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Peking will Iran bremsen, doch Chinas Nähe zu Teheran bleibt das große Problem


Peking gibt sich als Bremser Teherans und Stabilitätsmacht im Nahen Osten. Doch Chinas Einfluss auf Iran bleibt nur glaubwürdig, wenn aus Worten endlich Druck wird.

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China will im Nahen Osten als Macht der Vernunft auftreten. Der chinesische Botschafter in Israel, Xiao Junzheng, beschreibt den jüngsten Gipfel zwischen Donald Trump und Xi Jinping als historisch, als Zeichen strategischer Stabilität zwischen den beiden größten Mächten der Welt. Zugleich behauptet Peking, Iran seit Längerem zu mäßigen, antiisraelische Vernichtungsparolen zurückzuweisen und auf die Öffnung der Straße von Hormus gedrängt zu haben. Das klingt nach Verantwortung. Doch gerade bei China muss man sehr genau unterscheiden zwischen diplomatischer Sprache und tatsächlichem Druck.

Denn Peking ist nicht irgendein Beobachter. China ist einer der wichtigsten wirtschaftlichen Partner Irans und zugleich ein zentraler Abnehmer iranischen Öls. Wer mit Teheran große Geschäfte macht, besitzt Einfluss. Wer Einfluss besitzt, trägt Verantwortung. Und wer Verantwortung beansprucht, kann sich nicht dauerhaft hinter der Formel verstecken, man habe im Hintergrund „viele Gespräche“ geführt. Die entscheidende Frage lautet nicht, was chinesische Diplomaten in Interviews sagen. Die entscheidende Frage lautet, ob Iran sein Verhalten ändert.

Xiao Junzheng sagte gegenüber der Jerusalem Post, China lehne eine iranische Atombombe klar ab. Zugleich betonte er, Iran habe als Mitglied des Atomwaffensperrvertrags ein Recht auf friedliche Nutzung der Kernenergie. Diese Doppelbotschaft ist typisch für Pekings Iran-Politik: China will sich als vernünftiger Akteur darstellen, aber Teheran nicht öffentlich zu hart anfassen. Es will Stabilität, aber keine offene Konfrontation mit dem Regime der Ajatollahs. Es will freie Schifffahrt durch die Straße von Hormus, aber zugleich seine Beziehungen zu Iran schützen. Genau diese Vorsicht macht Chinas Rolle so zwiespältig.

Besonders bemerkenswert ist die Aussage des Botschafters zu den iranischen Vernichtungsparolen gegen Israel. Den Slogan, Israel von der Landkarte zu tilgen, bezeichnete Xiao sinngemäß als verrückt, extremistisch und unnötig. Das ist ungewöhnlich klar für chinesische Diplomatie. Es zeigt, dass selbst Peking versteht, wie zerstörerisch diese Rhetorik ist. Aber auch hier reicht die Erkenntnis nicht aus. Wenn China tatsächlich begreift, dass solche Parolen extremistischer Wahnsinn sind, dann muss es Iran auch politisch und wirtschaftlich spüren lassen, dass diese Sprache Folgen hat.

Israel hört solche Sätze mit berechtigter Skepsis. Jerusalem weiß, dass China sich gern als ausgleichende Weltmacht präsentiert. Doch Israel sieht zugleich, wie Iran seine Stellvertreter bewaffnet, die Hisbollah im Libanon stärkt, die Huthi als Druckmittel gegen internationale Schifffahrt nutzt und weiterhin auf nukleare Hebel setzt. Solange Teheran an dieser Strategie festhält, bleibt jede chinesische Beschwichtigung unvollständig. Ein Regime, das Israel als Feindbild braucht, lässt sich nicht durch freundliche Hinweise zähmen. Es reagiert auf Macht, Kosten und Abhängigkeiten.

Gerade die Straße von Hormus zeigt, worum es wirklich geht. Die Passage ist eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Wenn Iran dort Druck aufbaut, Zölle erhebt, Schifffahrt behindert oder militärische Unsicherheit schafft, betrifft das nicht nur Israel oder die Vereinigten Staaten. Es betrifft globale Energiepreise, Lieferketten und die Stabilität der Weltwirtschaft. China hat daran ein eigenes Interesse. Peking braucht offene Handelswege, berechenbare Energieversorgung und möglichst geringe Störungen. Deshalb ist Chinas angeblicher Druck auf Iran nicht nur moralisch motiviert. Er ist auch nüchterne Interessenpolitik.

Das macht ihn nicht wertlos. Im Gegenteil: Interessen können manchmal stärker wirken als Appelle. Wenn China Iran deutlich macht, dass die Straße von Hormus offen bleiben muss, dann tut Peking etwas, das auch Israel und dem Westen nützen kann. Aber man darf diese Rolle nicht romantisieren. China handelt nicht aus Liebe zu Israel, nicht aus westlicher Wertegemeinschaft und nicht aus Sorge um jüdische Sicherheit. China handelt, weil Chaos schlecht für Handel, Öl und Machtbalance ist.

Der Gipfel zwischen Trump und Xi liefert dafür den größeren Rahmen. Beide Seiten wollen ihre Rivalität begrenzen, ohne sie zu beenden. Trump sucht chinesische Hilfe bei Iran und Hormus, Xi sucht Ruhe bei Handel, Taiwan und globaler Stabilität. Der chinesische Botschafter spricht von einer Beziehung, in der Kooperation möglich und Konkurrenz begrenzt bleiben soll. Das ist diplomatisch geschickt. Doch für Israel zählt weniger die Atmosphäre zwischen Trump und Xi als die konkrete Wirkung auf Teheran.

Wenn Peking Iran wirklich vom extremistischen Kurs abbringen will, muss es mehr tun als warnen. Es muss seine wirtschaftliche Macht nutzen. Es muss Teheran klarmachen, dass nukleare Drohung, Vernichtungsrhetorik gegen Israel und Erpressung an Hormus nicht ohne Preis bleiben. China kann nicht zugleich Stabilität predigen und Iran jene wirtschaftliche Luft lassen, die das Regime für seine regionale Machtpolitik braucht. Wer Öl kauft, finanziert nicht automatisch jede Entscheidung Teherans. Aber er schafft Spielraum. Und genau dieser Spielraum ist politisch.

Für Israel ist die Lage deshalb nüchtern zu bewerten. China kann ein nützlicher Faktor sein, wenn es Iran bremst. China kann gefährlich werden, wenn es Teheran schützt. Es kann zur Stabilisierung beitragen, wenn es die freie Schifffahrt durchsetzt. Es kann aber auch zur Verlängerung des Problems beitragen, wenn seine Iran-Politik am Ende nur darauf zielt, den Konflikt zu verwalten, statt Teherans Bedrohungspotenzial zu verringern.

Der Satz des Botschafters, Iran sei eine alte Zivilisation und nicht leicht zu beeinflussen, klingt höflich. Er ist aber auch eine Ausflucht. Natürlich ist Iran historisch tief, stolz und politisch schwer zu bewegen. Doch das Regime in Teheran ist keine abstrakte Zivilisation. Es ist eine Machtstruktur mit Interessen, Schwächen, Einnahmequellen und Abhängigkeiten. China kennt diese Abhängigkeiten. Peking muss sich daher fragen lassen, warum sein Einfluss angeblich groß genug für Handelsbeziehungen ist, aber offenbar zu klein, wenn es um echte Begrenzung iranischer Aggression geht.

Die Welt braucht keine weitere Großmacht, die Iran in diplomatische Watte packt. Sie braucht Akteure, die Teheran klarmachen, dass Extremismus, Atomdrohung und Terrorunterstützung nicht belohnt werden. Wenn China dazu beitragen will, wäre das willkommen. Aber dann muss Peking liefern. Nicht in Interviews, sondern in Ergebnissen.

Solange Iran weiter droht, weiter taktisch verhandelt, weiter an seinen Stellvertretern festhält und weiter versucht, Hormus als Druckmittel zu nutzen, bleibt Chinas Stabilitätsrhetorik ein Versprechen ohne Beweis. Israel sollte jede Bewegung Pekings aufmerksam prüfen. Doch Vertrauen verdient China erst dann, wenn Teheran nicht nur weniger extrem klingt, sondern weniger gefährlich handelt.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 28. Mai 2026

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