„Tod dem Zionismus“: In Herzls Basel wird Vernichtungsrhetorik zur Demo-Parole
Ein israelischer Panzer, darüber das aus Hamas-Propagandavideos bekannte rote Zieldreieck, darunter „Death to Zionism“. Ausgerechnet am Jahrestag des Ersten Zionistenkongresses soll diese Botschaft auf den Basler Theaterplatz getragen werden.

Manchmal braucht es keine komplizierte Deutung. Man muss nur ansehen, womit geworben wird.
Für den 29. August ruft das Kollektiv „basel4palestine“ zu einer Demonstration auf dem Theaterplatz in Basel auf. Der Flyer zeigt einen israelischen Panzer. Direkt darüber befindet sich ein großes, nach unten gerichtetes rotes Dreieck. Genau diese Markierung ist aus Propagandavideos der Hamas bekannt, in denen israelische Soldaten und militärische Ziele unmittelbar vor einem Angriff hervorgehoben werden. Unter dem Panzer stehen die Worte „FREE PALESTINE“. Ganz unten folgt die eigentliche Botschaft:
„DEATH TO ZIONISM.“
Tod dem Zionismus.
Das ist keine versteckte Andeutung. Keine missverständliche Formulierung. Und es ist erst recht keine gewöhnliche Kritik an Benjamin Netanyahu oder einer Entscheidung der israelischen Regierung.
Der Flyer verbindet eine Todesparole gegen den Zionismus mit einer Bildsprache, die aus Hamas-Angriffsvideos bekannt ist. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund, SIG, spricht deshalb ausdrücklich von einem Gewaltaufruf. Generalsekretär Jonathan Kreutner warnt zudem, solche Aufrufe hätten das Potenzial, sich gegen jüdische Menschen zu richten.
Ob der konkrete Aufruf einen Straftatbestand erfüllt, entscheiden die zuständigen Schweizer Behörden und gegebenenfalls Gerichte. Politisch und menschlich muss man ihn deshalb aber nicht kleinreden.
Denn hinter dem abstrakten Wort „Zionismus“ stehen reale Menschen.
Zionismus bezeichnet in seinem Kern das Recht des jüdischen Volkes auf nationale Selbstbestimmung und die Existenz eines jüdischen Staates. Wer dessen „Tod“ fordert, fordert nicht die Abwahl einer Regierung. Er fordert die Beseitigung einer politischen Grundlage, auf der Israel als jüdischer Staat existiert.
Und wenn diese Forderung mit einem israelischen Panzer und einer aus Hamas-Propaganda bekannten Zielmarkierung illustriert wird, erhält sie eine zusätzliche, bedrohliche Bedeutung.
Man sollte daraus juristisch nicht ohne Weiteres den wörtlichen Satz „Tötet Israelis“ machen. Genau diese Worte stehen auf dem Plakat nicht.
Aber ebenso wenig darf man so tun, als werde hier lediglich über eine politische Theorie gestritten.
Der Aufruf verbindet Vernichtungswunsch und Gewaltsymbolik.
Das ist menschenverachtend.
Ausgerechnet der 29. August in Basel
Die Wahl des Datums verschärft die Botschaft noch einmal.
Am 29. August 1897 eröffnete Theodor Herzl in Basel den Ersten Zionistenkongress. Dort wurde das Basler Programm beschlossen und die politische Bewegung organisiert, die Juden eine gesicherte nationale Heimstätte ermöglichen wollte.
129 Jahre später soll am selben Datum und in derselben Stadt öffentlich der „Tod“ genau dieser Bewegung gefordert werden.
Das wirkt kaum zufällig. Auch die Jüdische Allgemeine, die zuerst ausführlich über den Aufruf berichtete, hebt den historischen Zusammenhang hervor. Ynet griff den Fall anschließend international auf.
Gerade deshalb ist die übliche Flucht in das Wort „Israelkritik“ hier nicht überzeugend.
Israelkritik wäre: gegen eine Militäroperation demonstrieren. Gegen Siedlungspolitik. Gegen Netanyahu. Gegen einen Minister. Gegen ein Gesetz.
Man kann all das tun.
„Death to Zionism“ sagt etwas anderes.
Es verlangt nicht die Veränderung israelischer Politik, sondern den Tod einer Bewegung, die untrennbar mit der Gründung und dem Fortbestand Israels verbunden ist.
Was nach diesem gewünschten „Tod“ mit dem jüdischen Staat geschehen soll, beantwortet der Flyer nicht. Er muss es beinahe auch nicht. Ein israelischer Panzer unter einer aus Hamas-Videos bekannten Zielmarkierung liefert dazu eine Bildsprache, deren Wirkung kaum friedfertig ist.
Die Verbindung ist deshalb entscheidend.
Würde dort lediglich „Death to Zionism“ stehen, wäre die Parole bereits radikal. Würde lediglich ein Panzer unter einem roten Dreieck gezeigt, müsste über Kontext und Bedeutung der Symbolik gesprochen werden.
Hier steht beides zusammen.
Und darunter: „Free Palestine“.
So entsteht eine Botschaft, die weit über Solidarität mit palästinensischen Zivilisten hinausgeht.
Basel muss jetzt sehr genau hinsehen
Noch ist offen, ob die Demonstration tatsächlich stattfinden kann.
Nach Angaben der Kantonspolizei Basel-Stadt lag bei der Veröffentlichung der ersten Berichte noch kein Bewilligungsgesuch vor. Kundgebungen auf öffentlichem Grund benötigen in Basel eine Genehmigung. Gesuche sollen grundsätzlich mindestens zwei Wochen vorher eingereicht werden.
Die Basler Behörden weisen auf ihrer eigenen Informationsseite zudem darauf hin, dass Kundgebungen, die Gewalt oder Sachbeschädigungen bezwecken, keine Bewilligung erhalten. Strafbare Äußerungen können angezeigt werden. Schon im Bewilligungsverfahren können Auflagen erteilt werden, wenn konkrete Gefahren entsprechender Aussagen bestehen.
Was daraus für den angekündigten 29. August folgt, ist Sache der Behörden.
Aber sie können nicht behaupten, sie hätten vorher nicht gewusst, mit welcher Botschaft mobilisiert wird.
Das Plakat liegt öffentlich vor.
Es zeigt einen israelischen Panzer.
Darüber steht eine Zielmarkierung, wie sie aus Hamas-Propagandavideos bekannt ist.
Darunter steht eine Todesparole gegen den Zionismus.
Und das alles soll an jenem Tag in Basel stattfinden, an dem vor 129 Jahren der Erste Zionistenkongress begann.
Wer darin nur eine besonders scharfe Form von „Israelkritik“ sehen möchte, muss sehr vieles gleichzeitig übersehen.
Man muss die Hamas-Bildsprache übersehen.
Man muss die Todesparole übersehen.
Man muss den historischen Termin übersehen.
Und man muss übersehen, dass die Forderung nach dem Ende des Zionismus nicht im luftleeren Raum steht, sondern einen real existierenden jüdischen Staat mit Millionen Menschen betrifft.
Die Jüdische Allgemeine nennt den Flyer antisemitisch und berichtet, der SIG sehe darin einen direkten Gewaltaufruf. Das sind Bewertungen, die man als solche kennzeichnen muss. Aber sie fallen nicht vom Himmel. Sie beziehen sich auf einen Aufruf, der seine Radikalität selbst zur Schau stellt.
Basel war 1897 der Ort, an dem Juden politische Selbstbestimmung organisierten.
2026 soll dort am selben Jahrestag der „Tod“ dieser Idee gefeiert werden.
Nicht mit einer Friedenstaube.
Nicht mit einem Aufruf zur Verständigung.
Sondern mit einem israelischen Panzer unter einem roten Zieldreieck.
Das ist keine Friedensdemonstration. Es ist Vernichtungsrhetorik auf einem Demonstrationsplakat.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 22. August 2026