Liebe Leserinnen und Leser,
haOlam.de wird privat betrieben – ohne Verlag, ohne Unterstützung durch Institutionen. Damit wir unsere Arbeit auch 2026 fortführen können, möchten wir bis Jahresende mindestens 6.000 Euro erreichen, ideal wären 10.000 Euro. Jeder Beitrag hilft – auch kleine Beträge machen einen Unterschied.

Nach Angriff auf IDF: Israel schlägt schwer gegen Hisbollah im Libanon zurück


Mitten in den Verhandlungen über einen israelischen Rückzug greift die IDF erneut massiv im Südlibanon an. Auslöser war nach israelischen Angaben eine Aktion der Hisbollah gegen Soldaten am strategisch wichtigen Ali-Taher-Höhenzug.

haOlam-News.de - Nachrichten aus Israel, Deutschland und der Welt.

Die fragile Ruhe im Südlibanon ist erneut schwer erschüttert worden. Die israelische Luftwaffe hat in der Nacht zum Samstag eine Serie von Angriffen auf Hisbollah-Infrastruktur in den Regionen Nabatiyeh und Ansar geflogen. Nach Angaben der IDF erfolgten die Angriffe als Reaktion auf eine Aktion der Terrororganisation gegen israelische Soldaten am Ali-Taher-Höhenzug.

Was genau die Hisbollah gegen die israelischen Kräfte unternommen hat, teilte die Armee zunächst nicht mit. Das ist eine wichtige Einschränkung. Bestätigt ist bislang lediglich die israelische Darstellung, dass die Hisbollah gegen Soldaten innerhalb der von Israel gehaltenen Sicherheitszone vorgegangen sei.

Die Reaktion fiel erheblich aus.

Nach Angaben der Times of Israel wurden mehrere schwere Angriffe im Raum Nabatiyeh geflogen, darunter auf den Ali-Taher-Höhenzug. Unter diesem Gelände befindet sich nach israelischen Erkenntnissen eine große unterirdische Hisbollah-Anlage. Auch in Ansar, rund 15 Kilometer entfernt, griff die Luftwaffe nach Angaben der IDF Infrastruktur der Terrororganisation an.

Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur meldete sieben Tote und drei Verletzte bei einem Angriff in Ansar nördlich von Tyros. Über die Identität der Getöteten und darüber, ob sie der Hisbollah angehörten, lagen zunächst keine gesicherten Angaben vor.

Ali Taher bleibt ein neuralgischer Punkt

Der Ali-Taher-Höhenzug gehört inzwischen zu den gefährlichsten Punkten der israelischen Sicherheitszone.

Nach israelischen Angaben befindet sich dort ein umfangreiches Tunnelsystem, das als wichtiger Bestandteil der regionalen Hisbollah-Strukturen gilt. Die IDF schätzte bereits im Juli, dass sich Dutzende Hisbollah-Kämpfer in dem unterirdischen Komplex aufhielten. Wegen der damaligen Waffenruhe hatte Israel seine Versuche gestoppt, die Anlage vollständig einzunehmen.

Ende Juli traf eine mit Sprengstoff beladene Hisbollah-Drohne dort einen unbemannten israelischen Bulldozer. Verletzt wurde niemand. Die IDF bezeichnete den Angriff damals als klaren Bruch der Vereinbarung mit dem Libanon.

Auch zuvor war es rund um den Höhenzug wiederholt zu Zwischenfällen gekommen. Im Juni eröffneten israelische Soldaten das Feuer auf vier mutmaßliche Hisbollah-Mitglieder, die nach Angaben der Armee mit einem Bulldozer und einem Motorrad in die Sicherheitszone eingedrungen waren und sich trotz Warnungen weiter den israelischen Kräften näherten.

Die jüngsten Angriffe zeigen deshalb, warum Israel diesen Bereich nicht einfach räumen will.

Genau darüber wird derzeit politisch gestritten.

Verteidigungsminister Israel Katz erklärte erst am Donnerstag, Israel werde die Sicherheitszone im Südlibanon nicht verlassen, solange die Hisbollah nicht entwaffnet und ihre militärische Bedrohung beseitigt sei. Die unter amerikanischer Vermittlung ausgehandelte Vereinbarung sieht dagegen einen schrittweisen israelischen Rückzug vor, der mit einer überprüfbaren Entwaffnung der Hisbollah und der Übernahme der Gebiete durch die libanesische Armee verbunden werden soll.

Die Hisbollah lehnt ihrerseits Gespräche über ihre Waffen ab, solange israelische Soldaten im Libanon stehen. Damit entsteht ein gefährlicher Kreislauf: Israel verlangt Entwaffnung vor dem vollständigen Rückzug, die Hisbollah verlangt Rückzug vor der Entwaffnung.

Schlechter Zeitpunkt für Beiruts Diplomatie

Für die libanesische Regierung könnte die neue Eskalation kaum ungelegener kommen.

Präsident Joseph Aoun versucht derzeit, den Konflikt mit Israel auf diplomatischem Weg zu lösen. Beirut will die israelischen Truppen aus dem Süden bekommen und gleichzeitig schrittweise die staatliche Kontrolle über Gebiete herstellen, die bislang von der Hisbollah dominiert wurden.

Doch jede neue militärische Aktion der Hisbollah schwächt genau dieses Argument.

Wenn die Terrororganisation weiterhin unabhängig von der libanesischen Regierung israelische Soldaten angreifen kann, liefert sie Jerusalem einen unmittelbaren Grund, an der Sicherheitszone festzuhalten.

Die israelische Führung argumentiert seit Monaten, dass ein Rückzug nur dann möglich sei, wenn die libanesische Armee tatsächlich verhindert, dass die Hisbollah anschließend wieder Raketenstellungen, Tunnel und bewaffnete Einheiten an der Grenze aufbaut. Die jüngste Gewalt dürfte dieses Misstrauen weiter verstärken.

Dabei wäre es ebenso falsch, die sieben gemeldeten Toten in Ansar ohne Belege als Hisbollah-Mitglieder zu bezeichnen. Die IDF erklärt, Hisbollah-Infrastruktur angegriffen zu haben. Libanesische Stellen melden Tote. Ob und welche Verbindung diese Personen zur Terrororganisation hatten, ist derzeit nicht geklärt.

Fest steht dagegen: Die Waffenruhe verhindert die militärische Konfrontation nicht.

Israel hält strategisches Gelände. Die Hisbollah bleibt bewaffnet. Und unmittelbar unter einer der wichtigsten israelischen Positionen befindet sich weiterhin ein großer unterirdischer Komplex der Terrororganisation.

Solange diese Lage besteht, bleiben diplomatische Fortschritte extrem zerbrechlich.

Beirut kann Israel zum Rückzug auffordern.

Entscheidend wird aber sein, ob der libanesische Staat auch die Macht besitzt, die Hisbollah anschließend daran zu hindern, an genau dieselben Orte zurückzukehren.

Die Nacht zum Samstag hat gezeigt, warum Israel daran weiterhin zweifelt.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 15. August 2026

Unterstütze unser Projekt


Newsletter