Hormus-Deal belohnt Irans Erpressung
Teheran blockiert eine internationale Wasserstraße und verlangt nun Geld für deren Freigabe. Oman soll mitverdienen, während in Washington die Sorge wächst, dass aus iranischer Gewalt ein dauerhaftes Geschäftsmodell wird.

Was derzeit als mögliche Öffnung der Straße von Hormus verkauft wird, könnte in Wahrheit die gefährlichste Belohnung iranischer Erpressung seit Beginn des Krieges werden. Iran und Oman nähern sich einem Abkommen, das Handelsschiffen die Rückkehr in eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt ermöglichen soll. Der Preis dafür wäre jedoch hoch: Teheran erhielte nicht nur Einfluss auf die Route, sondern dürfte für die Durchfahrt auch sogenannte Servicegebühren verlangen.
Nach dem von N12 wiedergegebenen Bericht der New York Times sollen Schiffe auf dem Weg in den Persischen Golf künftig eine Route unter iranischer Kontrolle nutzen. Auslaufende Schiffe würden einen Weg nahe der omanischen Küste nehmen. Die Einnahmen aus den geplanten Zahlungen sollen zwischen Iran und Oman geteilt werden.
Teheran behauptet, es handele sich nicht um eine Maut. Die Zahlungen sollten angeblich Umweltschäden ausgleichen sowie Sicherheitsmaßnahmen, Personal und Dienstleistungen finanzieren. Der sprachliche Unterschied ist durchschaubar. Ein Schiff, das für eine sichere Durchfahrt zahlen muss, entrichtet eine Gebühr, unabhängig davon, welches freundliche Wort iranische Diplomaten dafür wählen. Iran und Oman verhandeln bereits seit Wochen über ein solches Modell. Teheran betont zugleich, die Straße werde nicht mehr zu den Bedingungen der Zeit vor dem Krieg geöffnet.
Erst bedrohen, dann für Sicherheit kassieren
Das geplante Modell besitzt einen geradezu zynischen Kern. Iran hat den Schiffsverkehr durch Drohungen, Angriffe und die Gefahr weiterer Gewalt nahezu zum Erliegen gebracht. Nun will dasselbe Regime Geld dafür erhalten, Frachter und Tanker vor eben jener Unsicherheit zu schützen, die es selbst geschaffen hat.
Am Montag passierten nach Daten des Schiffsanalysten Kpler lediglich sechs Schiffe die Meerenge. Drei davon waren Tanker, drei Massengutfrachter. Alle nutzten die iranische Route. Vor dem Krieg durchquerten täglich mehr als hundert Handelsschiffe die Straße von Hormus. Selbst wenn einzelne Schiffe ihre Ortungssysteme abschalten und deshalb nicht in den Zahlen erscheinen, ist die Lähmung des Verkehrs unübersehbar.
Das ist kein normaler Markt für freiwillige Dienstleistungen. Die Reedereien zahlen nicht für zusätzlichen Komfort. Sie sollen zahlen, weil ihnen ohne Zustimmung Teherans Angriffe, Festsetzungen oder die Fahrt durch verminte und gefährliche Gewässer drohen. Aus militärischer Erpressung würde ein geregeltes Einnahmemodell.
Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation hat dazu eine unmissverständliche Position. Die Durchfahrt durch international genutzte Meerengen darf nicht behindert, ausgesetzt oder von diskriminierenden Bedingungen abhängig gemacht werden. Nach Auffassung der Organisation muss die Passage durch die Straße von Hormus frei von Zöllen und Gebühren bleiben. Für Staaten gebe es keine rechtliche Grundlage, Zahlungen für die bloße Durchfahrt zu verlangen.
Iran versucht dieses Verbot offenbar zu umgehen, indem es die Abgabe nicht Maut, sondern Servicegebühr nennt. Doch eine rechtswidrige Forderung wird nicht rechtmäßig, nur weil Diplomaten ein anderes Etikett darauf kleben. Entscheidend ist, ob Schiffe die Meerenge ohne Zahlung frei nutzen können. Ist das nicht der Fall, bleibt es eine erzwungene Abgabe.
Oman übernimmt dabei eine besonders fragwürdige Rolle. Das Sultanat gilt seit Jahren als Vermittler zwischen Iran und dem Westen. Nun könnte es zum Teilhaber eines Systems werden, das Teherans Gewalt politisch anerkennt und finanziell belohnt. Die Hälfte der Einnahmen soll nach dem Bericht an Oman gehen. Damit erhielte Maskat einen eigenen wirtschaftlichen Anreiz, den iranischen Kontrollanspruch nicht zurückzuweisen, sondern dauerhaft zu verwalten.
Washington droht einen Sieg zu verschenken
Im Pentagon wächst deshalb nach Angaben des Berichts die Sorge, dass das geplante Abkommen einer Kapitulation vor iranischen Forderungen gleichkommt. Diese Befürchtung ist berechtigt. Washington hatte stets erklärt, die freie Schifffahrt wiederherstellen und keine iranische Maut akzeptieren zu wollen. Selbst das Weiße Haus hielt noch im Mai fest, dass kein Staat Gebühren für die Durchfahrt verlangen dürfe.
Nun könnte genau das geschehen, nur unter einem anderen Namen.
Präsident Donald Trump erklärte, die Straße von Hormus könne sehr bald wieder geöffnet werden. Zugleich behauptete er, Iran habe neue Gespräche gesucht, weil ein gewaltiger amerikanischer Angriff gedroht habe. Teheran widersprach und erklärte, es gebe keine Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten. Gespräche würden ausschließlich mit Oman über einen Schifffahrtskorridor geführt.
Diese widersprüchlichen Aussagen sind mehr als diplomatisches Theater. Sie zeigen, dass noch immer unklar ist, wer die Bedingungen bestimmt. Sollte Washington auf weitere Angriffe verzichten, während Iran die Kontrolle über die Route erhält und dafür Geld kassiert, hätte Teheran sein wichtigstes Kriegsziel erreicht. Das Regime hätte bewiesen, dass es den Welthandel mit Gewalt anhalten und anschließend für dessen teilweise Freigabe bezahlt werden kann.
Für Israel und die arabischen Staaten am Golf wäre das eine gefährliche Botschaft. Iran könnte dieselbe Methode jederzeit wiederholen. Sobald Teheran politischen oder militärischen Druck benötigt, genügte die Drohung, die Straße erneut zu sperren. Reedereien, Energieunternehmen und Regierungen wären gezwungen, sich mit einem Regime zu einigen, das aus der Unsicherheit ein regelmäßiges Einkommen bezieht.
Hinzu kommt, dass die Straße bislang keineswegs geöffnet ist. Ein weiteres Handelsschiff meldete am Montag einen Treffer nahe der omanischen Küste. Die Urheberschaft war zunächst nicht geklärt, doch der Vorfall unterstreicht, dass von einem sicheren Verkehr keine Rede sein kann. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation warnt weiterhin vor erheblichen Gefahren für Besatzungen und Schiffe.
Eine Vereinbarung, die Iran Geld und Kontrolle verschafft, bevor die freie Durchfahrt tatsächlich wiederhergestellt ist, wäre keine Lösung. Sie würde die Erpressung nachträglich legitimieren.
Die Straße von Hormus gehört weder Iran noch Oman. Sie ist ein internationaler Verkehrsweg, von dem die Energieversorgung und wirtschaftliche Sicherheit zahlreicher Staaten abhängen. Wer sie mit Raketen, Drohnen oder Minen bedroht, darf anschließend nicht als bezahlter Sicherheitsdienst auftreten.
Teheran hat das Feuer gelegt und bietet nun an, gegen Gebühren den Feuerlöscher bereitzuhalten. Nimmt der Westen dieses Angebot an, wird nicht die Straße von Hormus geöffnet. Dann wird iranische Erpressung zum anerkannten Geschäftsmodell.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 4. August 2026