktober haben wir keine Normalität zurückbekommen. Wir leben weiter in einem Ausnahmezustand, aber wir müssen die Hoffnung bewahren, dass alle Geiseln zurückkehren.“

Die Heimkehr von Ilan Weiss’ sterblichen Überresten ist ein kleiner Sieg der Menschlichkeit – und zugleich ein weiterer Beweis für die Grausamkeit des Feindes, gegen den Israel noch immer kämpft.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 29. August 2025

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