Banja Luka öffnet Israel die Tür: Aus politischer Freundschaft soll wirtschaftliche Partnerschaft werden
Israel baut seine Beziehungen zur Republika Srpska aus. In Banja Luka wurde ein neues Büro der israelischen Handelskammer eröffnet. Investitionen, Technologie und Handel sollen aus der seit Jahren gewachsenen politischen Nähe konkrete Geschäfte machen.

Die serbisch geprägte Republika Srpska innerhalb Bosnien und Herzegowinas gehört seit dem 7. Oktober zu den deutlichsten Unterstützern Israels auf dem Balkan. Jetzt bekommt diese Nähe eine wirtschaftliche Adresse. Am Donnerstag wurde im Regierungszentrum von Banja Luka das neue Büro der israelischen Handelskammer eröffnet. An der Spitze steht der israelische Unternehmer Amir Gross Kabiri. Gleichzeitig unterzeichneten Kabiri und Ana Trišić Babić vom Büro für internationale Zusammenarbeit ein Memorandum über wirtschaftliche, technologische und investitionsbezogene Zusammenarbeit.
Zur Eröffnung kamen Israels Minister für Diasporaangelegenheiten und den Kampf gegen Antisemitismus Amichai Chikli und die scheidende israelische Botschafterin Galit Peleg. Auf Seite der Republika Srpska nahmen Präsident Siniša Karan, Ministerpräsident Savo Minić, das bosnisch serbische Präsidiumsmitglied Željka Cvijanović und SNSD Chef Milorad Dodik teil. Damit ist auch ein Fehler wichtig zu vermeiden, der in einigen Berichten auftaucht: Präsident der Republika Srpska ist seit Februar 2026 Siniša Karan. Dodik bleibt politisch äußerst einflussreich, ist aber nicht mehr Amtsinhaber.
Von Solidarität zu Investitionen
Chikli machte deutlich, dass Israel kein weiteres symbolisches Büro brauche. Die neue Einrichtung müsse arbeiten, Unternehmen zusammenbringen und Projekte hervorbringen. Sein Satz brachte den Anspruch auf den Punkt: „Wir öffnen kein weiteres Büro, wir öffnen eine Tür.“ Israelische Unternehmen sollen leichter Zugang zum Balkan und zum europäischen Markt erhalten. Umgekehrt sollen Unternehmen aus der Republika Srpska israelische Partner, Technologie und Knowhow finden. Besonders genannt werden Industrie, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Gesundheit, Energie und moderne Technologien.
Dodik erklärte gegenüber der Jerusalem Post, die Beziehungen zu Israel sollten auf das höchstmögliche Niveau gehoben werden. Nach seiner Darstellung ging die Idee für das Büro auf ein Gespräch mit Benjamin Netanyahu in Jerusalem zurück. Netanyahu hatte Dodik Anfang des Jahres gemeinsam mit damaligen und heutigen Vertretern der Republika Srpska empfangen. Für Banja Luka ist das neue Büro damit weit mehr als gewöhnliche Wirtschaftsförderung. Es ist Ausdruck einer politischen Beziehung, die in den vergangenen Jahren immer enger geworden ist.
Ein Ereignis aus dem Jahr 2024 erklärt einen Teil dieser Nähe besonders deutlich. Nach Angaben der israelischen Botschafterin Galit Peleg fand die Botschaft in Sarajevo keinen geeigneten Ort für eine Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des Hamas Massakers. Die Veranstaltung wurde schließlich im Nationaltheater von Ost Sarajevo durchgeführt. Dort konnte Israel nach Pelegs Worten seiner Ermordeten und Entführten mit Respekt gedenken. Auch zeitgenössische Berichte bestätigen, dass die Veranstaltung nach ihrer Absage in Sarajevo nach Ost Sarajevo verlegt wurde.
Israel findet auf dem Balkan einen verlässlichen Partner
Präsident Isaac Herzog begrüßte die Eröffnung ebenfalls. Er sieht in dem Büro eine dauerhafte Plattform für Unternehmer, Investoren und Fachleute und zugleich eine mögliche Brücke zu weiteren Teilen Bosniens und des Balkans. Damit verfolgt Israel eine Strategie, die gerade in politisch schwierigen Zeiten sinnvoll ist: Beziehungen nicht nur mit Erklärungen zu pflegen, sondern durch Handel, Investitionen, Forschung und Technologie dauerhaft zu verankern.
Dabei muss die politische Realität der Republika Srpska nicht ausgeblendet werden. Das Verhältnis zwischen Banja Luka und den gesamtbosnischen Institutionen ist seit Jahren konfliktreich, und Dodiks Politik wird wegen separatistischer Bestrebungen international scharf kritisiert. Nach seiner Absetzung wurde Siniša Karan Präsident, während Dodik nach Einschätzung des Büros des Hohen Repräsentanten weiterhin erheblichen politischen Einfluss besitzt. Die wirtschaftliche Partnerschaft mit Israel ändert diese innerbosnischen Konflikte nicht.
Für Israel zählt jedoch ebenfalls, wer in schwierigen Momenten tatsächlich an seiner Seite steht. Während andernorts nach dem 7. Oktober israelische Veranstaltungen abgesagt, Beziehungen heruntergefahren und Boykottforderungen lauter wurden, demonstrierte die Republika Srpska öffentlich Solidarität. Jetzt soll daraus wirtschaftlicher Nutzen für beide Seiten entstehen.
Chikli formulierte es richtig: Freundschaft sollte Ergebnisse hervorbringen.
In Banja Luka beginnt genau dieser Versuch.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de
Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 6. September 2026