Iran feiert Revolution, Lehrer veröffentlichen Namen von 200 getöteten Schülern
Während das Regime in Teheran Fahnen verbrennt und Stärke demonstriert, veröffentlichen Lehrer die Namen von Jugendlichen, die bei Protesten erschossen wurden. Zwischen Inszenierung und Wirklichkeit klafft ein Abgrund.

Am Jahrestag der Islamischen Revolution präsentierte sich die Führung in Teheran wie gewohnt mit militärischem Pomp und ideologischer Symbolik. Aufmärsche, Sprechchöre, verbrannte Flaggen Israels und der Vereinigten Staaten sollten Entschlossenheit demonstrieren. Im Zentrum der staatlichen Inszenierung steht seit Jahrzehnten der Anspruch moralischer Überlegenheit und historischer Legitimation.
Doch am selben Tag veröffentlichte der Koordinierungsrat der iranischen Lehrerverbände eine Liste mit 200 Namen. Es sind die Namen von Schülern, einige erst 14 oder 15 Jahre alt, die bei Protesten von Sicherheitskräften erschossen worden sein sollen. Nach Angaben der Lehrer geschah die Veröffentlichung trotz massiver Versuche, Informationen zu unterdrücken.
Der Kontrast könnte größer kaum sein. Auf der einen Seite ein Staat, der sich als Erbe einer jugendgetragenen Revolution von 1979 inszeniert. Auf der anderen Seite Berichte über Jugendliche, die auf offener Straße getötet wurden. Die Studentenbewegung spielte eine entscheidende Rolle beim Sturz der Monarchie. Das Narrativ vom aufrechten, mutigen Nachwuchs ist tief in der Selbstbeschreibung der Islamischen Republik verankert.
Heute richtet sich der Zorn vieler junger Menschen gegen genau dieses System. Demonstrationen der vergangenen Jahre wurden mit harter Hand beantwortet. Die nun veröffentlichte Namensliste steht symbolisch für den Bruch zwischen Regime und Jugend. Sie dokumentiert nicht nur Todesfälle, sondern den Verlust eines zentralen Legitimationspfeilers.
Zerbrochene Symbolik
Das Lied „Yare Dabestani Man“ war einst eine Hymne der studentischen Solidarität. Es begleitete die Revolution von 1979, erklang erneut bei den Studentenprotesten von 1999 und wurde bei späteren Demonstrationen wieder aufgenommen. Die Melodie stand für Hoffnung und Zusammenhalt. Dass heute Schüler im Zentrum von Gewaltvorwürfen stehen, stellt diese historische Erzählung infrage.
Der Oberste Führer Ali Khamenei und die politische Führung setzen weiterhin auf öffentliche Demonstrationen der Stärke. Doch Legitimität entsteht nicht allein durch Paraden oder ideologische Rituale. Sie speist sich aus Vertrauen. Wenn Lehrergewerkschaften das Risiko eingehen, Namen getöteter Jugendlicher zu veröffentlichen, ist das ein starkes Signal innerer Erosion.
Für Beobachter im Ausland ist die Entwicklung mehr als eine innenpolitische Auseinandersetzung. Sie betrifft die Stabilität eines Landes, das regional eine zentrale Rolle spielt und offen gegen Israel agiert. Ein Staat, der seine eigene Jugend verliert, verliert auch moralische Glaubwürdigkeit nach außen.
Die Liste mit 200 Namen steht damit nicht nur für individuelle Schicksale. Sie steht für einen Generationenkonflikt, der sich nicht durch Inszenierung überdecken lässt. Das Bild einer Revolution, getragen von idealistischen Studenten, kollidiert mit Berichten über erschossene Schüler. Diese Spannung prägt das heutige Iran stärker als jede Jubiläumsfeier.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Khamenei.ir, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=141074394
Artikel veröffentlicht am: Freitag, 13. Februar 2026