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+++ Mit Namen, Fotos und Auftrittsorten: Falsche Pride-Flyer stellen Israelis an den Pranger

Mit Namen, Fotos und Auftrittsorten: Falsche Pride-Flyer stellen Israelis an den Pranger


Während der WorldPride in Amsterdam wurden jüdische und israelische Besucher auf einer Stadtkarte als angebliche Kriegsverbrecher markiert. Die Täter missbrauchten die Logos der Stadt, der Pride und einer Meldestelle, während die Polizei nach den Verantwortlichen sucht.

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Namen, Fotos und genaue Aufenthaltsorte jüdischer und israelischer Menschen wurden während der WorldPride in Amsterdam auf Flugblättern verbreitet. Die Betroffenen erschienen auf einer Karte der Innenstadt, ergänzt um Veranstaltungsorte und Zeiten, an denen sie angeblich anzutreffen waren. Über den Bildern stand die Aufforderung, die eigene Gemeinschaft vor angeblichen Kriegsverbrechern zu schützen. Wer eine der genannten Personen sehe, sollte ihren Aufenthaltsort über eine Meldeseite weitergeben.

Die Flugblätter wurden am Samstag während der Canal Parade an mehreren Stellen entlang der Prinsengracht gefunden. Nach Angaben des niederländischen Senders AT5 beziehungsweise NH Nieuws lagen dort Dutzende Exemplare. Auf ihnen waren die Fotos und Namen einer Frau und zweier Männer zu sehen. Die Verfasser behaupteten, diese Personen unterstützten die israelischen Streitkräfte und seien Beispiele für Angehörige oder Unterstützer einer angeblich gewalttätigen Organisation. Einen gerichtlichen Haftbefehl, eine Anklage oder konkrete Beweise für persönlich begangene Kriegsverbrechen nannten die Flugblätter nicht.

Die Amsterdamer Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Sie versucht zu klären, wer die Flugblätter hergestellt und verteilt hat und welches Motiv dahintersteht. Bis zum Montagnachmittag war nach Angaben eines Polizeisprechers noch kein Verantwortlicher identifiziert worden. Die Polizei bat Zeugen, die Angaben zur Herkunft oder zur Verteilung machen können, sich zu melden.

Logos missbraucht, Verantwortung vorgetäuscht

Besonders perfide war die Gestaltung. Die Flugblätter trugen das Wappen und die grafische Gestaltung der Stadt Amsterdam. Außerdem waren die Logos von WorldPride und der queeren Antidiskriminierungsstelle RITA abgebildet. Dadurch sollte offenbar der Eindruck entstehen, die Stadtverwaltung, die Pride-Veranstalter und eine offizielle Meldestelle unterstützten die öffentliche Suche nach Israelis.

Alle genannten Stellen weisen jede Beteiligung zurück. Ein Sprecher von Bürgermeisterin Femke Halsema bezeichnete die Aktion als verwerflich und erklärte, die Stadt sei selbstverständlich nicht die Absenderin. Die Verwendung des städtischen Erscheinungsbildes suggeriere wahrheitswidrig eine Beteiligung Amsterdams. Pride Amsterdam erklärte ebenfalls, dass die Flugblätter nicht von der Organisation stammten und ihre Logos ohne Erlaubnis verwendet worden seien.

Auch RITA widersprach öffentlich. Name, Logo und Verweis auf das Meldeformular seien ohne Zustimmung benutzt worden. Die Organisation erklärte, diese Verwendung schaffe Verwirrung und entspreche nicht den Zielen der Meldestelle. RITA versteht sich als Anlaufstelle für queere Menschen, die Diskriminierung und Belästigung erfahren haben. Ausgerechnet ihr Name wurde nun missbraucht, um jüdische und israelische Menschen auffindbar zu machen.

Diese Klarstellung ist wichtig. Nicht die WorldPride als Veranstaltung und nicht die queere Gemeinschaft als Ganzes stehen hinter dieser Aktion. Die Verantwortlichen haben vielmehr Symbole einer Bewegung gestohlen, die Schutz vor Verfolgung, Ausgrenzung und Gewalt verspricht. Sie benutzten die Sprache der Sicherheit, um andere Menschen zum Ziel einer öffentlichen Fahndung zu machen.

Die WorldPride steht in diesem Jahr offiziell unter dem Leitgedanken der Einheit. Amsterdam wirbt mit Toleranz, Verbundenheit und der Gleichberechtigung von Minderheiten. Das Programm läuft vom 25. Juli bis zum 8. August und umfasst neben der Canal Parade auch Konzerte, kulturelle Veranstaltungen und eine Menschenrechtskonferenz. Die Prangerlisten stehen zu diesen erklärten Zielen in einem kaum größeren Widerspruch.

Jüdische Menschen dürfen nicht aus queeren Räumen gedrängt werden, weil sie Israelis sind, in Israel gelebt haben oder wie ein großer Teil der israelischen Bevölkerung Militärdienst geleistet haben. Eine frühere Zugehörigkeit zur israelischen Armee ist kein Beweis für eine Straftat. Wer dennoch Fotos, Namen und Aufenthaltsorte veröffentlicht und die Betroffenen pauschal zu Kriegsverbrechern erklärt, schafft keine Gerechtigkeit. Er schafft ein Ziel.

Das Zentrum für Information und Dokumentation Israel, CIDI, sprach angesichts der Flugblätter von einer unter dem Logo der Stadt betriebenen Jagd auf Juden. Die Formulierung ist hart, beschreibt aber die unmittelbare Gefahr: Menschen werden nicht wegen einer individuell nachgewiesenen Tat gesucht, sondern aufgrund ihrer israelischen Herkunft, ihrer jüdischen Identität oder einer vermuteten Verbindung zur israelischen Armee.

Von juristischen Vorwürfen zur privaten Fahndung

Am unteren Rand der Flugblätter befand sich ein Hinweis auf die Hind Rajab Foundation. Diese Organisation betreibt international Kampagnen gegen israelische Soldaten und Reservisten und versucht, in verschiedenen Ländern strafrechtliche Verfahren gegen sie einzuleiten. Der Verweis auf ihre Internetseite beweist jedoch nicht, dass sie die gefälschten Flugblätter hergestellt oder verteilt hat. Wer hinter der Aktion steht, ist weiterhin Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen.

Eine gefährliche Grenze wird überschritten, wenn aus einer Strafanzeige eine öffentliche Fahndung durch Aktivisten wird. Über Schuld oder Unschuld entscheiden Gerichte auf der Grundlage überprüfbarer Beweise. Aktivisten dürfen nicht eigenmächtig Menschen markieren, ihre Aufenthaltsorte verbreiten und ein Publikum dazu auffordern, sie zu melden oder zu verfolgen.

Wie schnell diese Methode reale Angst erzeugt, zeigte sich wenige Tage zuvor in Utrecht. Die Hind Rajab Foundation und das European Legal Support Center hatten dort eine dringende Strafanzeige gegen einen israelischen Reservisten eingereicht, der als Juror an den Europäischen Hochschulmeisterschaften im Debattieren teilnehmen sollte. Die Anzeige enthielt schwere Vorwürfe, über die jedoch kein Gericht entschieden hatte. Parallel protestierten Gruppen gegen die Teilnahme israelischer Hochschulen und verwiesen auf den früheren Militärdienst einzelner Teilnehmer.

Eine Strafanzeige ist kein Schuldspruch. Dennoch verwandeln solche Kampagnen Beschuldigte bereits vor einer gerichtlichen Prüfung in vermeintlich Freiwild. Fotos werden verbreitet, Gesichter markiert und Aufenthaltsorte genannt. Die nächste Stufe besteht darin, ein aufgebrachtes Publikum zur privaten Festnahme oder direkten Konfrontation zu ermuntern.

Genau darin liegt die Gefahr der Amsterdamer Flugblätter. Wer eine Karte mit Namen, Bildern und genauen Veranstaltungsorten verteilt, informiert nicht neutral über ein Gerichtsverfahren. Er ermöglicht das Auflauern. Er erleichtert Belästigungen, Bedrohungen und körperliche Angriffe. Bei Künstlern werden sogar öffentliche Auftritte zu Sicherheitsrisiken, weil jeder Besucher vorab erfährt, wann und wo die markierte Person erscheinen soll.

Besonders abstoßend ist, dass diese Methode ausgerechnet im Umfeld einer Pride eingesetzt wurde. Queere Veranstaltungen entstanden auch deshalb, weil Menschen sich nicht länger verstecken wollten und ihre Namen, Gesichter und Lebensweisen ohne Angst zeigen wollten. Wer dieselbe Sichtbarkeit nun nutzt, um Juden und Israelis aufzuspüren, verrät den Grundgedanken dieser Bewegung.

Es ist kein Widerspruch, für queere Rechte einzutreten und diese Aktion entschieden zu verurteilen. Im Gegenteil: Eine Pride, die jüdische und israelische Menschen nicht schützt, verfehlt ihren eigenen Anspruch. Solidarität darf nicht davon abhängen, ob ein Angehöriger einer Minderheit die politisch gewünschte Herkunft oder Haltung besitzt.

Die Verantwortlichen haben nicht nur Menschen an den Pranger gestellt. Sie haben versucht, staatliche und zivilgesellschaftliche Autorität vorzutäuschen. Mit den Logos der Stadt, der WorldPride und von RITA sollte eine private Hetzkampagne wie eine offizielle Sicherheitsmaßnahme aussehen. Damit wurden nicht nur die Betroffenen gefährdet, sondern auch das Vertrauen in tatsächliche Meldestellen für Diskriminierung beschädigt.

Amsterdam muss die Urheber ermitteln und klären, ob durch die Verbreitung persönlicher Angaben, die Verwendung fremder Logos oder mögliche Bedrohungen gegen Gesetze verstoßen wurde. Die Pride-Veranstalter wiederum müssen sichtbar deutlich machen, dass jüdische und israelische Besucher zur Gemeinschaft gehören und nicht als politisches Opfer für radikale Aktivisten zur Verfügung stehen.

Wer Menschen ohne Urteil und ohne nachgewiesene persönliche Tat als Kriegsverbrecher markiert, betreibt keine Menschenrechtsarbeit. Er ersetzt das Recht durch den Pranger. In Amsterdam wurde dafür das Symbol der Pride missbraucht. Die Antwort darauf muss eindeutig sein: Kein Regenbogen darf als Tarnung für Judenhass dienen.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de

Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 4. August 2026

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