Teheran versteckt Tausende Zentrifugen unter 100 Metern Fels
Israelische Geheimdienste gehen davon aus, dass Teheran Tausende Zentrifugen in einen tiefen Tunnelkomplex bei Natanz gebracht hat. Noch ist keine Anreicherung bewiesen, doch Iran schafft offenbar die Grundlage, sein Atomprogramm auch nach schweren Angriffen fortzuführen.

Das iranische Regime hat die Zerstörung seiner bekannten Atomanlagen offenbar nicht als Anlass zum Einlenken verstanden. Statt Transparenz zu schaffen und internationale Inspektoren zurückkehren zu lassen, soll Teheran Tausende Zentrifugen in einen gewaltigen Tunnelkomplex tief unter dem sogenannten Pickaxe Mountain südlich von Natanz verlagert haben.
Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ gehen israelische Geheimdienste davon aus, dass die Verlegung bereits im Herbst 2025 begann. Amerikanische Regierungsvertreter kennen diese Einschätzung demnach ebenfalls. Die empfindliche Ausrüstung soll nach dem zwölftägigen Krieg im Juni 2025 in das Bergmassiv gebracht worden sein, nachdem Israel und die Vereinigten Staaten zentrale Teile der iranischen Nuklearinfrastruktur angegriffen hatten.
Die Nachricht bedeutet nicht automatisch, dass Iran im Inneren des Berges bereits Uran anreichert. Zentrifugen können dort zunächst gelagert, geschützt oder für einen späteren Einbau vorbereitet werden. Doch genau darin liegt die Gefahr: Das Regime könnte einen großen Teil seiner technischen Grundlage vor weiteren Luftangriffen bewahrt haben und auf den Moment warten, in dem es die Produktion wieder aufnehmen kann.
Der Berg soll retten, was die Angriffe zerstörten
Pickaxe Mountain, auf Persisch Kuh-e Kolang Gaz La, liegt südlich des bekannten Nuklearkomplexes von Natanz. Der Tunnelbau begann nach Erkenntnissen westlicher Beobachter bereits 2020, nachdem eine Explosion eine iranische Anlage zur Herstellung fortgeschrittener Zentrifugen beschädigt hatte. Teheran erklärte später, unter dem Berg solle eine geschützte Fabrik für die Produktion und Montage solcher Geräte entstehen.
Satellitenaufnahmen zeigen mehrere stark befestigte Tunneleingänge, Bauarbeiten, Erdbewegungen und schwere Fahrzeuge. Teile des Komplexes sollen mehr als 100 Meter unter festem Fels liegen. Damit könnte die Anlage noch tiefer und schwerer erreichbar sein als Fordow, das bislang als Inbegriff einer gegen Luftangriffe geschützten iranischen Anreicherungsanlage galt.
Selbst die schwerste konventionelle amerikanische bunkerbrechende Bombe, die GBU-57, stößt bei derartigen Tiefen an Grenzen. Ein Angriff könnte Eingänge verschütten, Stromversorgung und Belüftung zerstören oder unterirdische Arbeiten erheblich behindern. Ob die eigentlichen Hallen dadurch vollständig vernichtet würden, ist jedoch ungewiss.
Das ist offensichtlich Teil der iranischen Strategie. Das Regime verlegt immer mehr militärische und nukleare Fähigkeiten unter Berge, weil es weiß, dass seine offen sichtbaren Anlagen verwundbar sind. Teheran baut keine Glaubwürdigkeit auf, sondern Fels über seinen Maschinen.
Der amerikanische Angriff vom Juni 2025 trug den Namen „Operation Midnight Hammer“. Dabei setzten die Vereinigten Staaten nach offiziellen Angaben sieben B-2-Tarnkappenbomber und bunkerbrechende GBU-57-Bomben gegen Fordow, Natanz und Isfahan ein. Anderslautende Angaben über B-52-Bomber sind unzutreffend. Das US-Verteidigungsministerium nennt ausdrücklich B-2 Spirit als Träger der Waffen.
Die Internationale Atomenergiebehörde stellte nach diesen Angriffen schwere Schäden an den bekannten iranischen Anreicherungsanlagen fest. In Natanz wurden unterirdische Hallen getroffen, in Fordow waren Krater und beschädigte Zugänge sichtbar. Das tatsächliche Ausmaß der Zerstörung unter der Erde konnte die Behörde jedoch nicht vollständig feststellen.
Iran hatte der Atomenergiebehörde damals sogar angekündigt, „besondere Maßnahmen“ zum Schutz seiner nuklearen Ausrüstung und Materialien zu ergreifen. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi erinnerte Teheran daran, dass jede Verlagerung von überwachtem Nuklearmaterial gemeldet werden muss. Zentrifugen sind nicht dasselbe wie angereichertes Uran, doch auch ihre Zahl und ihr Verbleib gehören zu den zentralen Fragen einer wirksamen Kontrolle.
Noch kein Beweis für laufende Anreicherung
Bei aller berechtigten Sorge muss die Faktenlage präzise bleiben. Das auf Satellitenauswertungen spezialisierte Institute for Science and International Security erklärte noch im Juni und Juli 2026, der Tunnelkomplex erscheine nach den sichtbaren Merkmalen weiterhin nicht betriebsbereit. Die Analysten sahen zwar fortlaufende Bau- und Sicherungsarbeiten, aber keinen offenen Beleg dafür, dass dort bereits Uran angereichert oder angereichertes Material gelagert wird.
Diese Einschätzung widerspricht dem Geheimdienstbericht nicht zwingend. Tausende Zentrifugen könnten in den Tunneln eingelagert sein, ohne bereits zu vollständigen sogenannten Kaskaden verbunden worden zu sein. Für die Anreicherung müssen zahlreiche Geräte miteinander verschaltet, mit Strom versorgt und durch ein komplexes Rohrsystem mit Uranhexafluorid gespeist werden. Der bloße Besitz der Maschinen beweist daher noch keinen laufenden Betrieb.
Er beweist aber etwas anderes: Iran könnte die Möglichkeit bewahren wollen, sein Programm an einem Ort wieder aufzubauen, den internationale Inspektoren nicht betreten dürfen und der militärisch nur schwer zu erreichen ist.
Genau diese Kombination macht Pickaxe Mountain so gefährlich. Das Regime besitzt nach wie vor nukleares Wissen, erfahrenes Personal und möglicherweise große Mengen verwendbarer Ausrüstung. Gleichzeitig verweigert es an entscheidenden Stellen die Kontrolle.
Die IAEA erklärte in ihrem Bericht vom Februar 2026, dass Iran für mehrere von Angriffen betroffene Anlagen weder ausreichende Erklärungen noch den erforderlichen Zugang gewährt habe. Ohne Inspektionen könne die Behörde nicht feststellen, ob deklariertes Nuklearmaterial ausschließlich friedlich verwendet werde oder ob Teile davon an andere Orte gebracht wurden. Satellitenbilder zeigten zwar Aktivitäten bei Natanz und Fordow, ihre Art und ihr Zweck seien ohne Zugang jedoch nicht überprüfbar.
Das ist keine nebensächliche Auseinandersetzung über bürokratische Regeln. Ein Staat, der behauptet, ausschließlich friedliche Ziele zu verfolgen, müsste ein eigenes Interesse daran haben, diese Behauptung überprüfbar zu machen. Iran handelt umgekehrt: Es baut tiefer, schirmt stärker ab und verweigert Antworten.
Teheran erklärt Pickaxe Mountain zu einer Produktionsstätte für Zentrifugen. Gleichzeitig lässt es keine unabhängige Kontrolle zu, die bestätigen könnte, dass sich dort tatsächlich nur Werkstätten und keine Anreicherungskaskaden befinden. Das Regime verlangt Vertrauen, während es jede Voraussetzung für Vertrauen beseitigt.
US-Präsident Donald Trump hat den Berg deshalb bereits öffentlich als mögliches Angriffsziel bezeichnet. Die amerikanische Regierung beobachte die Tunneleingänge genau. Ein Angriff ist damit nicht beschlossen, doch Pickaxe Mountain steht inzwischen im Zentrum der militärischen Überlegungen Washingtons.
Für Israel ist die Entwicklung besonders ernst. Die Angriffe von 2025 sollten verhindern, dass Iran seinen Weg zu einer Atomwaffenfähigkeit ungestört fortsetzt. Sollten Tausende Zentrifugen rechtzeitig in einen bislang unbeschädigten Bergkomplex gebracht worden sein, hätte das Regime einen Teil seiner wichtigsten Technik gerettet.
Das bedeutet nicht, dass die damaligen Angriffe wirkungslos waren. Sie zerstörten bekannte Anlagen, Stromversorgung, Anreicherungshallen und Infrastruktur. Sie zwangen Iran, sein Programm neu zu ordnen und kosteten das Regime Zeit. Doch Zeitgewinn ist nicht dasselbe wie eine endgültige Lösung.
Die entscheidende Frage lautet nun nicht nur, was in Natanz und Fordow zerstört wurde. Sie lautet, was Teheran zuvor retten konnte und was heute hinter den befestigten Eingängen von Pickaxe Mountain liegt.
Solange Iran Inspektoren aussperrt, keine überprüfbaren Angaben liefert und seine Zentrifugen tief unter Fels versteckt, darf niemand sein Atomprogramm für beendet erklären. Das Regime scheint nicht aufgegeben zu haben. Es hat sein Vorhaben lediglich tiefer eingegraben.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 21. Juli 2026