Trumps Geschenk an Teheran: Selbst Irans Regimegegner sprechen von einem Sieg der Mullahs
Iranische Regimegegner zeigen sich entsetzt über den Deal. Während Trump Frieden verkündet, könnte Teheran den Krieg politisch überleben und seine Terrorachse retten.

Donald Trump nennt es Frieden. Teheran nennt es bereits Sieg. Und ausgerechnet iranische Regimegegner, die auf das Ende der Islamischen Republik gehofft hatten, reagieren entsetzt. Nach einem Bericht der Jerusalem Post sagte eine mit der Lage im Iran vertraute Quelle, viele Gegner des Regimes seien „schockiert“ über die entstehenden Details des US Iran Deals. In Iran werde das Abkommen im Staatsfernsehen als Sieg der „Achse des Widerstands“ gegen die USA dargestellt. Genau dieser Satz sagt mehr über den Deal als jede Friedensformel aus Washington.
Wenn ein Regime, das Israel bedroht, Terrorarme finanziert, die eigene Bevölkerung unterdrückt und die Region über Jahre in Brand gesetzt hat, einen Deal als Sieg verkaufen kann, dann muss man fragen, wer hier wirklich gewonnen hat. Nach iranischer Darstellung bleiben Raketenprogramm und Unterstützung für Terrororganisationen außen vor. Gleichzeitig stehen Entlastung, Milliarden, eine 60 tägige Nachverhandlung, die Öffnung von Hormus und die Einbeziehung des Libanon im Raum. Für Trump mag das wie Diplomatie aussehen. Für Teheran sieht es offenbar nach Überleben aus.
Die Quelle der Jerusalem Post beschreibt die Stimmung unter Regimegegnern bitter. Viele hätten gehofft, dass der Druck gegen die Islamische Republik nach den israelischen und amerikanischen Schlägen weiter wachse. Stattdessen entstehe nun der Eindruck, Trump habe zu früh geerntet, was Israel militärisch vorbereitet habe. Das Bild ist hart, aber treffend: Ein Baum war noch ein Setzling, und Trump habe die Ernte zerstört. Gemeint ist: Der Druck auf Teheran hätte wachsen können. Der Deal nimmt ihn womöglich weg.
Besonders gefährlich ist, dass das Regime diesen Moment zur inneren Stabilisierung nutzen kann. Wenn iranisches Staatsfernsehen den Deal als Sieg der eigenen Achse darstellt, stärkt das nicht das iranische Volk. Es stärkt jene, die das Volk unterdrücken. Die Menschen, die gegen die Mullahs protestiert haben, die unter Gewalt, Verhaftungen und Einschüchterung gelitten haben, sehen nun möglicherweise, wie genau dieses Regime politisch gerettet wird. Das ist der moralische Preis eines schlechten Deals.
Die Jerusalem Post zitiert die Quelle mit der Einschätzung, die Trump Regierung sei von Teheran getäuscht worden. Auch das ist als Bewertung einer Quelle einzuordnen, nicht als abschließend bewiesene Tatsache. Aber die Sorge ist nachvollziehbar: Teile des Regimes verstehen westliche Diplomatie, sprechen die Sprache von Opfern, Fairness und Deeskalation und nutzen genau diese Begriffe, um Druck abzubauen. Am Ende soll Iran nicht als Aggressor erscheinen, sondern als Staat, dem man nach Krieg und Sanktionen entgegenkommen müsse.
Genau so funktioniert die politische Täuschung Teherans seit Jahren. Das Regime führt Krieg über Stellvertreter, bedroht Israel, schließt Hormus, baut nukleare Fähigkeiten aus und präsentiert sich anschließend als Opfer westlicher Härte. Wer darauf hereinfällt, verhandelt nicht aus Stärke. Er stabilisiert den Erpresser.
Für Israel ist das eine unmittelbare Gefahr. Wenn Iran den Deal als Sieg empfindet, werden auch Hisbollah und Huthi nicht geschwächt aus diesem Moment gehen. Sie werden beobachten, dass Druck, Drohungen und militärische Eskalation am Ende Entlastung bringen können. Genau deshalb ist ein Deal, der Raketen, Drohnen und Terrorarme ausspart, so gefährlich. Er sagt Teheran: Das gefährlichste Netzwerk darf bleiben, solange das Papier über Uran noch verhandelt wird.
Trump bekommt die Überschrift. Iran bekommt Zeit. Das Regime bekommt die Chance, Überleben als Sieg zu verkaufen. Und die Iraner, die auf Freiheit gehofft hatten, müssen sehen, wie die Welt wieder einmal mit ihren Unterdrückern verhandelt.
Wenn selbst Regimegegner in Iran von Schock sprechen, sollte niemand in Washington diesen Deal als einfachen Frieden verkaufen. Frieden, der die Mullahs rettet, ist kein Frieden für die Menschen in Iran. Und Frieden, der Irans Terrorachse schont, ist kein Frieden für Israel.
Autor: Samuel Benning
Artikel veröffentlicht am: Montag, 15. Juni 2026