Iranische Schulbücher vermitteln Feindbilder und militärisches Denken schon Kindern
Neue Lehrpläne nach dem Krieg 2025 zeigen, wie tief Ideologie im Bildungssystem verankert ist. Schüler lernen nicht nur Theorie, sondern auch ein Weltbild, das Konflikt als Normalzustand darstellt.

Nach dem Krieg zwischen Israel und dem Iran im Jahr 2025 hat die iranische Führung ihr Bildungssystem sichtbar neu ausgerichtet. Ein aktueller Bericht des internationalen Forschungsinstituts IMPACT-se, das seit mehr als zwei Jahrzehnten Schulcurricula weltweit analysiert, kommt zu einem klaren Ergebnis: Die neuen Lehrmaterialien vermitteln ein geschlossenes ideologisches Weltbild, in dem Israel und die Vereinigten Staaten als zentrale Gegner dargestellt werden und Gewalt als legitimes Mittel erscheint.
Das Programm trägt den Titel „Wir verteidigen unser Iran“ und wurde landesweit eingeführt. Nach Angaben des Berichts wurden über zwölf Millionen Schulbücher verteilt. Die Inhalte betreffen alle Altersgruppen und sind damit nicht punktuell, sondern flächendeckend wirksam.
Zentral ist die konsequente Darstellung eines dauerhaften Konflikts. Die Vereinigten Staaten werden in den Lehrmaterialien regelmäßig als Hauptgegner beschrieben, häufig mit Begriffen, die seit Jahrzehnten Teil der offiziellen iranischen Rhetorik sind. Parolen wie „Tod für Amerika“ erscheinen im Unterrichtskontext als Ausdruck politischer Haltung und werden nicht hinterfragt.
Israel wird ebenfalls durchgehend als Gegner dargestellt, nicht als Staat unter vielen, sondern als zentrales Feindbild. Der Bericht beschreibt Darstellungen, in denen militärische Angriffe auf israelische Städte visualisiert werden. Solche Inhalte sind nicht als theoretische Szenarien gekennzeichnet, sondern eingebettet in ein ideologisches Narrativ, das den Konflikt als unvermeidbar darstellt.
Unterricht als Teil der militärischen Vorbereitung
Neben der politischen Botschaft zeigt der Bericht eine zweite Ebene, die besonders weitreichend ist. Militärische Inhalte werden aktiv in den Unterricht integriert. Schüler werden nicht nur mit politischen Deutungen konfrontiert, sondern auch mit praktischen Konzepten, die sonst militärischen Ausbildungen vorbehalten sind.
In Lehrbüchern finden sich Inhalte zu Waffen, Überleben im Krieg und taktischem Verhalten. Diese Themen beginnen nicht erst in höheren Klassen, sondern werden bereits in jüngeren Altersstufen eingeführt. Der Übergang zwischen ziviler Bildung und militärischer Vorbereitung wird bewusst verwischt.
Besonders auffällig sind Aufgabenstellungen, die militärisches Denken in klassische Fächer integrieren. So werden mathematische Übungen genutzt, um Reichweiten oder Einsatzmöglichkeiten von Raketen zu berechnen. Damit wird militärische Logik Teil des alltäglichen Lernens.
Auch visuelle Elemente spielen eine zentrale Rolle. Illustrationen zeigen Waffen, Kampfszenarien und militärische Figuren. Schulmaterialien verknüpfen bewusst Alltagsgegenstände mit militärischem Kontext. Diese Darstellung wirkt nicht isoliert, sondern verstärkt die ideologische Botschaft.
Märtyrertum als Vorbild
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Darstellung von Märtyrertum. Gefallene Kämpfer werden als Vorbilder präsentiert, ihre Handlungen als moralisch überlegen dargestellt. In einigen Fällen wird die Bereitschaft zum eigenen Opfer als besonders erstrebenswert beschrieben.
Eine zentrale Figur in diesen Darstellungen ist Qasem Soleimani, der als Symbol für den regionalen Einfluss Irans inszeniert wird. Seine Rolle wird nicht nur historisch beschrieben, sondern aktiv in das ideologische Narrativ eingebunden.
Diese Form der Darstellung geht über klassische Geschichtsvermittlung hinaus. Sie schafft emotionale Identifikationsfiguren und verknüpft diese mit einem klaren politischen Ziel.
Ein geschlossenes Weltbild
Der Bericht von IMPACT-se beschreibt die Inhalte als Teil einer umfassenden Strategie. Es handelt sich nicht um einzelne problematische Passagen, sondern um ein konsistentes System. Schüler lernen ein Weltbild, das stark vereinfacht ist und auf klaren Gegensätzen basiert.
Der Iran wird als dauerhaft bedroht dargestellt, umgeben von feindlichen Mächten. Diese Darstellung erzeugt ein Gefühl der Belagerung und rechtfertigt in diesem Kontext militärische Maßnahmen. Staaten, die mit den USA oder Israel kooperieren, werden als Teil eines gegnerischen Blocks eingeordnet.
Diese Perspektive erschwert jede Form von Kompromiss oder diplomatischer Annäherung. Wenn Konflikt als unvermeidbar dargestellt wird, verliert die Idee einer friedlichen Lösung an Bedeutung.
Warum das für Israel entscheidend ist
Für Israel hat diese Entwicklung eine strategische Dimension. Die Auseinandersetzung mit dem Iran findet nicht nur auf militärischer Ebene statt, sondern auch im Bereich der Ideologie. Wenn ein Bildungssystem über Jahre hinweg ein bestimmtes Feindbild vermittelt, entsteht eine langfristige Grundlage für zukünftige Konflikte.
Der Bericht macht deutlich, dass die Bedrohung nicht nur aus Raketen und militärischen Kapazitäten besteht, sondern auch aus den Vorstellungen, die eine Gesellschaft prägen. Bildung wird in diesem Kontext zu einem Instrument politischer Strategie.
Die zentrale Erkenntnis ist deshalb klar: Wer verstehen will, wie sich der Konflikt zwischen Israel und dem Iran entwickelt, muss nicht nur auf militärische Zahlen schauen. Er muss auch darauf achten, was in Klassenzimmern gelehrt wird.
Denn dort entsteht die nächste Generation. Und mit ihr das Denken, das diesen Konflikt entweder fortsetzt oder verändert.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: IMPACT-se
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 8. April 2026