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15 Sekunden, kein Datum: Teheran zeigt Khamenei nach Monaten


Irans oberster Führer Mojtaba Khamenei ist seit Monaten nicht öffentlich aufgetreten. Nun veröffentlicht das Regime ein extrem kurzes Video, doch weder Aufnahmeort noch Zeitpunkt werden genannt.

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Teheran versucht, die Spekulationen über den Gesundheitszustand und die tatsächliche Handlungsfähigkeit von Mojtaba Khamenei zu beenden. Gelungen ist das bislang kaum.

Die halbstaatliche iranische Nachrichtenagentur Mehr veröffentlichte am Sonntag ein Video, das den obersten Führer der Islamischen Republik zeigen soll. Der Ausschnitt ist weniger als 15 Sekunden lang. Khamenei ist darin offenbar im Gespräch mit mehreren Männern zu sehen. Mehr Informationen liefert das Material nicht. Weder der Ort der Aufnahme noch das Datum wurden genannt. Auch eine längere zusammenhängende Sequenz, aus der sich zweifelsfrei ableiten ließe, wann und unter welchen Umständen das Video entstand, wurde nicht veröffentlicht.



Gerade deshalb dürfte das Video die Zweifel eher verstärken als ausräumen.

Mojtaba Khamenei ist seit Beginn des Krieges zwischen Iran auf der einen sowie Israel und den Vereinigten Staaten auf der anderen Seite nicht öffentlich aufgetreten. Sein Vater und Vorgänger Ali Khamenei wurde am 28. Februar bei einem amerikanisch israelischen Angriff getötet. Mojtaba wurde wenig später von der iranischen Expertenversammlung zum neuen obersten Führer bestimmt.

Seitdem existiert seine politische Präsenz vor allem auf Papier.

Erklärungen wurden in seinem Namen veröffentlicht, Botschaften im Staatsfernsehen vorgelesen und Bilder des neuen Führers auf Plakaten und Bildschirmen verbreitet. Eine normale öffentliche Ansprache, ein längerer Fernsehauftritt oder ein eindeutig datierbares Treffen vor laufenden Kameras fehlten jedoch über Monate. Schon im März wurde deshalb außerhalb Irans darüber spekuliert, ob Khamenei überhaupt in der Lage sei, seine Funktion uneingeschränkt auszuüben.

Ein Video, das mehr Fragen offenlässt als beantwortet

Besonders auffällig ist, dass iranische Stellen bei einer so einfachen Frage ungewöhnlich wenig Klarheit schaffen.

Wenn Mojtaba Khamenei gesund und vollständig handlungsfähig ist, wäre es für das Regime technisch problemlos möglich, ihn bei einem aktuellen Termin zu zeigen. Ein längeres Video mit eindeutig erkennbarem Datum, einem Treffen mit Regierungsmitgliedern oder einer öffentlichen Ansprache würde zahlreiche Spekulationen innerhalb weniger Minuten beenden.

Stattdessen erscheint ein Ausschnitt von weniger als 15 Sekunden.

Nach Angaben des aktuellen Reuters Berichts weisen Medien zudem darauf hin, dass das Material Ähnlichkeiten mit älteren Aufnahmen aufweist. Einen Beweis dafür, dass das Video aktuell ist, gibt es bislang nicht.

Damit ist Vorsicht angebracht. Aus der Veröffentlichung lässt sich nicht ableiten, dass das Regime altes Material verwendet hat. Ebenso wenig lässt sich aus diesem kurzen Ausschnitt zuverlässig ableiten, dass Khamenei derzeit gesund ist.

Genau diese Unsicherheit ist politisch bedeutsam.

Der oberste Führer ist im iranischen System keine repräsentative Figur. Er steht über dem Präsidenten und besitzt entscheidenden Einfluss auf Streitkräfte, Revolutionsgarden, Sicherheitsapparate, Außenpolitik und zentrale strategische Entscheidungen. In einem Land, das gleichzeitig Krieg führt, über die Straße von Hormus verhandelt, mit wirtschaftlichen Problemen kämpft und im Inneren Proteste und Opposition unterdrückt, ist die Frage nach seiner tatsächlichen Handlungsfähigkeit keine Privatangelegenheit.

Sie berührt das Machtzentrum der Islamischen Republik.

Auch die Aussagen von Präsident Masoud Pezeshkian haben die Lage bislang nicht klarer gemacht.

Iranische Staatsmedien berichteten am Sonntag, Pezeshkian habe Khamenei Ende Juli getroffen. Bei diesem Gespräch seien unter anderem militärische Fragen, Devisen, Energieversorgung und wirtschaftliche Beziehungen zu ausländischen Partnern behandelt worden. Reuters berichtet jedoch zugleich über widersprüchliche Äußerungen des Präsidenten zu seinem Zugang zum obersten Führer. Am 21. Juli erklärte Pezeshkian demnach, die Kontakte mit Khamenei nähmen ständig zu. Anfang August sagte er dagegen, die Kommunikation mit ihm sei sehr schwierig.

Schon im Mai hatten iranische Medien von einem mehrstündigen Treffen zwischen beiden Männern berichtet. Damals war ebenfalls kein gewöhnlicher öffentlicher Auftritt Khameneis zu sehen.

Für ein Regime, das seine Führung traditionell mit enormem symbolischem Aufwand inszeniert, ist diese Zurückhaltung ungewöhnlich.

Das Regime verspricht weitere Bilder

Der stellvertretende Basij Verantwortliche Qasem Qoraishi kündigte nun an, künftig weiteres Material zu veröffentlichen. Nach seinen Worten sollen Aufnahmen erscheinen, die Khamenei in der Öffentlichkeit, auf den Straßen und bei Treffen mit Kommandeuren der Streitkräfte zeigen.

Schon diese Ankündigung verrät, wie ernst die Führung die Zweifel inzwischen nimmt.

Qoraishi erklärte, die Bilder würden die Gegner und Kritiker Irans beschämen. Das ist klassische Propagandasprache. Entscheidend wird deshalb nicht sein, wie triumphierend Teheran neues Material ankündigt, sondern was tatsächlich darauf zu sehen ist.

Ein klar datierter, längerer Auftritt wäre etwas anderes als eine Reihe kurzer zusammengeschnittener Szenen.

Die Unsicherheit reicht bis zum Angriff vom 28. Februar zurück. Reuters berichtet inzwischen, Mojtaba Khamenei sei bei dem Angriff, bei dem sein Vater getötet wurde, schwer verletzt worden. Andere frühere Berichte waren in einzelnen Details widersprüchlich. Im März hieß es aus iranischen Quellen zunächst, Mojtaba habe den Angriff überlebt und sei zu diesem Zeitpunkt möglicherweise gar nicht in Teheran gewesen. Spätere Darstellungen sprachen wiederum von Verletzungen.

Gerade diese unterschiedlichen Angaben zeigen, warum unabhängige Gewissheit schwierig ist.

Auch aus Israel kamen Berichte über schwere Verletzungen. Die Jerusalem Post schrieb im Juli, iranische Stellen hätten selbst von erheblichen gesundheitlichen Folgen gesprochen und Khamenei sei bis dahin nicht öffentlich aufgetreten.

Trotz dieser offenen Fragen wurde er bereits Anfang März formell zum dritten obersten Führer der Islamischen Republik ernannt. Die Expertenversammlung erklärte damals, die Entscheidung sei mit deutlicher Mehrheit gefallen. Mojtaba Khamenei galt schon vorher als eng mit den Revolutionsgarden verbunden und besaß erheblichen Einfluss innerhalb des Machtapparates seines Vaters.

Damit entsteht ein bemerkenswerter Zustand: Einer der mächtigsten Männer des Nahen Ostens führt offiziell einen Staat im Krieg, ist aber für die eigene Bevölkerung seit Monaten kaum sichtbar.

Das kann Sicherheitsgründe haben. Nach der Tötung seines Vaters wäre nachvollziehbar, dass das Regime seinen neuen Führer vor weiteren israelischen oder amerikanischen Angriffen schützen will.

Doch vollständige Abschirmung hat ihren Preis.

Je länger Khamenei nur durch schriftliche Botschaften, Aussagen anderer Politiker und Sekundenaufnahmen sichtbar wird, desto stärker wächst die Frage, wer die täglichen Entscheidungen in Teheran tatsächlich trifft.

Sind es Khamenei und sein Büro?

Sind es die Revolutionsgarden?

Oder hat der Krieg innerhalb der iranischen Führung eine Machtverschiebung ausgelöst, die nach außen bislang nicht sichtbar werden soll?

Für keine dieser Möglichkeiten gibt es derzeit einen belastbaren Beweis. Genau deshalb wäre es falsch, aus dem kurzen Video mehr herauszulesen, als es zeigt.

Es zeigt einen Mann, der Mojtaba Khamenei sein soll.

Es zeigt ihn für wenige Sekunden.

Es liefert weder Datum noch Ort.

Mehr beweist das Material bislang nicht.

Und genau darin liegt die eigentliche Nachricht.

Ein Regime, das jeden militärischen Erfolg mit Bildern, Erklärungen und großen Worten inszeniert, schafft es nach Monaten noch immer nicht, seinen obersten Führer in einer Form zu präsentieren, die grundlegende Zweifel an seinem Zustand eindeutig beendet.

15 Sekunden reichen dafür nicht.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de

Artikel veröffentlicht am: Montag, 10. August 2026

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