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Nach Londons Sanktionen: Israel meldet weniger Geheimdienstkooperation mit Großbritannien


Großbritannien verschärft seinen Kurs gegen Israel, Jerusalem schlägt diplomatisch zurück. Nun wird sichtbar, dass der Konflikt einen besonders empfindlichen Bereich erreicht: Nach israelischen Angaben ist auch die Intensität der Geheimdienstkooperation bereits gesunken.

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Der Streit zwischen Israel und der britischen Labour Regierung bleibt nicht auf diplomatische Protestnoten, Handelsbeschränkungen und gegenseitige Strafmaßnahmen begrenzt. Zipi Hotovely, Leiterin des israelischen Nationalen Informationsdirektorats und frühere Botschafterin in London, erklärte am Mittwoch, die Intensität der Geheimdienstzusammenarbeit zwischen beiden Ländern habe unter Labour bereits abgenommen.

Gegenüber N12 sagte Hotovely, während der vorherigen konservativen Regierung habe die sicherheitsbezogene Zusammenarbeit zwischen Israel und Großbritannien ein außergewöhnlich hohes Niveau erreicht. Führende Vertreter von MI5 und MI6 hätten Israels Beitrag damals sogar öffentlich gewürdigt. Mit der Labour Regierung werde diese Zusammenarbeit nicht mehr mit derselben Intensität fortgesetzt. Die Aussage ist politisch brisant, weil London noch am selben Tag versuchte, genau diesen Eindruck zurückzuweisen.

Außenminister Ed Miliband erklärte in Großbritannien, er sei überzeugt, dass die Zusammenarbeit der Sicherheitsdienste fortgesetzt werde. Premierminister Andy Burnham sagte im Unterhaus, die Regierung habe vor der Entscheidung über die Sanktionen eng mit den britischen Sicherheitsdiensten beraten. Die beiden Aussagen widersprechen Hotovely nicht vollständig. Zusammenarbeit kann weiterlaufen und gleichzeitig weniger intensiv werden. Genau darin liegt jedoch die neue Dimension des Konflikts.

Israel und Großbritannien arbeiten seit Jahren bei Terrorabwehr, Iran und anderen Sicherheitsfragen eng zusammen. Der frühere britische Sicherheitsminister Tom Tugendhat erklärte bereits vor Bekanntgabe der Sanktionen, zahlreiche Anschläge seien auch deshalb nicht geschehen, weil israelische Nachrichtendienste britische Behörden mit Informationen versorgt hätten. Der unabhängige britische Prüfer der Antiterrorgesetzgebung Jonathan Hall warnte ebenfalls davor, dass internationale Zusammenarbeit gerade bei der iranischen Bedrohung eine erhebliche Rolle spiele.

London verschärft den Druck, Jerusalem zieht Konsequenzen

Auslöser der jüngsten Eskalation ist ein umfangreiches Maßnahmenpaket der britischen Regierung. Miliband kündigte am Dienstag ein Importverbot für Waren aus israelischen Gemeinden in Judäa und Samaria an. Unternehmen und Personen, die nach britischer Auffassung an der Ausweitung dieser Gemeinden beteiligt sind, können künftig ebenfalls von Sanktionen betroffen sein. Werbung für dortige Immobilien soll in Großbritannien verboten werden. Zusätzlich verschärft London seine Beschränkungen bei Rüstungsexporten. Die geplanten gesetzlichen Regelungen sollen nach Angaben Milibands innerhalb von sechs bis neun Monaten umgesetzt werden.

Israel reagierte noch am selben Tag. Außenminister Gideon Sa'ar kündigte die Schließung des britischen Konsulats in Jerusalem an. Britische Vertreter werden außerdem aus dem internationalen Gaza Koordinierungszentrum in Kirjat Gat ausgeschlossen. Die britische Ausbildung von Sicherheitskräften der Palästinensischen Autonomiebehörde wird beendet. Zwölf britische Politiker und weitere Personen erhalten Einreiseverbote.

Am Mittwoch wurde die nächste Stufe bekannt. Israel setzte Großbritannien eine Frist von 30 Tagen für die Schließung des Konsulats. Britische Diplomaten, die dort eingesetzt sind, sollen ihre Akkreditierung verlieren. Vertreter Londons in bestimmten israelischen und palästinensischen Koordinierungsstrukturen müssen das Land teilweise bereits früher verlassen.

Damit bekommt Londons Politik einen Preis, der über den Warenhandel hinausgeht. Großbritannien möchte politischen Druck auf Jerusalem ausüben, gleichzeitig aber seinen Zugang zu israelischen Sicherheitsstrukturen und regionalen Entscheidungsprozessen bewahren. Israel beginnt nun, genau diesen Zugang einzuschränken.

haOlam berichtete bereits am Dienstag, dass Jerusalems Reaktion deshalb nicht nur symbolisch zu verstehen ist. Mit dem Ausschluss britischer Vertreter aus Kirjat Gat und dem Ende britischer Ausbildungsprogramme für palästinensische Sicherheitskräfte verliert London konkrete Einflussmöglichkeiten.

Britische Juden warnen vor den Folgen

Der Konflikt trifft zugleich eine jüdische Gemeinschaft, die seit Monaten vor einer immer feindseligeren Atmosphäre warnt. Großbritanniens Oberrabbiner Ephraim Mirvis bezeichnete den 8. September als einen dunklen Tag für britische Juden. Die Sanktionen würden seiner Einschätzung nach weder Frieden fördern noch Sicherheit schaffen. Im Gegenteil könnten sie jene Kräfte ermutigen, die politische Feindseligkeit gegenüber Israel auf Juden übertragen.

Auch das Board of Deputies of British Jews reagierte mit tiefer Besorgnis. Die Organisation warnte davor, dass die Verschlechterung der Beziehungen zwischen London und Jerusalem sowohl sicherheitspolitische als auch gesellschaftliche Folgen haben könne. Besonders kritisierte sie, dass Verantwortlichkeiten palästinensischer Akteure und anderer destabilisierender Kräfte in der Region aus ihrer Sicht nicht ausreichend berücksichtigt würden.

Miliband weist diese Kritik zurück. Er betont, selbst stolzer britischer Jude zu sein, und erklärt, die Maßnahmen richteten sich gegen israelische Politik in Judäa und Samaria, nicht gegen Israel oder jüdische Menschen. Gleichzeitig verteidigte Premierminister Burnham den Kurs seiner Regierung am Mittwoch ausdrücklich als britische Führungsstärke.

Das ändert nichts an der strategischen Rechnung Jerusalems.

Großbritannien hat sich entschieden, wirtschaftlichen und politischen Druck auf Israel zu erhöhen. Israel wiederum zeigt inzwischen, dass eine Verschlechterung der politischen Beziehungen nicht folgenlos für andere Bereiche bleiben muss.

Noch sprechen beide Seiten von fortgesetzter Sicherheitskooperation.

Doch erstmals sagt eine hochrangige israelische Regierungsvertreterin öffentlich, dass diese Zusammenarbeit bereits weniger intensiv ist.

Für London könnte genau das am Ende erheblich schwerer wiegen als jedes verbotene Produkt aus Judäa und Samaria.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 10. September 2026

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