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Trump nimmt Irans Lebensadern ins Visier: Jetzt geraten China, Türkei und Irak unter Druck


Washington will nicht mehr nur Iran sanktionieren. Wer Öl kauft, Geld bewegt oder Teherans Handel am Laufen hält, soll selbst mit amerikanischen Konsequenzen rechnen. Für einige Staaten wird die Entscheidung zwischen Iran und dem Zugang zur US-Wirtschaft damit plötzlich sehr teuer.

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Donald Trump hat die nächste Phase seiner Iran-Strategie angekündigt. Nach Monaten militärischer Konfrontation will Washington den Druck nun vor allem dort erhöhen, wo die Islamische Republik besonders verwundbar ist: beim Geld.

US-Finanzminister Scott Bessent spricht von den „härtesten Sanktionen der Geschichte“. Zusammen mit der bereits bestehenden Blockade soll daraus nach seinen Worten ein wirtschaftlicher Doppelschlag werden. Das Ziel formulierte er ungewöhnlich offen: „Wir werden dieses Regime zum Zusammenbruch bringen.“ Details des neuen Sanktionspakets will Bessent am Montag vorstellen.

Trump selbst hatte zuvor klargemacht, dass sich die Drohung nicht auf Iran beschränkt. Jedes Land, das Teheran weiterhin eine wirtschaftliche „Lebensader“ verschafft, müsse mit erheblichen Konsequenzen rechnen.

Damit verändert sich die Rechnung für Irans Handelspartner grundlegend.

Bisher konnten zahlreiche Staaten zwischen amerikanischen Sanktionen und ihren wirtschaftlichen Beziehungen zu Iran lavieren. Öl wechselte über Zwischenhändler den Besitzer, Zahlungen liefen über schwer durchschaubare Firmenstrukturen, Handel wurde in andere Währungen verlagert und iranische Waren fanden über Nachbarstaaten ihren Weg auf internationale Märkte.

Genau dieses Geflecht will Washington nun treffen.

Der wirtschaftliche Krieg gegen Iran wird damit zwangsläufig auch zu einem Konflikt mit Staaten, die mit dem Regime Geschäfte machen.

China ist der entscheidende Gegner

Keine Beziehung ist dabei wichtiger als die zu China.

Mehr als 80 Prozent des auf dem Seeweg ausgeführten iranischen Öls gingen zuletzt nach China. Nach Daten des Analyseunternehmens Kpler kaufte China 2025 durchschnittlich rund 1,38 Millionen Barrel iranisches Rohöl pro Tag.

Dass dieser Handel trotz amerikanischer Sanktionen funktioniert, ist kein Zufall. Über Jahre entstand ein System, das möglichst wenig Berührung mit dem amerikanischen Finanzmarkt hat.

Vor allem unabhängige chinesische Raffinerien kaufen das verbilligte iranische Öl. Lieferungen wurden nach Angaben von Händlern teilweise als malaysisches und später auch als indonesisches Öl deklariert. Bezahlt wird in chinesischer Währung, beteiligt sind zahlreiche Zwischenhändler und Unternehmen, deren Verbindungen nur schwer nachzuverfolgen sind.

Doch selbst dieses System gerät inzwischen unter Druck.

Reuters berichtete am Freitag, dass iranische Ölangebote für chinesische Käufer deutlich zurückgegangen und die Preise gestiegen seien. Die iranischen Ausfuhren sind nach Daten von Kpler bereits erheblich eingebrochen. Im August lagen sie demnach bei rund 534.000 Barrel pro Tag. 2025 waren es im Durchschnitt noch etwa 1,4 Millionen.

Damit stellt sich für Washington die entscheidende Frage: Wie weit ist Trump bereit zu gehen, um China tatsächlich von iranischem Öl abzuschneiden?

Bessent hält den Druck für möglich. Er verweist darauf, dass China selbst einen großen Teil seiner Energie aus der Golfregion bezieht und deshalb ein erhebliches Interesse an einer Stabilisierung der Lage und an einer Wiederöffnung der Straße von Hormus habe.

Peking weist die amerikanische Forderung zurück. Das chinesische Außenministerium erklärte am Freitag erneut, Sanktionen und Druck seien keine Lösung. China lehne einseitige Sanktionen ohne Grundlage im internationalen Recht und ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats ab und fordere eine politische Lösung.

Damit könnte der wirtschaftliche Angriff auf Iran sehr schnell zu einem Machtkampf zwischen Washington und Peking werden.

Dubai war Irans Tor zur Welt

Mindestens ebenso empfindlich ist für Teheran die Entwicklung in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Insbesondere Dubai war jahrzehntelang eines der wichtigsten wirtschaftlichen Hintertüren Irans. Unternehmen, Banken, Wechselstuben und Reexporte ermöglichten Geschäfte, die direkt zwischen Iran und westlichen Märkten kaum noch möglich waren.

2024 kamen nach Daten der Welthandelsorganisation rund 30 Prozent der iranischen Importe im Wert von etwa 21 Milliarden US-Dollar aus den Emiraten. Gleichzeitig entfielen etwa 13 Prozent der iranischen Exporte auf den Handel mit den VAE. Der bilaterale Nicht-Öl-Handel lag bei etwa 6,6 Milliarden US-Dollar, wobei Reexporte eine zentrale Rolle spielten.

Nun haben die Emirate sämtliche Finanz- und Wirtschaftsaktivitäten mit Iran bis auf Weiteres ausgesetzt. Vorausgegangen war eine neue militärische Eskalation. Abu Dhabi macht Teheran für Raketenbedrohungen verantwortlich, Iran bestreitet entsprechende Vorwürfe.

Für Trump ist das ein möglicher Durchbruch.

Denn die amerikanische Strategie steht und fällt damit, ob Dubai tatsächlich gegen iranische Scheinfirmen, Finanznetzwerke und verdeckte Zahlungswege vorgeht. Das Wall Street Journal beschreibt die Emirate deshalb als einen entscheidenden Schauplatz der gesamten amerikanischen Kampagne.

Für Abu Dhabi ist das allerdings keine einfache Entscheidung. Ein vollständiges Durchgreifen könnte nicht nur Iran treffen, sondern auch Dubais eigene Rolle als internationales Handels- und Finanzzentrum beschädigen.

Irak kann sich Iran kaum entziehen

Noch schwieriger ist die Lage für den Irak.

Der Handel zwischen beiden Ländern überschritt 2025 nach offiziellen irakischen Angaben die Marke von zehn Milliarden US-Dollar. Iran liefert unter anderem Lebensmittel und Konsumgüter.

Noch wichtiger ist Erdgas.

Bagdad zahlt Teheran jährlich ungefähr vier bis fünf Milliarden US-Dollar für Gas, das irakische Kraftwerke benötigen. Neue amerikanische Sanktionen gegen Zahlungen an Iran könnten damit unmittelbar die irakische Stromversorgung treffen.

Washington verlangt dem Irak deshalb etwas ab, das sich auf dem Papier leichter formulieren lässt als in der Realität.

Das Land soll die Finanzierung Irans einschränken, ist gleichzeitig aber wirtschaftlich, energetisch und politisch eng mit seinem Nachbarn verflochten.

Für Bagdad geht es nicht allein um Außenpolitik. Es geht darum, ob zu Hause die Lichter ausgehen.

Auch die Türkei gerät in die Schusslinie

Ähnlich unangenehm wird die amerikanische Strategie für Ankara.

Der jährliche Handel zwischen Iran und der Türkei liegt bei etwa fünf bis sechs Milliarden US-Dollar. Rund drei Milliarden davon entfallen auf türkische Exporte nach Iran.

Hinzu kommt Energie.

Die Türkei importiert nahezu ihren gesamten Erdgasbedarf. Rund 13 Prozent ihrer Gasimporte stammen aus Iran. Ankara hat bislang keine Bereitschaft erkennen lassen, diesen Handel grundsätzlich einzustellen.

Damit kollidieren zwei Interessen unmittelbar miteinander.

Trump will Iran wirtschaftlich möglichst vollständig isolieren. Die Türkei will ihre Energieversorgung sichern und gleichzeitig ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu ihrem Nachbarn erhalten.

Sollten die USA tatsächlich massive Sekundärsanktionen verhängen, wird Ankara diese beiden Interessen nicht mehr ohne Weiteres miteinander verbinden können.

Pakistan, Indien und Oman stehen vor eigenen Problemen

Auch Pakistan könnte von einer kompromisslosen amerikanischen Linie schwer getroffen werden.

Islamabad und Teheran wollen ihren offiziellen Handel langfristig auf zehn Milliarden US-Dollar ausbauen. Parallel existiert bereits ein umfangreicher informeller Grenzhandel. Nach inoffiziellen Schätzungen erreicht er etwa vier Milliarden US-Dollar und umfasst unter anderem Öl, Weizen, Reis, Vieh und Medikamente.

Das macht Sanktionen besonders kompliziert. Wer solche Handelswege trifft, trifft nicht nur iranische Staatsunternehmen oder die Revolutionsgarden, sondern unter Umständen auch die Versorgung der Bevölkerung auf beiden Seiten der Grenze.

Indien hat seine wirtschaftlichen Beziehungen zu Iran unter dem Druck früherer Sanktionen dagegen bereits stark reduziert. Der bilaterale Handel betrug im Haushaltsjahr 2025/26 nur noch rund 1,63 Milliarden US-Dollar. Etwa 1,3 Milliarden davon entfielen auf indische Exporte, vor allem Lebensmittel wie Getreide, Tee, Kaffee und Gewürze.

Neu-Delhi argumentiert seit Langem, solche Lieferungen hätten humanitären Charakter und müssten von Sanktionen ausgenommen bleiben.

Oman wiederum befindet sich in einer besonderen Lage. Das Sultanat gehört traditionell zu den Vermittlern zwischen Iran und dem Westen. Gleichzeitig stieg der Warenhandel mit Iran 2025 auf rund 1,5 Milliarden US-Dollar.

Ein amerikanischer Kurs, der praktisch jede wirtschaftliche Verbindung mit Iran unter Verdacht stellt, könnte damit auch Staaten unter Druck setzen, die Washington bislang gerade wegen ihrer Gesprächskanäle nach Teheran benötigt.

Selbst kleinere Nachbarn können dem Netz kaum entkommen

Auch im Kaukasus reichen die iranischen Wirtschaftsbeziehungen weit.

Der Handel Armeniens mit Iran belief sich 2025 auf rund 768 Millionen US-Dollar und stieg im ersten Halbjahr 2026 weiter. Beide Staaten betreiben zudem ein Energiegeschäft, bei dem Iran Erdgas liefert und Armenien im Gegenzug Elektrizität zurückführt. Rund 20 Prozent des armenischen Außenhandels werden nach Reuters-Angaben über Iran abgewickelt.

Aserbaidschans Handel mit Iran erreichte im ersten Halbjahr 2026 rund 313 Millionen US-Dollar. Das ist im Vergleich zu China wenig. Für kleinere Volkswirtschaften kann aber selbst ein solcher Handelsstrom erhebliches Gewicht besitzen.

Und genau darin liegt die politische Sprengkraft von Trumps Strategie.

Je vollständiger Washington Iran isolieren will, desto mehr Staaten müssen sich entscheiden, welche wirtschaftlichen Beziehungen sie zu opfern bereit sind.

Washington greift bereits nach den Geldwegen der Revolutionsgarden

Dass die amerikanische Ankündigung mehr sein soll als Rhetorik, zeigte das Finanzministerium bereits am Donnerstag.

OFAC verhängte Sanktionen gegen zehn Personen eines Netzwerks, das nach Angaben der Behörde Bargeld für die Hisbollah transportierte. Kuriere sollen auf kommerziellen Flügen zwischen Libanon, Türkei, den Emiraten und Iran bis zu Hunderte Millionen Dollar bewegt haben.

Im Zentrum steht nach Darstellung des US-Finanzministeriums der türkische Geschäftsmann Yunus Alper Yilmaz. Ihm wird vorgeworfen, Wechselstuben, Scheinfirmen und Bankkonten in der Türkei für Geldtransfers im Zusammenhang mit den iranischen Quds-Brigaden genutzt zu haben.

Gleichzeitig stufte Washington die Hisbollah auf Grundlage zusätzlicher Kriterien erneut ein. Das Finanzministerium begründet dies damit, dass die Organisation vom iranischen Quds-Korps kontrolliert oder gelenkt werde beziehungsweise in dessen Auftrag handle.

Damit wird sichtbar, wo Washington ansetzen will.

Nicht nur bei den großen Ölgeschäften.

Auch bei Kurieren, Wechselstuben, Scheinfirmen, Banken, Häfen und Zwischenhändlern.

Das Risiko für Trump ist enorm

Auf dem Papier ist die Strategie einfach: Iran verliert seine Einnahmen, kann seine Streitkräfte und Terrornetzwerke immer schwerer finanzieren, die Wirtschaft gerät weiter unter Druck und die Führung in Teheran muss nachgeben.

In der Realität ist der Versuch weitaus riskanter.

China kann Gegenmaßnahmen ergreifen. Der Irak könnte in eine Energiekrise geraten. Die Türkei dürfte sich amerikanischem Druck nicht widerstandslos unterwerfen. Pakistan und Indien werden auf Ausnahmen drängen. Die Golfstaaten fürchten um ihre eigenen Finanzzentren und Handelswege.

Und bereits die Ankündigung neuer Sanktionen bewegt die Energiemärkte. Brent und WTI stiegen am Freitag weiter, nachdem Trumps Drohung gegen Irans Handelspartner die Sorge vor einer zusätzlichen Verknappung des Ölangebots verstärkte.

Das ist die Schwachstelle der amerikanischen Strategie.

Washington besitzt enorme wirtschaftliche Macht. Doch je stärker Trump versucht, Iran vom Welthandel abzuschneiden, desto größer wird auch der Kreis der Staaten, deren eigene Interessen er berührt.

Für Teheran ist genau das vermutlich die letzte Hoffnung: dass der Preis einer vollständigen Isolation Irans irgendwann auch für dessen Handelspartner zu hoch wird.

Trump setzt darauf, dass das Gegenteil geschieht.

Er will Iran nicht mehr nur bestrafen.

Er will dafür sorgen, dass Geschäfte mit Iran selbst zum wirtschaftlichen Risiko werden.

Am Montag soll Scott Bessent erklären, wie weit Washington dabei tatsächlich gehen will.

Dann wird sich zeigen, ob aus Trumps „Economic D-Day“ eine weitere Sanktionsrunde wird oder der Versuch, die Islamische Republik wirtschaftlich nahezu vollständig von ihrer Außenwelt abzuschneiden.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 22. August 2026

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