Großbritannien verweigert Hasan Piker und Cenk Uygur die Einreise
Die US-Kommentatoren Hasan Piker und Cenk Uygur sollten in London auftreten. Nun wurden ihre Reisegenehmigungen offenbar entzogen. Beide machen Israel verantwortlich, britische Stellen verweisen auf öffentliche Ordnung.

Großbritannien hat den US-Kommentatoren Cenk Uygur und Hasan Piker offenbar die Einreise verweigert. Beide sollten in London beim Kultur- und Technologiefestival SXSW London auftreten. Uygur erklärte zudem, er habe auch bei einer Studentenveranstaltung in Oxford sprechen sollen. Nach eigenen Angaben wurden ihre Reisegenehmigungen entzogen. Die Entscheidung sorgt für eine Debatte über Meinungsfreiheit, öffentliche Sicherheit und den Umgang mit antiisraelischer Rhetorik.
Uygur, Gründer der Plattform „The Young Turks“, erklärte auf X, er sei wegen seiner Kritik an Israel aus Großbritannien ausgeschlossen worden. Er schrieb, westliche Bürger würden von ihren eigenen Regierungen im Interesse eines anderen Landes unterdrückt. In weiteren Beiträgen bezeichnete er es als Ehre, auf einer angeblichen Feindesliste Israels zu stehen, und kündigte an, weiter über das zu sprechen, was er als israelische Kriegsverbrechen bezeichnet. Piker, ein bekannter linker Streamer und Neffe Uygurs, erklärte ebenfalls auf X, die britischen Behörden hätten sein Visum auf Betreiben Israels widerrufen.
Nach Berichten britischer Medien begründete das Innenministerium die Maßnahme damit, dass die Anwesenheit der beiden nicht dem öffentlichen Wohl dienlich sei. Bei Uygur soll unter anderem eine Aussage angeführt worden sein, wonach Israel die amerikanische Regierung über Spenden an einen großen Teil des Kongresses kontrolliere. Kritiker sehen darin eine klassische antisemitische Verschwörungserzählung über jüdische oder israelische Macht über westliche Politik. Piker stand bereits zuvor wegen mehrerer Aussagen in der Kritik, darunter Äußerungen über Israel, Hamas, orthodoxe Juden und die Terroranschläge vom 11. September 2001.
Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der Großbritannien verstärkt gegen ausländische Redner und Aktivisten vorgeht, denen Behörden eine Gefahr für die öffentliche Ordnung zuschreiben. Laut britischen Berichten wurden in jüngerer Zeit auch andere Personen mit extremistischen oder antisemitischen Äußerungen an der Einreise gehindert. Die Regierung beruft sich dabei auf die Befugnis, Personen abzuweisen, wenn ihre Anwesenheit als nicht förderlich für das öffentliche Wohl bewertet wird.
Für jüdische Organisationen in Großbritannien ist der Fall Teil einer größeren Debatte. Seit dem 7. Oktober 2023 hat der Streit über Israel, Gaza und Antisemitismus auch in Großbritannien massiv an Schärfe gewonnen. Jüdische Gemeinden berichten von wachsender Unsicherheit, und mehrere Organisationen hatten bereits im Vorfeld Kritik an Pikers geplantem Auftritt geäußert. Dabei ging es nicht um gewöhnliche Kritik an israelischer Politik, sondern um die Sorge, dass seine Aussagen antisemitische Stereotype oder eine Verharmlosung extremistischer Gewalt befördern könnten.
Die beiden Kommentatoren weisen diesen Vorwurf zurück und sehen sich als Opfer politischer Zensur. Sie stellen die Entscheidung als Beweis dafür dar, dass westliche Regierungen Kritik an Israel unterdrückten. Genau diese Reaktion verschärft die Debatte zusätzlich, weil sie den Vorwurf israelischer Einflussnahme erneut in den Mittelpunkt rückt. Aus Sicht ihrer Kritiker bestätigt das gerade das Problem: Israel werde nicht als Staat kritisiert, sondern als eine Macht dargestellt, die fremde Regierungen lenke.
Der Fall zeigt, wie schwierig die Grenze zwischen zugespitzter politischer Rede, antiisraelischer Polemik und antisemitischen Mustern geworden ist. Kritik an Israel ist in demokratischen Gesellschaften erlaubt und notwendig. Doch wenn Israel als allmächtiger Drahtzieher westlicher Politik dargestellt wird oder wenn Hamas-Terror relativiert wird, geht es nicht mehr nur um politische Kritik. Dann berührt die Debatte alte Feindbilder, die gerade für jüdische Minderheiten reale Folgen haben können.
Für Großbritannien ist die Entscheidung rechtlich und politisch heikel. Einreiseverbote gegen ausländische Kommentatoren sind ein starkes Mittel. Sie werfen Fragen nach Meinungsfreiheit und staatlicher Eingriffsbefugnis auf. Zugleich hat kein ausländischer Redner automatisch Anspruch darauf, in ein Land einzureisen und dort aufzutreten. Die Behörden müssen abwägen, ob die öffentliche Sicherheit, der gesellschaftliche Frieden und der Schutz von Minderheiten durch bestimmte Auftritte gefährdet sein könnten.
Damit steht der Fall exemplarisch für eine größere westliche Auseinandersetzung nach dem 7. Oktober. Wo endet harte Kritik an Israel? Wo beginnt die Dämonisierung des jüdischen Staates? Und wann werden öffentliche Auftritte von Aktivisten zu einem Risiko für jüdische Gemeinschaften, die ohnehin unter wachsendem Druck stehen? Großbritannien hat diese Abwägung nun offenbar gegen Piker und Uygur entschieden. Die politische Debatte darüber wird damit nicht beendet, sondern erst richtig eröffnet.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Montag, 1. Juni 2026