Bericht: Mossad holte Ahmadinedschad aus Teheran, nun hält ihn das Regime fest
Israel soll den früheren Präsidenten jahrelang als möglichen Nachfolger der Mullah-Führung aufgebaut und während des Krieges aus seiner Bewachung befreit haben. Der Plan scheiterte, nachdem Ahmadinedschad das Schutzhaus verließ.

Der frühere iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad soll vom Nachrichtendienst der Islamischen Revolutionsgarden festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden sein. Nach übereinstimmenden Berichten von N12 und der „New York Times“ entdeckten die iranischen Behörden einen erheblichen Teil seiner geheimen Kontakte zu Israel. Vier ranghohe iranische Funktionäre erklärten, Ahmadinedschad werde inzwischen von der Geheimdienstorganisation der Revolutionsgarden festgehalten. Eine offizielle Mitteilung des Regimes gibt es bislang nicht.
Hinter dem Fall steht demnach eine jahrelange israelische Geheimdienstoperation. Der Mossad soll versucht haben, Ahmadinedschad zunächst als Quelle und politischen Kontakt aufzubauen. Später sei daraus ein wesentlich ehrgeizigerer Plan entstanden. Nach dem Sturz der Islamischen Republik sollte der frühere Präsident möglicherweise eine führende Rolle in einem neuen Iran übernehmen.
Das klingt auf den ersten Blick widersprüchlich. Ahmadinedschad war zwischen 2005 und 2013 eines der bekanntesten Gesichter des iranischen Regimes. Er beschleunigte das Atomprogramm, leugnete wiederholt die Schoah und verbreitete offene Vernichtungsdrohungen gegen Israel. Doch Geheimdienste suchen ihre Partner nicht nach persönlicher Sympathie aus. Sie nutzen Zugänge, Machtkämpfe, gekränkten Ehrgeiz und die Schwächen gegnerischer Systeme.
Ahmadinedschad hatte sich nach dem Ende seiner Präsidentschaft zunehmend mit der Führung überworfen. Dreimal wurde ihm eine erneute Kandidatur verweigert. Vertraute wurden verfolgt, seine Bewegungsfreiheit eingeschränkt und seine politischen Ambitionen blockiert. Nach Angaben aus seinem Umfeld gelangte er schließlich zu der Überzeugung, unter der bestehenden Herrschaft nie wieder an die Spitze zurückkehren zu können.
Der frühere Israelhasser stellte sogar Normalisierung in Aussicht
Die Berichte beschreiben einen auffälligen Wandel. Ahmadinedschad reduzierte seine frühere antiisraelische Rhetorik, kritisierte die iranischen Sicherheitskräfte und die Korruption im Machtapparat und versuchte, sich als gemäßigtere politische Figur zu präsentieren. Er änderte seinen öffentlichen Stil, beschäftigte sich stärker mit kulturellen Themen und begann, Englisch zu lernen.
Ob darin eine wirkliche politische Veränderung lag oder lediglich der Versuch, sich für eine Rückkehr an die Macht neu zu erfinden, bleibt offen. Ein früherer Vertrauter erklärte, Ahmadinedschad habe nicht aus Geldnot gehandelt. Er verfüge selbst über ein weitreichendes wirtschaftliches Netzwerk. Sein entscheidender Antrieb sei Macht gewesen.
Gegenüber Personen aus seinem Umfeld soll Ahmadinedschad gesagt haben, er könne einen Iran nach dem Ende der Islamischen Republik führen. Er habe sich dabei als eine Art Reformer nach dem Vorbild des früheren russischen Präsidenten Boris Jelzin dargestellt. Sollte er erneut an die Staatsspitze gelangen, werde Iran Israel anerkennen und seine Beziehungen im Rahmen der Abraham-Abkommen normalisieren, hieß es in dem Bericht.
Diese Angaben machen aus Ahmadinedschad keinen überzeugenden Freund Israels und keinen demokratischen Oppositionellen. Sie zeigen jedoch, wie tief die inneren Brüche des Regimes reichen. Selbst ein früherer Präsident, der jahrelang zu den aggressivsten Vertretern der Staatsideologie gehörte, soll bereit gewesen sein, mit Israel über eine Zukunft ohne die Mullah-Herrschaft zu sprechen.
Die Kontakte könnten bereits 2023 begonnen haben. Ahmadinedschad reiste damals zu einer Umweltveranstaltung nach Guatemala. Sicherheitskräfte wollten ihn zunächst daran hindern, den Iran zu verlassen. Nach einem stundenlangen Streit am Flughafen durfte er schließlich fliegen.
Im Jahr 2024 wurde er an die Ludovika-Universität für den öffentlichen Dienst in Budapest eingeladen. Offiziell ging es um Klimawandel und Nachhaltigkeit. Laut N12 erklärte Universitätspräsident Gergely Deli später, ein ranghoher Vertreter der ungarischen Regierung habe ihm mitgeteilt, dass die Veranstaltung als Tarnung für Gespräche zwischen Ahmadinedschad und israelischen Geheimdienstvertretern dienen sollte.
Der damalige Mossad-Chef David Barnea soll persönlich nach Budapest gereist sein, um Ahmadinedschad zu treffen. Danach habe der israelische Geheimdienst die CIA über die entstandene Verbindung informiert. Israel soll zudem Reise- und Aufenthaltskosten bezahlt und mehrere weitere Treffen außerhalb Irans organisiert haben.
Ahmadinedschads Bewacher aus einer Einheit der Revolutionsgarden wurden offenbar misstrauisch. Während der Budapest-Reisen soll er ihnen mindestens zweimal entkommen und für längere Zeit verschwunden sein. Auf Nachfrage habe er behauptet, mit Professoren gesprochen zu haben.
Auch sein Auftritt bei der Konferenz fiel auf. Er sprach Englisch, verzichtete auf den Koranvers, mit dem er früher seine Reden begonnen hatte, und redete stattdessen über eine gemeinsame Menschlichkeit und eine sich verändernde Weltordnung. Für sich genommen beweist das keine Zusammenarbeit mit Israel. Zusammen mit den übrigen Angaben ergibt sich jedoch das Bild eines Politikers, der sich auf eine mögliche neue Rolle vorbereitete.
Israels Befreiungsaktion endete in einem Schutzhaus
Ende Februar, in den ersten Tagen des Iran-Krieges, soll Israel versucht haben, Ahmadinedschad aus der Kontrolle der Revolutionsgarden zu befreien. Nach Angaben von vier iranischen Funktionären traf ein israelischer Angriff den Gebäudekomplex, in dem der frühere Präsident bewacht wurde.
Kurz nach dem Angriff erschien demnach ein schwarzer Peugeot. Mossad-Mitarbeiter sollen Ahmadinedschad aufgenommen und in ein geheimes Schutzhaus innerhalb Irans gebracht haben. Frühere Berichte hatten den Schlag auf seine Wohnanlage noch als möglichen Tötungsversuch dargestellt. Die neue Darstellung besagt das Gegenteil. Ziel sei gewesen, seine Bewachung auszuschalten und ihn für eine politische Rolle nach dem Sturz des Regimes in Sicherheit zu bringen.
Die Operation scheiterte offenbar nicht an iranischen Sicherheitskräften, sondern an Ahmadinedschad selbst. Er soll über den Ablauf des Plans enttäuscht und wütend gewesen sein. Aus bislang ungeklärten Gründen verließ er später das Schutzhaus.
Von diesem Zeitpunkt an war er monatelang nicht mehr öffentlich zu sehen. Erst bei den Trauerveranstaltungen für den getöteten früheren Obersten Führer Ali Khamenei tauchte er wieder auf. Bilder zeigten ihn still, mit gesenktem Kopf und umgeben von Sicherheitskräften. Beobachter beschrieben ihn als sichtbar angeschlagen.
Nach Angaben iranischer Funktionäre griff der Geheimdienst der Revolutionsgarden anschließend zu. Das Regime habe inzwischen große Teile seiner angeblichen Kontakte mit Israel rekonstruiert und ihn erneut unter Hausarrest gestellt.
Für die Mullah-Führung ist der Vorgang eine schwere Blamage. Jahrelang behauptete das Regime, die Feindschaft gegen Israel verbinde seine politischen und militärischen Eliten. Nun soll ein früherer Präsident ausgerechnet mit dem Mossad über den Sturz dieser Führung und eine spätere Anerkennung Israels gesprochen haben.
Der Fall zeigt zugleich, wie das Regime auf jede Abweichung reagiert. Es präsentiert keine Beweise, ermöglicht kein transparentes Verfahren und erlaubt keine öffentliche Verteidigung. Die Revolutionsgarden greifen zu, halten Menschen fest und entscheiden selbst, wer als Verräter, Spion oder ausländischer Agent gilt.
Ob jeder Bestandteil der Geheimdienstgeschichte stimmt, lässt sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Der Mossad schweigt, Ahmadinedschads Sprecher äußert sich nicht und Teheran veröffentlicht keine belastbaren Unterlagen. Teile der Geschichte erscheinen selbst israelischen Iran-Experten ungewöhnlich und lückenhaft.
Doch unabhängig von den offenen Fragen bleibt die politische Bedeutung erheblich. Israel suchte offenbar nicht nur nach militärischen Zielen, sondern nach Wegen, das Regime von innen aufzubrechen. Ahmadinedschad war dabei kein moralisches Vorbild, sondern ein Werkzeug gegen eine gefährlichere Herrschaft.
Die Operation zeigt, wie wenig Vertrauen innerhalb der Islamischen Republik noch besteht. Frühere Präsidenten werden bewacht, Funktionäre verschwinden, Sicherheitsdienste überwachen einander und jeder Kontakt zum Ausland kann eine Festnahme auslösen. Hinter der martialischen Selbstdarstellung der Mullahs steht ein System, das seine eigenen früheren Spitzenvertreter fürchtet.
Ahmadinedschad soll geglaubt haben, Israel könne ihm den Weg zurück an die Macht öffnen. Israel soll gehofft haben, einen Mann aus dem Inneren des Systems für den Übergang zu einem Iran ohne Mullah-Herrschaft nutzen zu können. Der Plan misslang.
Dass die Revolutionsgarden ihn nun offenbar festhalten, ist kein Sieg der iranischen Justiz. Es ist ein weiteres Zeichen dafür, dass das Regime seine Herrschaft nur noch mit Geheimdiensten, Bewachung und Angst zusammenhalten kann.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Montag, 13. Juli 2026