Iran widerspricht Vance: Teheran will allein über freigegebene Milliarden verfügen
Washington spricht von Kontrolle über iranische Gelder und Käufe in den USA. Teheran weist das zurück. Damit bekommt der neue Iran Deal schon in den ersten Tagen tiefe Risse.

Der Streit über den neuen Iran Deal verschärft sich schneller, als Washington ihn erklären kann. Irans Botschafter bei den Vereinten Nationen in Genf, Ali Bahreini, erklärte am Dienstag, nur Iran selbst werde entscheiden, wie freigegebene Gelder verwendet werden. Jede Behauptung, ein anderer Staat könne Einfluss auf diese Entscheidungen nehmen, wies er ausdrücklich zurück. Damit stellt Teheran eine zentrale Darstellung der US-Regierung infrage.
US-Vizepräsident JD Vance hatte zuvor erklärt, die Vereinigten Staaten und Katar würden Kontrolle über die Gelder haben, sobald sie freigegeben würden. Das Geld könne unter anderem für den Kauf amerikanischer Agrargüter wie Mais, Soja und Weizen verwendet werden. Genau diese Darstellung wollte Bahreini nicht stehen lassen. Iran werde allein entscheiden, was mit seinen Vermögenswerten geschehe. Technische Absprachen mit Washington und Doha seien möglich, weil Teile der Gelder durch US-Sanktionen blockiert seien und sich Vermögenswerte in Katar befänden. Eine weitergehende Kontrolle über Kaufentscheidungen oder Importe werde Iran aber nicht akzeptieren.
Nach Reuters sollen im Rahmen der ersten Vereinbarung rund 12 Milliarden Dollar an eingefrorenen iranischen Geldern freigegeben werden. Die Vereinigten Staaten haben Sanktionen gegen Iran zunächst für 60 Tage ausgesetzt, während in der Schweiz über eine dauerhafte Vereinbarung verhandelt wird. Die Gelder bestehen vor allem aus Öleinnahmen und Zentralbankreserven, die über Jahre durch Sanktionen blockiert wurden.
Für Israel und die Golfstaaten ist dieser Widerspruch entscheidend. Washington versucht, die Freigabe als begrenzten, kontrollierten und wirtschaftlich gelenkten Schritt darzustellen. Teheran macht daraus sofort eine Frage der Souveränität und signalisiert: Das Geld gehört Iran, und Iran allein bestimmt darüber. Genau hier liegt die Gefahr. Sobald Milliarden in ein System zurückfließen, das seine Revolutionsgarden, seine Raketenprogramme und seine Stellvertreterfronten über Jahre aufgebaut hat, reicht eine politische Behauptung aus Washington nicht aus. Entscheidend ist nicht, was Vance verspricht, sondern was Iran tatsächlich durchsetzen kann.
Bahreini erklärte zudem, in den kommenden Tagen sollten zwei Arbeitsgruppen eingerichtet werden: eine zur Aufhebung von Sanktionen, eine zu Fragen des iranischen Atomprogramms. Auch das zeigt, wohin Teheran den Prozess treiben will. Es geht nicht um eine kleine technische Erleichterung. Iran strebt die vollständige Beseitigung der Sanktionen an und testet bereits, wie weit Washington nach dem Iran Krieg 2026 zu gehen bereit ist.
Besonders brisant ist Bahreinis Aussage zum Libanon. Er nannte weitere Angriffe gegen den Libanon eine „rote Linie“ Irans und forderte Washington auf, seinen ganzen Einfluss auf Israel zu nutzen, um die Gewalt zu stoppen. Damit versucht Teheran, den Deal mit den USA direkt an Israels militärische Handlungsfreiheit gegenüber der Hisbollah zu koppeln. Für Jerusalem ist das ein gefährliches Signal. Iran will offenbar nicht nur Geld und Sanktionserleichterungen, sondern zugleich politischen Druck auf Israel, damit die Hisbollah im Südlibanon geschont wird.
Israel hatte zuletzt erklärt, bewaffnete Terroristen im Südlibanon getroffen zu haben, die eine unmittelbare Bedrohung für Soldaten darstellten. Libanesische Stellen und Hisbollah-nahe Angaben sprachen dagegen von getöteten Zivilisten und einem Bruch der Waffenruhe. Genau diese widersprüchliche Lage zeigt, warum Israel sich nicht auf iranische oder Hisbollah-nahe Deutungen verlassen kann. Kein Staat würde von seinen Soldaten verlangen, bewaffnete Kräfte an der Grenze zu ignorieren, nur weil Teheran eine diplomatische rote Linie zieht.
Der neue Widerspruch aus Genf macht den Kern des Problems sichtbar. Die USA verkaufen den Deal als kontrollierten Einstieg in Entspannung. Iran verkauft ihn als eigenen Sieg über Sanktionen, über Druck und über westliche Bedingungen. Wenn Teheran schon bei der Verwendung freigegebener Gelder Washington offen widerspricht, stellt sich die Frage, wie belastbar die größeren Zusagen überhaupt sind.
Für Israel ist deshalb Vorsicht geboten. Der Iran Deal wird nicht daran gemessen werden, welche Formeln in Washington gewählt werden. Er wird daran gemessen, ob Iran weniger Geld für Terror, Raketen, Drohnen und Stellvertreter erhält. Bahreinis Auftritt deutet in eine andere Richtung. Teheran will das Geld, die Sanktionslockerung und die politische Hebelwirkung im Libanon. Genau das macht diesen Deal so riskant.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 24. Juni 2026