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Spanische Polizei schlägt Flottille-Aktivisten und Israels Antwort trifft Madrid empfindlich


Spanien empörte sich über Israels Umgang mit Flottille-Aktivisten. Dann zeigten Bilder aus Bilbao, wie spanische Polizisten selbst hart gegen dieselben Aktivisten vorgingen.

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Spanien wollte Israel öffentlich belehren. Nur wenige Tage später musste Madrid selbst erklären, warum ausgerechnet spanische Polizisten am Flughafen Bilbao mit Schlagstöcken gegen zurückgekehrte Gaza-Flottille-Aktivisten vorgingen. Die Bilder aus dem Baskenland sind für die Regierung von Pedro Sánchez unangenehm, weil sie eine politische Doppelmoral sichtbar machen, die in Europa längst zum festen Muster geworden ist: Wenn Israel gegen Aktivisten vorgeht, die eine Seeblockade brechen wollen, ist schnell von Unmenschlichkeit, Rechtsbruch und Empörung die Rede. Wenn dieselben Aktivisten in Spanien mit der Polizei aneinandergeraten, klingt die Sache plötzlich nach öffentlicher Ordnung, Widerstand gegen Beamte und notwendigen Ermittlungen.

Am Flughafen Bilbao wurden am Samstag vier Personen nach Zusammenstößen mit der baskischen Polizei festgenommen. Nach Berichten internationaler Medien und kursierenden Videos waren Mitglieder der spanischen Delegation der Global Sumud Flotilla aus der Türkei zurückgekehrt, nachdem sie zuvor im Zusammenhang mit der Gaza-Flottille von Israel festgehalten worden waren. Aufnahmen aus dem Terminal zeigten Beamte, die Personen über den Boden zogen und mit Schlagstöcken gegen Aktivisten oder Unterstützer vorgingen. Laut Berichten wurden die Festgenommenen unter anderem wegen schwerer Ungehorsamkeit, Widerstands gegen die Staatsgewalt und Angriffs auf Polizeibeamte beschuldigt. Die baskischen Behörden kündigten eine Prüfung an, ob das Vorgehen der Beamten den geltenden Vorschriften entsprach.

Der Vorgang wäre schon für sich bemerkenswert. Politisch brisant wird er aber durch den unmittelbaren Zusammenhang. Spanien hatte erst kurz zuvor Israels Geschäftsträger einbestellt, nachdem Israels Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, mit einem umstrittenen Video festgehaltene Flottille-Aktivisten verhöhnt hatte. Spaniens Außenminister José Manuel Albares sprach von einer monströsen, unmenschlichen und beschämenden Behandlung. Madrid stellte sich damit demonstrativ an die Seite jener Aktivisten, die Israel als Provokateure betrachtet, weil sie nicht einfach Hilfsgüter über kontrollierte Wege übergeben wollten, sondern erklärtermaßen die Gaza-Seeblockade herausforderten.

Dann kamen die Bilder aus Bilbao.

Israels Außenministerium nutzte den Moment sofort. In einer scharfen Antwort verlangte Jerusalem eine Erklärung der spanischen Regierung für deren Umgang mit den „Flottille-Anarchisten“. In weiteren Äußerungen warf das Ministerium den Aktivisten vor, überall Provokation und Chaos zu erzeugen. Genau diese Reaktion ist diplomatisch hart, aber politisch nachvollziehbar. Denn Spanien hatte Israel mit großem moralischem Gestus kritisiert und stand nun selbst vor Aufnahmen, die zeigten, dass auch europäische Polizeikräfte nicht einfach danebenstehen, wenn Aktivisten Absperrungen durchbrechen, Beamte bedrängen oder die öffentliche Ordnung in einem Flughafen gefährden.

Damit geht es nicht darum, Polizeigewalt schönzureden. Wenn Beamte unverhältnismäßig zugeschlagen haben, muss das untersucht werden. Genau deshalb ist die angekündigte Prüfung der baskischen Behörden richtig. Ein Rechtsstaat muss auch das Handeln seiner Polizei kontrollieren. Aber dieser Maßstab muss für alle gelten. Wer von Israel verlangt, jeden Einsatz gegen Flottille-Aktivisten sofort als Beweis staatlicher Brutalität zu behandeln, darf nicht schweigen, wenn dieselben Aktivisten in Europa mit der Polizei zusammenstoßen und plötzlich als Störer einer öffentlichen Ordnung erscheinen.

Der Widerspruch ist offensichtlich. Gegen Israel werden solche Aktivisten häufig als reine Menschenrechtsverteidiger beschrieben. Ihre politische Absicht, die israelische Seeblockade Gazas zu brechen, verschwindet dann aus der Erzählung. Stattdessen bleiben die Bilder von zivilen Schiffen, internationalen Gewässern und empörten Aktivisten. Doch sobald dieselben Gruppen in europäischen Flughäfen, Häfen oder Straßen in Konflikt mit der Polizei geraten, zeigt sich eine andere Realität: Diese Bewegungen arbeiten nicht nur mit humanitären Symbolen, sondern auch mit Konfrontation, Inszenierung und gezieltem Druck.

Genau das war auch der Kern der Gaza-Flottille. Wer Hilfsgüter nach Gaza bringen will, hätte Möglichkeiten über kontrollierte Wege nutzen können. Israel hatte nach Berichten angeboten, Güter über den Hafen Aschdod umzuleiten. Die Flottille entschied sich aber für den politischen Weg der Blockadebrechung. Das ist ein Unterschied, den viele europäische Kritiker Israels ausblenden. Humanitäre Hilfe fragt, wie Waren sicher und überprüft an Zivilisten gelangen. Politischer Aktivismus fragt, wie sich Israel zu Bildern zwingen lässt, die anschließend als Anklage gegen Jerusalem verwendet werden können.

Die Reaktion der baskischen Linkspartei EH Bildu und der Flottille-Organisation zeigt ebenfalls, wie stark der Vorgang politisiert ist. EH Bildu verurteilte den Polizeieinsatz als hart und sprach von Gewalt gegen Menschen, die Solidarität und Menschenrechte verteidigten. Die Flottille erklärte, ein Familienmitglied habe lediglich versucht, eine zurückkehrende Aktivistin zu umarmen, worauf die Polizei Gewalt angewandt habe. Diese Darstellung ist emotional wirkungsvoll. Die Polizei und andere Berichte sprechen dagegen von Absperrungen, Unruhe, Widerstand und Angriffen auf Beamte. Genau deshalb braucht es Ermittlungen und keine sofortige Heiligsprechung einer Seite.

Für Israel ist der Fall Bilbao ein Beispiel dafür, wie schnell europäische Gewissheiten brüchig werden. Solange Israel handelt, wird moralisch geurteilt. Wenn europäische Staaten mit denselben Aktivistengruppen konfrontiert sind, greifen sie selbst zu polizeilichen Mitteln. Das heißt nicht, dass jede israelische Maßnahme richtig war. Es heißt aber, dass die einfache Erzählung von friedlichen Helfern und bösem Staat nicht trägt. Staaten müssen öffentliche Ordnung schützen. Staaten müssen Grenzen, Flughäfen, Häfen und Sicherheitszonen kontrollieren. Und Staaten reagieren, wenn Aktivismus in Konfrontation umschlägt.

Die spanische Regierung steht ohnehin unter Druck. Am selben Tag demonstrierten in Madrid Zehntausende gegen Regierungschef Pedro Sánchez. Hintergrund waren Korruptionsvorwürfe und Verfahren im Umfeld der Sozialisten. Auch bei diesen Protesten kam es zu Zwischenfällen, mehrere Polizisten wurden verletzt, mehrere Personen festgenommen. Spanien erlebt damit nicht nur außenpolitische Spannungen mit Israel, sondern auch innenpolitische Unruhe, in der der Staat seine eigene Ordnungsmacht sichtbar einsetzen muss.

Gerade deshalb wirkt Madrids moralischer Ton gegenüber Israel so angreifbar. Spanien kann selbstverständlich Kritik an Israel üben. Es kann den Umgang mit festgehaltenen Staatsbürgern ansprechen, konsularischen Zugang verlangen und Misshandlungsvorwürfe prüfen lassen. Aber es sollte nicht so tun, als seien Flottille-Aktivisten automatisch über jeden Zweifel erhaben. Die Ereignisse in Bilbao zeigen, dass diese Gruppen auch in Europa Konflikte auslösen können, die Polizeieinsätze nach sich ziehen.

Der entscheidende Punkt bleibt: Israel hat es nicht mit neutralen Lieferboten zu tun, sondern mit politisch aufgeladenen Kampagnen, die gezielt die Seeblockade Gazas herausfordern. Diese Blockade ist Teil der israelischen Sicherheitsstrategie gegenüber der Hamas. Man kann darüber völkerrechtlich und politisch streiten. Aber wer sie verschweigt, verschweigt den Kern des Konflikts. Und wer Aktivisten nur dann kritisch betrachtet, wenn sie europäischen Polizeikräften Probleme bereiten, während er Israel jede Handlung sofort als Skandal auslegt, misst mit zweierlei Maß.

Bilbao ist deshalb mehr als eine Szene aus einem Flughafen. Bilbao ist ein Spiegel. Spanien sieht darin, was Israel längst sagt: Diese Flottille ist nicht nur Hilfe. Sie ist Konfrontation. Sie will Bilder erzeugen, Staaten unter Druck setzen und jede Reaktion gegen sich als Beweis für angebliche Unterdrückung verwenden. In Israel wirkt diese Methode gegen Jerusalem. In Spanien traf sie nun die eigene Polizei.

Ein Rechtsstaat muss jeden Polizeieinsatz prüfen. Aber ein ehrlicher politischer Blick muss auch prüfen, warum solche Szenen entstehen. Wer Absperrungen missachtet, Beamte bedrängt oder die öffentliche Ordnung stört, kann sich nicht allein hinter dem Wort Solidarität verstecken. Menschenrechte geben niemandem das Recht, jede staatliche Ordnung herauszufordern und anschließend jede Reaktion als Brutalität zu verkaufen.

Für Madrid ist der Vorgang peinlich. Für Israel ist er ein diplomatischer Punktgewinn. Und für die europäische Debatte über die Gaza-Flottille ist er eine notwendige Erinnerung: Die Wirklichkeit ist komplizierter als die Parolen ihrer Aktivisten.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 24. Mai 2026

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