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Pakistans rote Linie für Teheran: Angriff auf Saudi-Arabien gilt als Angriff auf uns


Islamabad warnt vor einem wachsenden Machtkampf innerhalb der iranischen Führung und einer neuen Huthi-Front gegen Saudi-Arabien. Der Verteidigungspakt mit Riad könnte die Atommacht Pakistan direkt in den Krieg hineinziehen.

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Pakistan beobachtet nach Angaben mehrerer Regierungsvertreter mit wachsender Sorge die Auseinandersetzungen innerhalb der iranischen Staatsführung. Zugleich warnt Islamabad das Regime in Teheran davor, die Angriffe der von Iran unterstützten Huthi-Terrororganisation auf Saudi-Arabien weiter eskalieren zu lassen.

„Angriffe auf Saudi-Arabien sind Angriffe auf Pakistan. Das ist für uns eine rote Linie“, erklärte ein pakistanischer Regierungsvertreter. Nach seinen Angaben wurde diese Warnung sowohl der politischen als auch der militärischen Führung Irans auf höchster Ebene übermittelt.

Hinter der ungewöhnlich scharfen Botschaft steht der im September 2025 geschlossene strategische Verteidigungspakt zwischen Pakistan und Saudi-Arabien. Die Vereinbarung sieht ausdrücklich vor, dass ein Angriff auf einen der beiden Staaten als Angriff auf beide behandelt wird.

Pakistan könnte deshalb bei einer weiteren Eskalation zwischen den Huthi und Saudi-Arabien gezwungen sein, militärisch zugunsten Riads einzugreifen. Islamabad wäre dann nicht länger nur Vermittler im Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Iran, sondern selbst Teil des Konflikts.

Risse zwischen Regierung und Revolutionsgarden

Besondere Besorgnis lösen in Islamabad offenbar wachsende Differenzen innerhalb der iranischen Führung aus. Pakistanische Regierungsvertreter erklärten, die politischen Ziele von Präsident Massud Peseschkian, Außenminister Abbas Araghtschi und Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf entfernten sich zunehmend von der Linie der Revolutionsgarden.

Diese Einschätzung stammt von anonymen pakistanischen Funktionären und lässt sich bislang nicht unabhängig bestätigen. Sie sollte deshalb nicht als Nachweis eines unmittelbar bevorstehenden Bruchs innerhalb des Regimes verstanden werden.

Auch die genannten Politiker bilden keinen einheitlichen gemäßigten Block. Insbesondere Ghalibaf war selbst Kommandeur der Revolutionsgarden und gilt als fester Bestandteil des iranischen Machtapparats. Wenn pakistanische Stellen dennoch von wachsenden Differenzen sprechen, dürfte es weniger um eine grundsätzliche Ablehnung des Regimes als um unterschiedliche Vorstellungen über das weitere Vorgehen im Krieg gehen.

Die politische Führung könnte versuchen, den Konflikt zu begrenzen, die Straße von Hormus zumindest teilweise wieder zu öffnen und neue Verhandlungen mit Washington zu ermöglichen. Teile der Revolutionsgarden setzen dagegen offenbar weiterhin auf militärische Eskalation, Angriffe auf Handelsschiffe und Druck auf amerikanische Verbündete in der Region.

Die Revolutionsgarden verfügen über eigene Land-, Luft- und Seestreitkräfte, kontrollieren große Teile des Raketenprogramms und unterhalten enge Verbindungen zu den Terrororganisationen, die Iran in der Region aufgebaut und ausgerüstet hat. Dazu zählen die Hisbollah, die Huthi und weitere bewaffnete Gruppen im Irak und in Syrien.

Die politische Regierung kann deshalb Verhandlungen führen, ohne sämtliche militärischen Akteure vollständig kontrollieren zu können. Umgekehrt könnten die Revolutionsgarden durch neue Angriffe diplomatische Vereinbarungen unterlaufen oder Teherans Verhandlungsposition bewusst verschärfen.

Genau diese Unsicherheit ist für Pakistan gefährlich. Islamabad hat in den vergangenen Monaten eine zentrale Rolle bei den Gesprächen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran übernommen. Wenn innerhalb der iranischen Führung keine gemeinsame Linie mehr besteht, verliert jede Vereinbarung an Verlässlichkeit.

Das im Juni unterzeichnete Memorandum zwischen Washington und Teheran sollte die Kämpfe eindämmen, die Schifffahrt durch die Straße von Hormus sichern und neue Gespräche über das iranische Atomprogramm ermöglichen. Die erneuten iranischen Angriffe auf Handelsschiffe und die darauffolgenden amerikanischen Militärschläge haben diese Vereinbarung faktisch ausgehöhlt.

Pakistan steht bereits an der Front

Die Sorge Islamabads ist nicht theoretisch. Pakistan hat bereits eine erhebliche Streitmacht in Saudi-Arabien stationiert. Nach Berichten vom Mai befinden sich dort etwa 8.000 pakistanische Soldaten, eine Staffel mit rund 16 Kampfflugzeugen, zwei Drohnenstaffeln und ein chinesisches Luftverteidigungssystem vom Typ HQ-9.

Der genaue Umfang der Stationierung wurde von Saudi-Arabien damals nicht offiziell bestätigt. Mehrere pakistanische Sicherheits- und Regierungsvertreter beschrieben die Truppe jedoch als kampffähigen Verband, der Saudi-Arabien im Falle weiterer Angriffe unterstützen soll.

Nach den aktuellen Angaben sind pakistanische Soldaten auch in der Nähe der saudisch-jemenitischen Grenze stationiert. Damit könnten sie unmittelbar von einer Wiederaufnahme größerer Kämpfe zwischen Saudi-Arabien und den Huthi betroffen sein.

Die Huthi hatten nach neuen saudischen Angriffen im Jemen wieder Raketen auf Saudi-Arabien abgefeuert und damit eine mehrjährige Phase relativer Ruhe beendet. Gleichzeitig soll Teheran die Terrororganisation aufgefordert haben, sich auf eine mögliche Blockade des Bab al-Mandab vorzubereiten, falls die Vereinigten Staaten iranische Kraftwerke oder andere Teile der Energieversorgung angreifen.

Für Pakistan entsteht dadurch ein kaum auflösbarer Widerspruch. Das Land unterhält traditionell Beziehungen sowohl zu Iran als auch zu den arabischen Golfstaaten. Es möchte als Vermittler auftreten und eine weitere Ausweitung des Krieges verhindern. Gleichzeitig ist es durch den Verteidigungspakt fest an Saudi-Arabien gebunden.

Hinzu kommen erhebliche wirtschaftliche Interessen. Pakistan ist auf Öl- und Flüssiggasimporte aus der Golfregion angewiesen. Eine längerfristige Störung der Straße von Hormus oder des Roten Meeres würde die ohnehin angespannte Energieversorgung des Landes zusätzlich belasten und die Importkosten erhöhen.

Saudi-Arabien ist zudem ein wichtiger Geldgeber Pakistans. Riad unterstützt Islamabad regelmäßig mit Krediten, Investitionen und Energielieferungen. Millionen pakistanische Arbeitskräfte leben in den Golfstaaten und überweisen Einkommen in ihre Heimat. Pakistan kann es sich wirtschaftlich und strategisch kaum leisten, Saudi-Arabien in einer militärischen Krise allein zu lassen.

Gleichzeitig besitzt Pakistan Atomwaffen. Eine direkte Beteiligung des Landes würde den Konflikt nicht automatisch zu einem Atomkrieg machen. Sie würde jedoch eine weitere Atommacht in eine bereits unübersichtliche militärische Auseinandersetzung hineinziehen und die Risiken einer regionalen Fehlkalkulation deutlich erhöhen.

Die Verantwortung dafür liegt nicht bei Saudi-Arabien oder Pakistan. Das iranische Regime hat über Jahre ein Netzwerk bewaffneter Terrororganisationen aufgebaut, um andere Staaten angreifen zu können, ohne bei jeder Attacke selbst offen als Kriegspartei aufzutreten. Diese Strategie stößt nun an ihre Grenzen.

Wenn die Huthi Saudi-Arabien angreifen, kann Teheran nicht glaubwürdig behaupten, damit nichts zu tun zu haben, während es die Terrororganisation mit Waffen, Technologie und militärischer Beratung unterstützt. Zugleich darf nicht jeder Huthi-Angriff automatisch als unmittelbar von Iran befohlen dargestellt werden. Die Huthi verfolgen auch eigene politische und militärische Ziele.

Für Pakistan reicht jedoch bereits die Gefahr aus, dass iranische Unterstützung eine neue Huthi-Offensive ermöglicht. Islamabad hat Teheran deshalb eine klare Grenze gesetzt: Wer Saudi-Arabien angreift, riskiert eine Auseinandersetzung mit Pakistan.

Damit droht dem iranischen Regime ein weiteres strategisches Problem. Seine Eskalationspolitik soll Gegner einschüchtern und den Preis amerikanischer Angriffe erhöhen. Tatsächlich könnte sie einen Nachbarstaat, Vermittler und bisherigen Gesprächskanal endgültig auf die Seite seiner Gegner treiben.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 18. Juli 2026

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