Ein hebräisches Wort genügt: Hasswelle gegen Ronaldo-Partnerin
Georgina Rodríguez schrieb zu einem Urlaubsvideo lediglich „gesund“ auf Hebräisch. Zahlreiche Nutzer reagierten mit Palästina-Parolen und machten die jüdische Sprache selbst zum politischen Feindbild.

Georgina Rodríguez veröffentlichte Bilder aus dem Familienurlaub auf Mallorca. Über einem kurzen Video stand nur ein einziges Wort: „בריאה“. Der hebräische Ausdruck kann in diesem Zusammenhang „gesund“ bedeuten, je nach sprachlicher Verwendung auch „Schöpfung“.
Eine politische Erklärung gab die Partnerin des portugiesischen Fußballstars Cristiano Ronaldo nicht ab. Weder Israel noch Gaza, die israelische Regierung oder der Krieg kamen in dem Beitrag vor. Trotzdem verwandelte sich die Kommentarspalte innerhalb kurzer Zeit in einen Schauplatz des Nahostkonflikts.
Nutzer fragten empört, warum Rodríguez ausgerechnet Hebräisch verwendet habe. Andere veröffentlichten palästinensische Flaggen, schrieben „Free Palestine“ oder verbreiteten die Parole „From the river to the sea“. Einige brachten sogar den spanischen Fußballspieler Lamine Yamal in die Diskussion, obwohl auch er mit dem eigentlichen Beitrag nichts zu tun hatte.
Der Vorfall ist gerade deshalb bemerkenswert, weil es keinen politischen Ausgangspunkt gab. Rodríguez hatte keine israelische Militäroperation verteidigt, keine Stellungnahme zur Hamas veröffentlicht und keine Regierungspolitik kommentiert. Der Anlass für die Feindseligkeit war die bloße Verwendung der hebräischen Sprache.
Nicht Israel, sondern Hebräisch wurde zum Problem
Der jüdische Aktivist Hen Mazzig wies auf diesen entscheidenden Unterschied hin. Rodríguez habe lediglich ein hebräisches Wort geschrieben. Darauf seien Kommentare gefolgt, die nicht auf eine politische Aussage reagierten, sondern bereits die Existenz des Hebräischen als Provokation behandelten.
Hebräisch ist nicht nur die Amtssprache Israels. Es ist eine jahrtausendealte jüdische Sprache, die in Gebeten, religiösen Texten, Literatur und im Alltag von Millionen Menschen verwendet wird. Ein hebräisches Wort ist kein Bekenntnis zu einer israelischen Regierung und keine Stellungnahme zum Krieg.
Genau diese selbstverständliche Trennung verweigerten zahlreiche Kommentatoren. Die Sprache wurde mit Israel gleichgesetzt, Israel wiederum mit sämtlichen Vorwürfen des aktuellen politischen Konflikts. Aus einer harmlosen Urlaubsbotschaft entstand so eine öffentliche Gesinnungsprüfung.
Niemand käme ernsthaft auf die Idee, jedes arabische Wort mit den Taten der Hamas zu verbinden. Niemand würde von einem Menschen verlangen, sich für die Politik eines Landes zu rechtfertigen, nur weil er dessen Sprache verwendet. Beim Hebräischen scheint diese Grenze für viele nicht mehr zu gelten.
Nicht jede Nachfrage nach der Bedeutung des Wortes ist antisemitisch. Auch Mitgefühl mit palästinensischen Zivilisten ist selbstverständlich kein Judenhass. Die Grenze wird aber dort überschritten, wo Hebräisch selbst als anstößig behandelt und mit Parolen beantwortet wird, die sich gegen die Existenz Israels richten.
Rodríguez war bereits nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 in eine Debatte geraten. Damals teilte sie zunächst das Bild eines Kindes aus Gaza. Nach Kritik veröffentlichte sie zusätzlich das Foto eines verletzten israelischen Kindes und rief zum Frieden auf. Eine konsequent israelfreundliche politische Kampagne lässt sich ihr also kaum unterstellen.
Gerade das macht die neue Reaktion so entlarvend. Selbst eine Prominente, die zuvor beide Seiten des Leids zeigen wollte, wird angegriffen, sobald ein hebräischer Begriff in ihrem Beitrag erscheint.
Für Rodríguez dürfte die Flut an Kommentaren unangenehm sein, sie verfügt jedoch über große Reichweite und professionellen Schutz. Für jüdische Schüler, israelische Studenten oder hebräisch sprechende Familien hat dieselbe Feindseligkeit eine andere Bedeutung. Sie erleben, dass bereits ihre Sprache als politische Provokation gewertet werden kann.
Hebräisch ist keine Kriegserklärung. Wer seine bloße Sichtbarkeit nicht erträgt, kritisiert nicht mehr nur eine Regierung. Er richtet seine Ablehnung gegen jüdische Kultur und jüdische Gegenwart.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 4. August 2026