Ire nach antisemitischer Morddrohung gegen jüdisches Paar in Frankreich festgenommen
Ein irischer Mann soll einem jüdischen Ehepaar in Frankreich gesagt haben, Hitler hätte „sein Werk beenden“ sollen. Danach drohte er dem Paar vor laufender Kamera mit einer Kugel in den Kopf.

Ein irischer Staatsbürger in seinen Sechzigern ist in Frankreich festgenommen worden, nachdem er ein australisch-jüdisches Ehepaar in einem Supermarkt bei Avignon antisemitisch bedroht haben soll. Der Fall sorgt auch deshalb für Aufsehen, weil der Verdächtige aus Irland stammt, einem Land, dessen politische Debatte über Israel in den vergangenen Jahren immer schärfer geworden ist.
Nach Angaben des Ehepaares begann die Begegnung zunächst freundlich. Die Situation änderte sich, als das Gespräch auf Irlands Haltung zu Israel, Hamas und Hisbollah kam. Danach soll der Mann erklärt haben, er bedaure, dass Hitler sein „Werk“ nicht beendet habe.
Diese konkrete Aussage ist nicht auf dem später veröffentlichten Video zu hören und beruht auf der Schilderung der Betroffenen. Die anschließende Morddrohung dagegen wurde aufgezeichnet. Darauf ist zu hören, wie der Mann dem Paar mit einer Kugel in den Kopf droht, falls es sich ihm weiter nähere.
Nach Darstellung der jüdischen Frau habe der Mann anschließend sogar „Bring back Hitler“ gesagt. Auch diese Aussage wird von ihr geschildert. Für sie hatte die Bemerkung eine besonders persönliche Bedeutung: Ihr Vater hatte die Schoah überlebt, mehrere Angehörige ihrer Familie wurden in Auschwitz ermordet.
Der Fall ist deshalb weit mehr als eine gewöhnliche Auseinandersetzung unter Touristen. Ein politisches Gespräch über Israel schlug nach Angaben der Betroffenen in offenen Judenhass um. Das Paar ist australisch, nicht israelisch. Trotzdem endete die Begegnung bei Hitler und einer Morddrohung gegen Juden.
Gerade der irische Hintergrund des Verdächtigen wird nun international diskutiert. Die Australian Jewish Association und weitere Vertreter jüdischer Organisationen verwiesen darauf, dass der Fall in eine Zeit fällt, in der Irland gegenüber Israel einen besonders harten politischen Kurs verfolgt. Daraus lässt sich selbstverständlich keine Verantwortung eines ganzen Landes für die Tat eines Einzelnen ableiten. Der Vorgang zeigt aber, wie schnell ein aufgeheiztes Klima rund um Israel in offenen Antisemitismus umschlagen kann.
Das Ehepaar erstattete zunächst keine Anzeige. Nach eigenen Angaben kannte es als ausländischer Tourist seine Rechte in Frankreich nicht und wollte während einer weiteren Reise kein zusätzliches Risiko eingehen. Nach der Rückkehr nach Frankreich wandten sich die beiden an jüdische Sicherheitskontakte und anschließend an die Polizei in Nizza.
Am Mittwoch nahmen französische Ermittler den Tatverdächtigen fest. Der Fall wird von Einheiten der Gendarmerie in Marseille und Avignon bearbeitet.
Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez begrüßte die Festnahme und erklärte, der Verdächtige müsse sich für seine Taten verantworten. Antisemitismus müsse entschlossen bekämpft werden.
Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt der Mann als unschuldig. Die Ermittlungen müssen klären, welche Äußerungen ihm zweifelsfrei zugerechnet werden können. Die auf Video dokumentierte Morddrohung dürfte dabei eine zentrale Rolle spielen.
Der Fall bleibt dennoch schon jetzt erschütternd. Ein jüdisches Ehepaar reist durch Europa, spricht mit einem Fremden über Politik und wird wenige Augenblicke später mit Hitler und dem Tod bedroht.
Dass der Verdächtige ausgerechnet aus Irland stammt, macht die Nachricht politisch besonders brisant. Denn wo Israel immer aggressiver zum Feindbild gemacht wird, darf niemand so tun, als hätte dieses Klima keinerlei Folgen für Juden.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Freitag, 28. August 2026