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Nach Marokkos WM-Aus: Krawalle in London, Judenhass in Den Haag


Nach Frankreichs Sieg gegen Marokko kam es in mehreren europäischen Städten zu Ausschreitungen. In London wurde ein Polizist verletzt, in Den Haag wurden antisemitische Parolen gebrüllt, darunter offene Vernichtungsrufe gegen Juden.

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Nach dem Sieg Frankreichs gegen Marokko im Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 kam es in mehreren europäischen Städten zu Ausschreitungen. Der befürchtete Gewaltausbruch in Paris blieb weitgehend aus, doch in London, Den Haag, Amsterdam und Rotterdam zeigte sich eine andere Wirklichkeit: Was als Fußballabend begann, kippte an mehreren Orten in Straßenkrawall, Angriffe auf Polizisten und politische Hetze. Besonders schwer wiegen Berichte aus Den Haag, wo nach Angaben der Jüdischen Allgemeinen antisemitische Sprechchöre gerufen wurden. In Aufnahmen, die der Videojournalist Marc Wurfbain auf X veröffentlichte, sollen Parolen wie „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“ zu hören gewesen sein.

In London lag der Schwerpunkt der Ausschreitungen auf der Edgware Road. Nach Angaben der Metropolitan Police blockierte eine größere Menschenmenge die Straße, später wurden Flaschen, Gegenstände und Feuerwerkskörper in Richtung der Einsatzkräfte geworfen. Ein Polizist wurde von einer Glasflasche am Kopf getroffen und ins Krankenhaus gebracht. Vier Personen wurden festgenommen. Die Polizei kündigte an, Aufnahmen von Überwachungskameras und Videos aus sozialen Netzwerken auszuwerten, um weitere Beteiligte zu identifizieren.

Videos aus London zeigten Bereitschaftspolizisten in voller Ausrüstung, Rauch auf der Straße, zerbrochenes Glas und Gruppen, die sich der Polizei entgegenstellten. N12 berichtete zudem, dass in einzelnen Aufnahmen eine Palästinaflagge geschwenkt wurde, während Feuerwerkskörper und Rauchkörper gezündet wurden. Auch in Brüssel sollen nach dem Spiel Feuerwerkskörper gezündet und „Free Palestine“ gerufen worden sein. Damit wurde erneut sichtbar, wie schnell sich Fußball, Straßenmilieu und Nahostsymbolik vermischen können, obwohl das Spiel selbst mit Israel nichts zu tun hatte.

Noch deutlicher wurde diese Verschiebung in den Niederlanden. Im Haager Stadtteil Schilderswijk kam es nach der Niederlage Marokkos zu Ausschreitungen. Nach Angaben der Jüdischen Allgemeinen wurden Juden als „Krebsgeschwür“ beschimpft, außerdem seien antisemitische und homophobe Parolen gerufen worden. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an, elf Personen wurden vorläufig festgenommen. Laut Bericht von De Telegraaf wurden Beamte mit Glasflaschen beworfen und mit Feuerwerkskörpern beschossen.

Diese Rufe sind kein Randgeräusch. Sie sind der eigentliche Skandal der Nacht. Was haben Juden mit dem Ausscheiden Marokkos gegen Frankreich zu tun? Nichts. Genau darin liegt die Wahrheit dieses Moments. Für Judenhass braucht es keinen logischen Anlass. Ein verlorenes Fußballspiel reicht, ein aufgeheizter Straßenzug reicht, eine Menge reicht, und plötzlich taucht wieder dieselbe mörderische Sprache auf. Wer nach einer WM-Niederlage „Juden ins Gas“ ruft, reagiert nicht auf Sport. Er offenbart ein Weltbild.

Natürlich wäre es falsch, alle marokkanischen Fans unter Generalverdacht zu stellen. Viele Menschen verfolgten das Spiel friedlich, viele feierten oder trauerten ohne Gewalt. In Paris wurden Fans Frankreichs und Marokkos sogar gemeinsam auf den Champs Élysées gesehen. Ein marokkanischer Fan sagte laut französischen Berichten sinngemäß, selbst wenn man verliere, feiere man zusammen. Genau dieser Unterschied muss benannt werden: Es geht nicht um Herkunft, nicht um Religion, nicht um Fußballfans insgesamt. Es geht um jene Gruppen, die einen Sportabend als Bühne für Gewalt und antisemitische Enthemmung benutzen.

Die französischen Behörden hatten sich auf mögliche Ausschreitungen vorbereitet und landesweit mehr als 20.000 Polizisten mobilisiert, darunter rund 8.000 in Paris. Doch die französische Hauptstadt blieb nach den vorliegenden Berichten vergleichsweise ruhig. Stattdessen verlagerten sich die schweren Szenen nach London und in niederländische Städte. Auch Amsterdam und Rotterdam meldeten Unruhe, in Rotterdam sollen Eier auf Polizisten geworfen worden sein. Bereits nach früheren Marokko-Spielen der Weltmeisterschaft war es in den Niederlanden zu Krawallen gekommen, unter anderem in Den Haag, Amsterdam und Rotterdam.

Für europäische Städte ist das eine Warnung. Fußballspiele sind längst nicht mehr nur Sportereignisse. Sie können zu öffentlichen Belastungstests werden, in denen ungelöste Fragen von Integration, politischer Radikalisierung, Nahostkonflikt, Polizeirespekt und Antisemitismus plötzlich auf der Straße auftauchen. Wer dann nur von „Fans“ spricht, macht es zu einfach. Wer nur von „Randale“ spricht, verharmlost die antisemitische Dimension. Und wer bei Vernichtungsrufen gegen Juden wegschaut, weil der Anlass angeblich Fußball war, hat nichts verstanden.

Die niederländische Verteidigungsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Dilan Yesilgöz-Zegerius verurteilte die Szenen scharf. Sinngemäß schrieb sie auf X, ein Land nach dem anderen scheide bei einem Fußballturnier aus, man ärgere sich, und das Leben gehe weiter. Doch solche „Fans“ rasteten unabhängig von Sieg oder Niederlage aus. Sie fragte, ob diese Menschen sich nicht schämten, dass die Welt sie so kennenlerne. Diese Reaktion ist richtig, aber sie darf nicht bei Empörung bleiben. Europa braucht Konsequenzen, wenn aus Fußballnächten Gewalt gegen Polizei und Judenhass auf offener Straße werden.

Der verletzte Polizist in London und die antisemitischen Rufe in Den Haag stehen für zwei Seiten desselben Problems. Der Rechtsstaat wird auf der Straße angegriffen, während jüdisches Leben wieder als Projektionsfläche für Hass herhalten muss. Beides darf nicht normal werden. Ein demokratischer Staat muss Feiern aushalten. Er muss laute Emotionen aushalten. Er muss auch politische Symbole aushalten. Aber er darf keine Flaschen auf Polizisten, keine Feuerwerkskörper gegen Einsatzkräfte und keine Vernichtungsrufe gegen Juden dulden.

Der Abend nach Frankreich gegen Marokko hinterlässt deshalb ein klares Bild. Paris, wo viele die größten Ausschreitungen erwartet hatten, blieb vergleichsweise ruhig. London musste einen verletzten Polizisten und Festnahmen melden. Den Haag erlebte Krawalle und offenen Judenhass. Genau dieser Gegensatz macht die Nacht so bezeichnend. Nicht das Ergebnis des Spiels war das Problem. Das Problem war, was manche daraus machten.

Europa wird solche Situationen wieder erleben. Beim nächsten großen Spiel, beim nächsten Finale, bei der nächsten Niederlage, bei der nächsten Nacht, in der Gruppen glauben, der öffentliche Raum gehöre ihnen. Deshalb muss die Linie jetzt klar sein: Freude ja. Enttäuschung ja. Fahnen ja. Gewalt nein. Antisemitismus nein. Und wer nach einem Fußballspiel den Tod von Juden fordert, gehört nicht als „aufgebrachter Fan“ beschrieben, sondern als das, was er in diesem Moment ist: ein Träger offenen Judenhasses.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 10. Juli 2026

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