Liebe Leserinnen und Leser,
haOlam.de wird privat betrieben – ohne Verlag, ohne Unterstützung durch Institutionen. Damit wir unsere Arbeit auch 2026 fortführen können, möchten wir bis Jahresende mindestens 6.000 Euro erreichen, ideal wären 10.000 Euro. Jeder Beitrag hilft – auch kleine Beträge machen einen Unterschied.

Irans Racheapparat nimmt Trump ins Visier


Bei Chameneis Beerdigung wurde Trump mit Fadenkreuzen bedroht. Irans frühere Mordpläne zeigen, dass hinter der Rhetorik ein weltweites Netzwerk aus Geheimdiensten und kriminellen Helfern steht.

haOlam-News.de - Nachrichten aus Israel, Deutschland und der Welt.

Auf der Beerdigung Ali Chameneis wurden Donald Trump und weitere Unterstützer Israels mit Fadenkreuzen markiert. Das könnte als fanatische Inszenierung abgetan werden, hätte Teheran nicht bereits bewiesen, dass es Mordaufträge mit Geheimdienstoffizieren, Terrornetzwerken und angeheuerten Kriminellen in die Tat umzusetzen versucht.

Für die Führung der Islamischen Republik ist Donald Trump längst mehr als ein politischer Gegner. Er ist zum persönlichen Feindbild des Regimes geworden, zum Verantwortlichen für den Tod Qassem Soleimanis, für amerikanische Angriffe auf Iran und nun auch für die Tötung des früheren Obersten Führers Ali Chamenei. In der iranischen Rhetorik verschmelzen Staatsinteresse, religiöse Pflicht und persönliche Rache zu einer gefährlichen Botschaft: Das Blut des getöteten Führers müsse vergolten werden.

Bei Chameneis Trauerfeier in Teheran wurde diese Botschaft nicht versteckt. Teilnehmer trugen Plakate, auf denen Trump, Senator Lindsey Graham, Ben Shapiro, Laura Loomer, Miriam Adelson und weitere Persönlichkeiten mit roten Fadenkreuzen über ihren Gesichtern abgebildet waren. Darüber stand die Drohung: „Früher oder später werden eure Köpfe rollen.“ Ein weiteres Banner soll ein Kopfgeld von 100 Millionen Dollar für die Tötung Trumps angekündigt haben. Andere Teilnehmer riefen, sie wollten keine Vereinbarung mit Washington, sondern Trumps Kopf.

Man könnte solche Szenen als kontrollierte Entladung eines wütenden Regimes betrachten. Als martialische Propaganda für die eigene Bevölkerung, die zwar widerwärtig, aber nicht zwangsläufig operativ bedeutsam sei. Doch diese beruhigende Deutung ignoriert die Geschichte iranischer Mordpläne im Ausland.

Teheran besitzt einen Apparat, der Drohungen in konkrete Operationen übersetzen kann. Dazu gehören die Revolutionsgarden, das iranische Geheimdienstministerium, die Quds-Einheit, mit Iran verbundene Terrororganisationen und ein wachsendes Geflecht aus Drogenschmugglern, Auftragsmördern und kriminellen Banden. Das Regime nutzt diese Strukturen gerade deshalb, weil ein angeheuerter Krimineller weniger politische Spuren hinterlässt als ein iranischer Geheimdienstoffizier. Die Distanz zwischen Auftraggeber und Täter soll Teheran ermöglichen, Verantwortung abzustreiten, selbst wenn das Motiv offensichtlich ist.

Dass dies keine theoretische Gefahr ist, zeigte zuletzt der Fall Asif Merchant. Eine amerikanische Jury verurteilte ihn im März 2026 wegen eines Mordauftrags und des Versuchs eines grenzüberschreitenden Terroranschlags. Nach Angaben des US-Justizministeriums war Merchant ein ausgebildeter Agent der Revolutionsgarden. Er räumte vor Gericht ein, von den Revolutionsgarden in die Vereinigten Staaten geschickt worden zu sein, um politische Attentate vorzubereiten. Zu den möglichen Zielen gehörte auch Donald Trump. Merchant traf sich mit vermeintlichen Auftragsmördern, bei denen es sich tatsächlich um verdeckte Ermittler handelte.

Der Fall widerlegt die Behauptung, bei den iranischen Morddrohungen handle es sich lediglich um leere Worte. Ein vom Regime geschulter Mann reiste in die Vereinigten Staaten, suchte nach Tätern und wollte politische Morde organisieren. Der Anschlag scheiterte nicht daran, dass Teheran seine Pläne aufgegeben hätte, sondern daran, dass amerikanische Sicherheitsbehörden die Operation rechtzeitig durchkreuzten.

Auch in Europa greift Iran zunehmend auf kriminelle Stellvertreter zurück. Das US-Finanzministerium belegte die Zusammenarbeit des iranischen Geheimdienstes mit dem schwedischen Foxtrot-Netzwerk, einer berüchtigten Bande aus dem Drogen- und Waffenmilieu. Das Netzwerk soll im Auftrag Irans einen Angriff auf die israelische Botschaft in Stockholm organisiert haben. Nach Einschätzung der amerikanischen Behörden nutzt Teheran solche Gruppen für Anschläge auf israelische und jüdische Ziele sowie für Mordpläne gegen iranische Regimegegner.

Ein weiteres vom US-Finanzministerium dokumentiertes Netzwerk wird von dem iranischen Drogenhändler Naji Ibrahim Sharifi-Zindashti geführt. Es soll im Auftrag des iranischen Geheimdienstministeriums Attentate und Entführungen in verschiedenen Ländern geplant oder ausgeführt haben. Die amerikanischen Behörden beschreiben ausdrücklich, dass Iran immer häufiger auf organisierte Kriminalität zurückgreift, um die Verbindung zur Staatsführung zu verschleiern.

Das bedeutet nicht, dass jeder Kriminelle mit iranischen Kontakten Teil eines staatlichen Mordplans ist. Es bedeutet auch nicht, dass jeder radikale Ruf bei einer Trauerfeier unmittelbar von einer iranischen Operationszentrale gesteuert wurde. Bislang ist kein öffentlich bestätigter aktueller Anschlagsplan bekannt, der nach Chameneis Tod unmittelbar gegen Trump ausgeführt werden sollte.

Doch für eine ernsthafte Sicherheitsbewertung wäre es fahrlässig, erst auf den endgültigen Beweis zu warten. Geheimdienste müssen Gefahren erkennen, bevor ein Täter eine Waffe erhält, bevor Geld überwiesen wird und bevor ein Ziel ausgespäht wird. Bei einem Regime, das bereits Mordaufträge im Ausland organisiert hat, verändern öffentliche Racheforderungen den Bedrohungsrahmen.

Das amerikanische Heimatschutzministerium warnte unmittelbar nach Chameneis Tod, Iran und seine Verbündeten könnten gezielte Angriffe in den Vereinigten Staaten durchführen. Ein groß angelegter Angriff galt demnach als weniger wahrscheinlich als einzelne Anschläge, Cyberoperationen oder andere begrenzte Vergeltungsmaßnahmen. Gerade diese Form der Bedrohung ist schwer abzuwehren. Ein Staat muss dafür keine Armee über den Atlantik schicken. Ein angeworbener Täter, eine kriminelle Bande oder ein ideologisch motivierter Einzelner können genügen.

Iran braucht nicht auf jedem Projektil seine Unterschrift zu hinterlassen. Das Regime kann die Zielperson bestimmen, die religiöse und politische Rechtfertigung liefern und anschließend Mittelsmänner nach einem geeigneten Täter suchen lassen. Die eigentliche Durchführung kann an Menschen delegiert werden, die wegen Geld, Ideologie, Erpressung oder persönlicher Radikalisierung handeln.

Die Beerdigung Chameneis wurde dadurch zu mehr als einer Trauerveranstaltung. Die Bilder von Trump im Fadenkreuz vermittelten jedem möglichen Täter, dass ein Angriff politisch erwünscht, religiös gerechtfertigt und gesellschaftlich gefeiert werden könnte. Selbst wenn die iranische Führung keinen direkten Befehl ausgesprochen haben sollte, schafft sie mit solchen Inszenierungen ein Klima der Ermächtigung.

Das Regime kann später behaupten, ein Einzeltäter habe aus eigenem Antrieb gehandelt. Doch ein Einzeltäter handelt nicht in einem politischen Vakuum, wenn staatlich kontrollierte Veranstaltungen Morddrohungen verbreiten, regimenahe Medien Rache beschwören und iranische Behörden bereits in der Vergangenheit Attentäter angeworben haben.

Trump reagierte mit einer außergewöhnlich scharfen Abschreckungsdrohung. Er erklärte am 10. Juli, er habe das amerikanische Militär angewiesen, bei einem iranischen Mordanschlag oder bereits bei einem versuchten Attentat massiv zurückzuschlagen. Tausend Raketen seien auf Iran ausgerichtet, weitere könnten folgen. Die militärische Bereitschaft solle zunächst ein Jahr gelten. Ob sämtliche genannten Zahlen einer konkreten Einsatzplanung entsprechen, ist öffentlich nicht überprüfbar. Die politische Botschaft ist jedoch eindeutig: Ein Angriff auf den amerikanischen Präsidenten würde nicht als gewöhnlicher Kriminalfall behandelt, sondern als Angriff des iranischen Staates.

Diese Abschreckung ist notwendig, birgt aber ein enormes Eskalationsrisiko. Misslingt ein iranisch unterstützter Anschlag, könnten die Vereinigten Staaten Teheran militärisch verantwortlich machen. Gelingt er, würde der Druck auf Washington, das iranische Regime mit gewaltiger Härte zu treffen, kaum noch kontrollierbar sein.

Ein Attentatsversuch könnte damit einen Krieg auslösen, dessen Ausmaß weit über die bisherigen amerikanischen und israelischen Angriffe hinausginge. Der Täter müsste nicht einmal eindeutig als iranischer Agent erkennbar sein. Schon starke Geheimdiensterkenntnisse über Finanzierung, Kommunikation oder Auftraggeber könnten eine amerikanische Reaktion auslösen.

Gerade deshalb genügt es nicht, lediglich Trumps Personenschutz zu verstärken. Der Präsident gehört bereits zu den am besten geschützten Menschen der Welt. Die größere Aufgabe besteht darin, den iranischen Racheapparat anzugreifen, bevor er bis in die unmittelbare Nähe eines Zieles gelangt.

Dazu müssen Geldströme, Mittelsmänner, Schmuggelwege und kriminelle Partner des Regimes systematisch offengelegt werden. Europa und die Vereinigten Staaten müssen Erkenntnisse über iranische Agenten, organisierte Banden und verdächtige Reisen schneller austauschen. Personen, die Zielobjekte ausspähen oder Täter anwerben, dürfen nicht erst dann als Gefahr gelten, wenn bereits eine Waffe beschafft wurde.

Auch die politische Sprache muss eindeutig sein. Morddrohungen gegen einen Präsidenten, israelische Politiker, jüdische Persönlichkeiten oder iranische Oppositionelle sind keine kulturelle Besonderheit und keine emotionale Reaktion eines gekränkten Staates. Sie sind Teil einer Strategie grenzüberschreitender Einschüchterung.

Das bedeutet nicht, Iraner im Ausland unter Generalverdacht zu stellen. Viele von ihnen sind selbst vor dem Regime geflohen und gehören zu seinen gefährdetsten Gegnern. Gerade iranische Dissidenten, Journalisten und Aktivisten wurden in Europa und Nordamerika wiederholt verfolgt, bedroht oder zum Ziel von Mordplänen gemacht. Der Kampf richtet sich nicht gegen eine Bevölkerung oder Herkunft, sondern gegen den staatlichen Apparat der Islamischen Republik und seine Helfer.

Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob Iran theoretisch in der Lage wäre, Trump zu erreichen. Die Revolutionsgarden und iranischen Geheimdienste haben bereits gezeigt, dass sie Personal entsenden, Auftragsmörder suchen und kriminelle Netzwerke für politische Gewalt einsetzen.

Die entscheidende Frage lautet, ob die westlichen Staaten bereit sind, die Planungsphase selbst als Teil des Angriffs zu behandeln.

Sobald glaubwürdige Hinweise auf Zielauswahl, Finanzierung, Überwachung oder Täteranwerbung vorliegen, müssen die beteiligten Netzwerke zerschlagen werden. Konten müssen eingefroren, Mittelsmänner festgenommen, diplomatische Deckungen beendet und Verantwortliche öffentlich benannt werden. Bei unmittelbar bevorstehenden staatlich gesteuerten Terroroperationen müssen sich die Vereinigten Staaten zudem das Recht auf eine verhältnismäßige Selbstverteidigung vorbehalten.

Iran soll wissen, dass ein angeheuerter Krimineller das Regime nicht vor den Folgen schützt. Plausible Abstreitbarkeit darf keine Straffreiheit bedeuten.

Die Bilder von Chameneis Beerdigung waren keine harmlose Folklore. Sie zeigten einen Präsidenten im Fadenkreuz und kündigten rollende Köpfe an. Hinter diesen Bildern steht ein Staat, der bereits versucht hat, politische Gegner und amerikanische Amtsträger ermorden zu lassen.

Wer diese Verbindung ignoriert, wartet nicht auf Beweise.

Er wartet auf den Anschlag.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 28. Juli 2026

Unterstütze unser Projekt


Newsletter