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Europol-Bericht entlarvt Europas verdrängte Terrorgefahr: Mehr als jeder zweite Anschlag war jihadistisch


Mehr als die Hälfte aller 2025 in der Europäischen Union registrierten Anschlagspläne war jihadistisch. Europol warnt zugleich vor minderjährigen Tätern, antisemitischer Hetze und wachsenden Gefahren durch Iran und seine Terrornetzwerke.

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Der islamistische Terrorismus bleibt die größte und tödlichste terroristische Bedrohung innerhalb der Europäischen Union. Das geht aus dem neuen Terrorismusbericht EU TE-SAT 2026 von Europol hervor. Von insgesamt 45 vollendeten, gescheiterten oder durch Sicherheitsbehörden verhinderten Anschlägen im Jahr 2025 wurden 24 dem Jihadismus zugerechnet. Das entspricht rund 53 Prozent.

Damit waren nicht nur etwa die Hälfte aller erfassten Anschlagsvorhaben islamistisch geprägt. Jihadistische Täter verursachten auch die mit Abstand schwersten Folgen. Neun der 24 Anschläge wurden tatsächlich ausgeführt, 15 konnten von den Sicherheitsbehörden verhindert werden. Die vollendeten jihadistischen Anschläge töteten fünf Menschen und verletzten 81 weitere.

Insgesamt registrierte Europol für 2025 in zehn Mitgliedstaaten 45 terroristische Anschläge. Darunter waren 22 vollendete Taten, 20 verhinderte Anschlagspläne und drei gescheiterte Versuche. Sechs Menschen wurden getötet. Fünf dieser Todesopfer gingen auf das Konto jihadistischer Täter.

Rechtsextremisten wurden fünf Anschläge zugerechnet. Einer davon wurde ausgeführt und forderte ein Todesopfer, vier weitere wurden verhindert. Linksextreme und anarchistische Täter waren für zwölf Anschläge verantwortlich. Elf davon wurden ausgeführt, richteten sich jedoch überwiegend gegen Gebäude, Fahrzeuge und Unternehmen. Todesopfer oder Verletzte wurden in dieser Kategorie nicht gemeldet.

Die Zahlen widerlegen jede politische Darstellung, nach der sämtliche Formen des Terrorismus gegenwärtig eine annähernd gleiche Gefahr für Leib und Leben darstellten. Jede terroristische Ideologie muss bekämpft werden. Die Bedrohungen unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Häufigkeit, ihrer Zielauswahl und ihrer tödlichen Wirkung. Wer Sicherheitspolitik ernst nimmt, darf diese Unterschiede nicht aus Rücksicht auf gesellschaftliche Empfindlichkeiten verschweigen.

Deutschland verzeichnete vier vollendete jihadistische Anschläge

Besonders alarmierend ist die Lage in Deutschland. Alle vier von Deutschland für 2025 an Europol gemeldeten Terroranschläge wurden als jihadistisch eingestuft und tatsächlich ausgeführt. Frankreich meldete zehn jihadistische Anschlagsvorhaben, von denen zwei ausgeführt und acht verhindert wurden. Österreich registrierte sieben, darunter einen vollendeten und sechs verhinderte Anschläge. Hinzu kamen jeweils eine ausgeführte Tat in Irland und Spanien sowie ein vereitelter Anschlag in Belgien.

Die meistgenutzte Tatwaffe war das Messer. Von den neun vollendeten jihadistischen Anschlägen wurden acht mit Stichwaffen begangen. Bei der neunten Tat setzte der Angreifer ein Fahrzeug ein. Die Opfer waren überwiegend zufällig ausgewählte Menschen an öffentlich zugänglichen Orten.

Europol nennt als deutsches Beispiel den Anschlag vom 13. Februar 2025 in München. Ein 24-jähriger Mann fuhr mit einem Auto in eine Demonstration. Zwei Menschen wurden getötet und 57 verletzt. Nach den Ermittlungen handelte der Täter aus religiös begründeter Motivation.

Ein weiterer Fall ereignete sich am 18. Mai 2025 in Bielefeld. Ein 35-jähriger Mann griff vor einer Gaststätte mehrere Menschen mit Messern an und verletzte vier Opfer lebensgefährlich. Der Mann hatte sich spätestens 2015 dem Islamischen Staat in Syrien angeschlossen. Obwohl er 2023 nach Deutschland gekommen war, blieb er nach Erkenntnissen der Behörden mit der Terrororganisation verbunden. Anfang Mai 2025 fasste er demnach den Entschluss, im Namen des weltweiten Jihad möglichst viele zufällig ausgewählte Menschen zu töten.

Diese Fälle zeigen ein Problem, das in abstrakten Debatten über Radikalisierung leicht verloren geht. Für die Opfer beginnt der Terror nicht mit einer komplizierten Organisation oder einem aus dem Ausland gesteuerten Großanschlag. Ein Messer, ein Fahrzeug und ein öffentlich zugänglicher Ort genügen. Gerade diese einfachen Tatmittel machen die Anschläge schwer vorhersehbar und geben den Sicherheitsbehörden nur wenig Zeit zum Eingreifen.

Die hohe Zahl verhinderter Taten belegt, dass europäische Sicherheitsbehörden zahlreiche Menschenleben geschützt haben. Sie ist aber kein Grund zur Entwarnung. Fünfzehn jihadistische Anschläge wurden vereitelt. Hinter jedem dieser Fälle steht ein Täter oder eine Gruppe, die bereit war, Menschen zu verletzen oder zu töten. Dass ein Plan rechtzeitig erkannt wurde, verringert nicht die grundsätzliche Gefahr.

Noch deutlicher wird das Ausmaß bei den Festnahmen. Im Jahr 2025 wurden in 21 Mitgliedstaaten insgesamt 486 Verdächtige wegen terroristischer Straftaten festgenommen. Im Vorjahr waren es 449, im Jahr 2023 noch 426 gewesen. Von den 486 Festgenommenen wurden 347 dem jihadistischen Terrorismus zugerechnet. Das entspricht mehr als 71 Prozent.

Dem Rechtsextremismus wurden 43 Festnahmen zugeordnet, dem Links- und Anarchoterrorismus 13. Weitere 34 Fälle betrafen ethno-nationalistische oder separatistische Zusammenhänge, 49 andere beziehungsweise nicht näher bestimmte Formen.

Deutschland meldete insgesamt 37 Festnahmen wegen terroristischer Straftaten. Davon entfielen 21 auf den jihadistischen Bereich, acht auf den Rechtsextremismus, fünf auf den Links- und Anarchoterrorismus und drei auf andere oder nicht eindeutig zugeordnete Formen.

Gaza-Propaganda, Judenhass und Irans Terrornetzwerke

Europol warnt besonders vor der Verbindung aus Online-Radikalisierung, Jihadismus und antisemitischer Propaganda. Die meisten festgenommenen jihadistischen Verdächtigen waren durch Inhalte des Islamischen Staates beeinflusst. Bei zahlreichen Personen gehörten antisemitische Erzählungen zu den wiederkehrenden Bestandteilen ihrer Ideologie.

Der Islamische Staat nutzte den Krieg im Gazastreifen gezielt, um Judenhass zu verbreiten. Die Terrororganisation rief dazu auf, jüdische Menschen, Gemeinden und Einrichtungen anzugreifen. Al-Qaida behandelte Gaza ebenfalls fortlaufend in seiner Propaganda. Besonders Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel versuchte, den Krieg zu instrumentalisieren, um Anschläge gegen westliche und jüdische Ziele anzustiften.

Dabei muss klar zwischen politischem Protest und Terrorismus unterschieden werden. Eine palästinensische Flagge oder die Teilnahme an einer Demonstration ist kein Beleg für terroristische Absichten. Der Europol-Bericht untersucht konkrete Anschläge, Anschlagspläne, Mitgliedschaften, Propaganda und Unterstützungshandlungen. Gerade diese notwendige Unterscheidung macht seinen Befund so schwerwiegend: Terrororganisationen versuchen gezielt, politische Empörung in antisemitischen Hass und schließlich in Gewaltbereitschaft zu verwandeln.

Besonders gefährdet sind junge Menschen. Von den festgenommenen Verdächtigen waren 130 höchstens 18 Jahre alt. Unter den 347 im jihadistischen Zusammenhang Festgenommenen befanden sich mindestens 108 Minderjährige oder gerade Volljährige. Einige vereitelte Anschlagspläne wurden von minderjährigen Jungen vorbereitet.

Radikalisierung vollzieht sich dabei häufig nicht mehr in einer Moschee, einem abgeschlossenen Verein oder einer fest organisierten Terrorzelle. Sie beginnt auf sozialen Netzwerken, Videoplattformen, in geschlossenen Gesprächsgruppen und auf Plattformen für Computerspiele. Kurze Videos verbinden Bilder aus aktuellen Konflikten mit jihadistischen Gesängen, Reden von Terrorführern und Gewaltaufnahmen.

Algorithmen verstärken diesen Prozess. Wer sich zunächst mit Hassbotschaften oder Verschwörungserzählungen beschäftigt, kann schrittweise zu immer gewalttätigeren Inhalten geführt werden. Anschließend wechseln die Beteiligten häufig auf verschlüsselte Kommunikationsdienste, wo konkrete Anschlagsideen, Waffenbeschaffung oder Reisen in Kampfgebiete besprochen werden.

Europol beobachtet zudem eine zunehmende Nutzung künstlicher Intelligenz für jihadistische Propaganda. Die technische Vertrautheit einer immer jüngeren extremistischen Szene erleichtert die Herstellung, Übersetzung und Verbreitung entsprechender Inhalte. Gleichzeitig setzen Verdächtige verschlüsselte Anwendungen, virtuelle private Netzwerke und wiederholte Neuinstallationen ihrer Geräte ein, um Ermittlungen zu erschweren.

Neben dem Jihadismus rückt der Bericht die vom iranischen Regime aufgebaute sogenannte Widerstandsachse in den Mittelpunkt. Dazu zählt Europol die Hisbollah, die Hamas, die Houthi-Miliz Ansar Allah und mehrere irakische Milizen. Diese Organisationen nutzten Europa bislang vor allem zur Finanzierung, Logistik und Unterstützung. Europol hält es jedoch für möglich, dass sie künftig verstärkt Anschläge gegen jüdische, israelische oder andere Ziele in der Europäischen Union erwägen.

Im September 2025 entdeckten österreichische Ermittler ein Waffenlager mit fünf nachgebauten Pistolen und zehn Magazinen. Mit dem Depot wurde ein 39-jähriger Mann in Verbindung gebracht, der nach Angaben des Berichts enge Beziehungen zur Führung der Hamas unterhielt und mutmaßlich Anschläge vorbereitete.

Am 1. Oktober 2025 wurden in Deutschland drei mutmaßliche Hamas-Mitglieder festgenommen. Sie sollen Schusswaffen und Munition beschafft haben, die nach dem damaligen Ermittlungsstand für mögliche Angriffe auf israelische oder jüdische Einrichtungen bestimmt waren. Konkrete Anschlagsziele waren zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt.

Das Kammergericht Berlin verurteilte im März 2026 vier Männer wegen Mitgliedschaft in der Hamas. Zwar konnte das Gericht keinen konkreten Anschlagsplan für Europa feststellen. Es sah jedoch als erwiesen an, dass die Hamas in Europa operative Vorbereitungen für mögliche spätere Angriffe auf israelische oder jüdische Einrichtungen trifft.

Der Bericht beschreibt Antisemitismus als eine verbindende Erzählung unterschiedlicher terroristischer und gewaltbereiter Milieus. Jihadisten, iranische Stellvertreter, Teile der extremen Linken und andere gewaltbereite Akteure gelangen aus verschiedenen ideologischen Richtungen zum selben Ziel: Juden und israelische Einrichtungen werden zu angeblich legitimen Objekten von Einschüchterung und Gewalt erklärt.

Für jüdische Gemeinden in Europa ist diese Bedrohung längst keine theoretische Entwicklung. Synagogen, Schulen, Kulturzentren und israelische Einrichtungen benötigen Polizeischutz. Menschen verbergen religiöse Zeichen oder vermeiden bestimmte Orte. Gleichzeitig wird der Judenhass häufig als bloße Reaktion auf israelische Politik verharmlost.

Europols Bericht lässt diese Ausrede nicht gelten. Der Krieg im Nahen Osten wird von Terrororganisationen gezielt zur Mobilisierung genutzt. Die Verantwortung für einen Anschlag trägt der Täter. Doch europäische Politik und Gesellschaft müssen erkennen, wie Propaganda, Antisemitismus und die Verharmlosung terroristischer Organisationen den Boden für Gewalt bereiten.

Europa braucht deshalb keine beschönigende Debatte über eine allgemein verbreitete Radikalisierung. Es braucht eine Sicherheitspolitik, die Gefahren nach ihrer tatsächlichen Häufigkeit und Wirkung bewertet. Im Jahr 2025 war mehr als die Hälfte der registrierten Anschläge jihadistisch. Mehr als sieben von zehn Terrorverdächtigen wurden dem Jihadismus zugerechnet. Fünf der sechs Todesopfer terroristischer Anschläge starben durch jihadistische Gewalt.

Diese Zahlen sind keine Pauschalanklage gegen Muslime. Millionen muslimische Bürger lehnen den Terror ab und werden selbst von islamistischen Organisationen bedroht. Gerade deshalb muss der Jihadismus klar benannt werden. Wer aus Angst vor einer schwierigen gesellschaftlichen Debatte auf eindeutige Begriffe verzichtet, schützt nicht friedliche Muslime. Er erleichtert Extremisten, ihre Ideologie hinter religiöser Empfindlichkeit und politischen Konflikten zu verbergen.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 16. Juli 2026

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