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Israels Analyse zeigt Machtverschiebung im Iran und stärkt Rolle der Revolutionsgarde


Eine israelische Simulation deutet darauf hin, dass Irans mächtigste Generäle künftig eine entscheidende Rolle bei der Wahl des Obersten Führers spielen könnten. Die Ergebnisse geben seltene Einblicke in ein System, dessen Zukunft für Israel von existenzieller Bedeutung ist.

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Im Iran entscheidet offiziell ein religiöses Gremium über den mächtigsten Mann des Landes. In der Realität jedoch wächst seit Jahren der Einfluss einer anderen Kraft. Eine neue Analyse eines israelischen Technologieunternehmens zeigt nun, wie stark sich das Machtzentrum verschoben haben könnte. Im Mittelpunkt steht die Frage, wer den 86 Jahre alten Obersten Führer Ali Khamenei eines Tages ersetzen wird, der den Iran seit 1989 kontrolliert und als oberste Autorität über Militär, Politik und Justiz steht.

Das israelische Unternehmen AskIt hat mithilfe einer KI-gestützten Simulation versucht zu analysieren, wie führende Kommandeure der Islamischen Revolutionsgarde in einer solchen Entscheidung denken könnten. Das Ergebnis ist bemerkenswert. Von 122 untersuchten Profilen sprachen sich 85 für einen militärischen Nachfolger aus. 36 unterstützten die Möglichkeit, dass Khameneis Sohn Mojtaba die Macht übernimmt. Nur ein einziger sprach sich für einen klassischen religiösen Geistlichen aus, wie es dem bisherigen System entsprechen würde.

Diese Analyse ist keine Abstimmung und keine reale Entscheidung. Sie ist eine Simulation, die auf öffentlich bekannten Lebensläufen, Karrieren und Verhaltensmustern basiert. Doch gerade deshalb ist sie für Israel von großer Bedeutung. Sie zeigt, wie sich das Denken innerhalb der wichtigsten Machtstruktur des Iran entwickelt haben könnte. Die Revolutionsgarde ist längst mehr als eine militärische Organisation. Sie kontrolliert Raketenprogramme, Auslandseinsätze und große Teile der Wirtschaft. Sie ist verantwortlich für die Unterstützung bewaffneter Gruppen, die Israel offen bedrohen.

Die Diskussion über die Nachfolge hat in den vergangenen Jahren an Intensität gewonnen. Besonders der zwölf Tage dauernde Krieg im Juni 2025, in dem Israel gemeinsam mit den Vereinigten Staaten iranische Militärziele angriff, machte deutlich, wie zentral die Rolle der militärischen Führung geworden ist. In solchen Momenten entscheidet nicht ein religiöser Gelehrter über militärische Reaktionen, sondern Generäle.

Nach der iranischen Verfassung wird der Oberste Führer von der sogenannten Expertenversammlung bestimmt, einem Rat religiöser Vertreter. Doch die politische Realität ist komplexer. Keine Entscheidung dieser Größenordnung kann ohne Zustimmung der Revolutionsgarde umgesetzt werden. Sie ist die einzige Organisation im Iran, die militärische Macht, wirtschaftlichen Einfluss und politische Loyalität gleichzeitig vereint.

Für Israel ist diese Entwicklung von strategischer Bedeutung. Die Identität des nächsten Obersten Führers wird bestimmen, wie sich der Iran in Zukunft gegenüber Israel verhält. Ein religiöser Führer würde das bestehende ideologische System fortführen. Ein Führer mit militärischem Hintergrund könnte andere Prioritäten setzen, insbesondere im Bereich Sicherheit und militärische Stärke. Gleichzeitig zeigt die Tatsache, dass solche Szenarien überhaupt analysiert werden, dass die Zukunft des iranischen Systems nicht als selbstverständlich betrachtet wird.

Der Iran präsentiert sich nach außen als stabile Macht. Doch hinter dieser Fassade existiert ein komplexes Machtgefüge, in dem verschiedene Gruppen Einfluss ausüben. Die Revolutionsgarde ist heute der wichtigste dieser Akteure. Für Israel ist es deshalb entscheidend zu verstehen, wie diese Organisation denkt und welche Entscheidungen sie in Zukunft unterstützen könnte.

Die Simulation liefert keine Gewissheit. Aber sie zeigt eine Richtung. Und diese Richtung bestätigt eine Realität, die in Jerusalem seit Jahren bekannt ist. Wer den Iran verstehen will, muss die Revolutionsgarde verstehen. Denn dort liegt die tatsächliche Macht des Regimes.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: Ein aktueller Beitrag der Jüdischen Allgemeinen beleuchtet, wie eng wirtschaftliche Aktivitäten in Europa mit den Machtstrukturen des iranischen Regimes verflochten sein können

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 26. Februar 2026

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