Irlands Trainer attackiert Israel und verschont Unrechtsregime
Irlands Nationaltrainer stellt Israel im Fußball offen infrage und zieht den Vergleich mit Russland. Doch über Iran, China und andere autoritäre Staaten schweigt er. Genau darin liegt der Skandal.

Irlands Nationaltrainer Heimir Hallgrimsson hat vor einem Freundschaftsspiel gegen Katar eine Debatte losgetreten, die weit über Fußball hinausgeht. Der Isländer, der mit Irland im September auf Israel treffen soll, kritisierte FIFA und UEFA dafür, dass Russland aus internationalen Wettbewerben ausgeschlossen wurde, Israel aber weiterhin teilnehmen darf. Er sagte, er verstehe den Unterschied zwischen beiden Fällen nicht. Genau dieser Satz ist der Kern des Problems. Denn wer Russland und Israel in einem Atemzug nennt, ohne die Ausgangslage zu erklären, ohne die Rolle der Hamas zu benennen und ohne andere Staaten mit weit schwereren politischen Belastungen ebenfalls zu erwähnen, stellt keinen fairen Maßstab auf. Er schafft eine Schieflage.
Hallgrimsson sprach von der Tragödie in Gaza und erklärte, wenn FIFA und UEFA eine Nation wegen eines Krieges ausschlössen, verstehe er nicht, warum dies bei Israel nicht geschehe. Zugleich betonte er, er spreche nur für sich selbst und nicht für den irischen Verband. Das ist formal eine Absicherung, politisch aber wenig überzeugend. Ein Nationaltrainer spricht nicht als Privatmann, wenn er vor laufenden Kameras über den Ausschluss eines künftigen Gegners aus dem internationalen Fußball räsoniert. Er prägt eine Stimmung, er sendet ein Signal, und er rückt israelische Sportler in die Nähe einer moralischen Anklage, bevor überhaupt ein Ball gespielt wurde.
Der Vergleich mit Russland ist besonders heikel. Russland wurde nach dem Angriff auf die Ukraine von FIFA und UEFA suspendiert. Es ging um einen Angriffskrieg gegen einen souveränen Nachbarstaat, um die gewaltsame Veränderung von Grenzen und um die Unterwerfung eines Landes. Israel dagegen führt seit dem 7. Oktober 2023 einen Krieg gegen die Hamas, nachdem diese Terrororganisation israelische Zivilisten ermordete, entführte und Israel mit einem beispiellosen Massaker traumatisierte. Wer diese beiden Situationen gleichsetzt, blendet die Ursache des Krieges aus. Er trennt Gaza vom 7. Oktober, Israel von seiner Sicherheitslage und die Hamas von ihrer Verantwortung. So entsteht keine moralische Klarheit, sondern politische Verzerrung.
Natürlich darf man über das Leid der Zivilbevölkerung in Gaza sprechen. Natürlich muss jede militärische Operation kritisch betrachtet werden. Aber Kritik an Israel wird dann unseriös, wenn sie Israel aus dem Zusammenhang löst und die Terrororganisation, gegen die Israel kämpft, nur noch als Hintergrundrauschen behandelt. Die Hamas ist keine normale politische Kraft. Sie ist eine Terrororganisation, die zivile Räume militärisch nutzt, Geiseln verschleppte und ihren eigenen Herrschaftsbereich in einen Kriegsschauplatz verwandelte. Ein demokratischer Staat, der auf einen solchen Angriff reagiert, ist nicht mit einem Regime gleichzusetzen, das einen Nachbarstaat überfällt, um dessen Souveränität zu zerstören.
Noch deutlicher wird die Schieflage, wenn man betrachtet, wen Hallgrimsson nicht nennt. Iran bleibt im internationalen Fußballbetrieb präsent, obwohl das Regime Oppositionelle unterdrückt, Frauen entrechtet, Israel offen bedroht, Terrororganisationen unterstützt und seine Machtpolitik in der Region mit Gewalt absichert. Die iranische Nationalmannschaft wird nicht aus dem Weltfußball verbannt. Auch China wird nicht ausgeschlossen, obwohl die Menschenrechtslage seit Jahren international schwer kritisiert wird. Andere autoritäre Staaten treten ebenfalls weiter an, obwohl ihre Regierungen weder freie Presse noch unabhängige Justiz noch demokratische Kontrolle kennen. Gegen sie richtet sich der moralische Furor selten mit derselben Entschlossenheit.
Genau darin liegt der eigentliche Skandal. Israel, eine Demokratie mit freien Wahlen, heftigen innenpolitischen Debatten, unabhängigen Gerichten und einer streitbaren Presse, wird öffentlich an den Pranger gestellt. Unrechtsregime dagegen bleiben im sportlichen Alltag weitgehend normalisiert. Wenn der Maßstab wirklich Menschenrechte, Krieg und staatliche Gewalt sein soll, dann dürfte die Liste möglicher Ausschlüsse sehr lang werden. Doch in der Wirklichkeit konzentriert sich der Druck auffallend oft auf Israel. Das ist kein Zufall, sondern ein Muster.
Der internationale Fußball bewegt sich damit auf gefährlichem Terrain. Sportverbände können politische Entscheidungen treffen, aber sie müssen erklären, nach welchen Regeln sie handeln. Wenn Russland ausgeschlossen wird, Iran aber spielt, China spielt, Katar spielt und zahlreiche autoritäre Staaten ungestört Teil des Systems bleiben, dann kann man Israel nicht selektiv herausgreifen und so tun, als gehe es um ein neutrales Prinzip. Dann geht es um politische Auswahl. Und politische Auswahl wird besonders problematisch, wenn ausgerechnet der jüdische Staat immer wieder zum Sonderfall erklärt wird.
Hallgrimsson sagte außerdem, er wolle nicht, dass seine Mannschaft als die „Bösen“ dargestellt werde. Die Spieler und der Stab kämen, um Fußball zu spielen, nicht um politische Entscheidungen zu treffen. Dieser Satz wäre nachvollziehbar, wenn er nicht unmittelbar nach einer politischen Intervention gefallen wäre. Wer selbst den Ausschluss Israels in die Debatte stellt, kann sich anschließend schwer darauf berufen, er wolle Fußball und Politik trennen. Genau diese Vermischung hat er selbst vorangetrieben.
Für israelische Sportler ist diese Entwicklung bitter. Sie treten nicht als Regierung an, nicht als Militärsprecher, nicht als außenpolitische Delegation. Sie sind Fußballer, die ihr Land vertreten. Doch immer häufiger werden sie behandelt, als müssten sie für jede politische Entscheidung, jede militärische Lage und jede Schlagzeile persönlich einstehen. Diese Erwartung wird bei vielen anderen Staaten nicht in gleicher Weise erhoben. Kein iranischer Spieler muss vor jedem Spiel erklären, warum sein Regime Oppositionelle verfolgt. Kein chinesischer Spieler wird international zum Symbol aller Vorwürfe gegen Peking gemacht. Bei Israel aber scheint die Kollektivhaftung im Sport für manche bereits selbstverständlich zu sein.
Das ist nicht fair, und es ist auch nicht harmlos. Wenn israelische Mannschaften als moralisch unerwünschte Gegner markiert werden, steigt der Druck auf Spieler, Fans und Verbände. Aus sportlicher Rivalität wird politische Feindseligkeit. Aus einem Nations-League-Spiel wird eine Bühne für Kampagnen. Am Ende trifft diese Stimmung nicht abstrakte Institutionen, sondern Menschen, die reisen, spielen, trainieren und sich in Stadien ohnehin schon unter besonderem Sicherheitsdruck bewegen.
Irland hat eine eigene, stark emotionalisierte Debatte über Israel und die Palästinenser. Das erklärt manches, entschuldigt aber nicht alles. Gerade wer aus einem Land kommt, in dem politische Konflikte historisch tief empfunden werden, sollte vorsichtig sein, wenn er einen anderen Konflikt moralisch vereinfacht. Israel ist nicht Russland. Der Krieg gegen die Hamas ist nicht der russische Angriff auf die Ukraine. Und Gaza lässt sich nicht erklären, indem man den 7. Oktober aus dem Blickfeld rückt.
Die Aussage des irischen Trainers zeigt, wie schnell der Fußball zum Verstärker einer einseitigen Israel-Debatte wird. Nicht Iran steht im Zentrum, obwohl das Regime Terror finanziert und Israel bedroht. Nicht China steht im Zentrum, obwohl autoritäre Herrschaft dort seit Jahren Gegenstand schwerer Kritik ist. Nicht die Vielzahl anderer Staaten mit massiven Menschenrechtsproblemen steht im Zentrum. Wieder ist es Israel. Wieder wird der jüdische Staat herausgehoben, isoliert und zum bevorzugten Ziel moralischer Empörung gemacht.
Wer Gerechtigkeit fordert, muss gleiche Maßstäbe anwenden. Wer aber nur Israel herausgreift und über Unrechtsregime schweigt, betreibt keine konsequente Menschenrechtspolitik. Er betreibt politische Einseitigkeit. Genau das macht Hallgrimssons Aussagen so problematisch. Nicht weil ein Trainer keine Meinung haben darf. Sondern weil seine Meinung einen Maßstab setzt, der dort hart wird, wo es um Israel geht, und auffallend weich bleibt, wenn es um Staaten geht, die ihre Bürger ohne demokratische Kontrolle regieren.
Israel wird im September gegen Irland als Nationalmannschaft antreten. Nicht als Angeklagter. Nicht als Stellvertreter einer Regierung. Nicht als Ersatzobjekt für die politische Wut einer europäischen Öffentlichkeit. Wer das anders behandelt, beschädigt den Sport und verengt den Blick auf den Nahostkonflikt. Fußball kann politische Realität nicht ausblenden. Aber er darf nicht zulassen, dass ausgerechnet die einzige Demokratie des Nahen Ostens strenger behandelt wird als Regime, deren Unrecht im internationalen Sportbetrieb kaum Konsequenzen hat.
Die Frage ist deshalb nicht nur, warum Israel spielen darf. Die Frage ist, warum manche erst dann nach Ausschluss rufen, wenn Israel auf dem Platz steht.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 28. Mai 2026