Zwei Stunden Schüsse in Zahedan: Iran riegelt Teile der Stadt ab
In Zahedan kam es in der Nacht zu einem rund zweistündigen Feuergefecht. Mindestens sechs Menschen sollen verletzt worden sein. Sicherheitskräfte errichteten Kontrollpunkte und sperrten zeitweise Ein- und Ausfahrten der Stadt. Noch ist unklar, wer die Bewaffneten waren.

In der südostiranischen Stadt Zahedan ist es in der Nacht zum Freitag zu schweren bewaffneten Zusammenstößen gekommen. Nach Angaben des belutschischen Menschenrechtsnetzwerks Haalvsh begann gegen 0.30 Uhr im Bereich der University Street und Daneshjoo Street heftiges automatisches Gewehrfeuer, das rund zwei Stunden anhielt.
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stand offenbar ein Peugeot 405. Die genauen Umstände sind bislang ungeklärt. Haalvsh berichtet unter Berufung auf lokale Quellen, ein Bewaffneter und drei Angehörige iranischer Sicherheitskräfte seien getroffen worden. Zusätzlich seien zwei Frauen verletzt worden, die sich als Passantinnen im Bereich der Schießerei befanden. Damit wären mindestens sechs Menschen verwundet worden. Ihr Zustand ist unbekannt.
Eine unabhängige Bestätigung der Opferzahlen liegt bislang nicht vor. Auch über die Identität und mögliche Zugehörigkeit der Bewaffneten gibt es noch keine gesicherten Angaben.
Videos und Bilder aus der Stadt zeigen nach Angaben von Iran International bewaffnete Personen sowie iranische Militär- und Sicherheitskräfte. Mehrere Krankenwagen wurden in das Gebiet geschickt. Gleichzeitig rückten Sicherheitskräfte verschiedener Behörden und Beamte in Zivil in großer Zahl aus. An mehreren Straßen entstanden Kontrollpunkte. Haalvsh zufolge wurden die Ein- und Ausfahrten Zahedans zeitweise geschlossen und der Verkehr eingeschränkt.
Innerhalb weniger Tage mehrere schwere Vorfälle
Der Zwischenfall ereignet sich in einer Region, in der sich die Sicherheitslage zuletzt deutlich verschärft hat.
Bereits am 7. September wurden bei einem bewaffneten Angriff im Raum Zahedan zwei Angehörige einer mit den Revolutionsgarden verbundenen Sicherheitseinheit getötet. Die Angreifer beschossen nach Angaben iranischer Behörden ein Fahrzeug, das Material für lokale Basij-Kräfte transportierte. Zu dem Angriff bekannte sich zunächst keine Organisation.
Am vergangenen Wochenende meldete Haalvsh außerdem stundenlange schwere Kämpfe im nahe gelegenen Saravan. Iran International berichtete über Angriffe auf Fahrzeuge und Stellungen iranischer Sicherheitskräfte. Die dabei verbreiteten Angaben über zahlreiche Tote und Verletzte konnten nicht unabhängig bestätigt werden.
Am Montag wurde schließlich der sunnitische Geistliche Molavi Yousef Gorgij vor seinem Haus in Zahedan erschossen. Er galt als regierungsnah. Die staatliche iranische Berichterstattung machte ohne öffentlich vorgelegte Beweise angebliche „zionistische Söldner“ verantwortlich; andere iranische Medien verwiesen auf die sunnitisch-belutschische militante Organisation Jaish al-Adl. Auch für diese Tat lag zunächst kein öffentlich bestätigtes Bekennerschreiben vor.
Ein Zusammenhang zwischen diesen Vorfällen und der Schießerei der vergangenen Nacht ist bislang nicht belegt.
Zahedan ist die Hauptstadt der Provinz Sistan und Belutschistan an den Grenzen zu Pakistan und Afghanistan. Die überwiegend sunnitische belutschische Bevölkerung gehört zu den Minderheiten Irans, die seit Jahren über politische, wirtschaftliche und religiöse Benachteiligung klagen.
Die Stadt besitzt zudem eine besondere Bedeutung für die jüngere Protestgeschichte des Landes. Am 30. September 2022 eröffneten iranische Sicherheitskräfte nach dem Freitagsgebet das Feuer auf Demonstranten, Passanten und Gläubige. Amnesty International dokumentierte damals mindestens 82 Tote in Zahedan und weiteren unmittelbar folgenden Vorfällen. Der Tag wurde als „Blutiger Freitag“ bekannt.
Erst diese Woche veröffentlichte Amnesty eine neue Bilanz zur staatlichen Niederschlagung iranischer Proteste. Danach entfiel ein unverhältnismäßig großer Anteil der dokumentierten Opfer auf kurdische und belutschische Bevölkerungsgruppen. Für Sistan und Belutschistan dokumentierte die Organisation 106 rechtswidrig getötete Demonstranten und Passanten, darunter 20 Kinder.
Die aktuelle Schießerei lässt sich deshalb noch nicht als Teil eines bestimmten Aufstands, einer organisierten Offensive oder eines Machtkampfes einordnen. Dafür fehlen belastbare Informationen.
Fest steht bislang lediglich: Zwei Stunden lang wurde in einer der politisch sensibelsten Städte Irans geschossen, Sicherheitskräfte rückten massiv aus und Teile Zahedans wurden zeitweise abgeriegelt.
Wer geschossen hat und weshalb, ist weiterhin offen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de
Artikel veröffentlicht am: Freitag, 18. September 2026