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Paris: 13-jähriger Jude auf dem Weg zur Synagoge mit Messer bedroht


Ein 13-jähriger Junge geht in Paris auf dem Weg zur Synagoge und wird Opfer einer gezielten antisemitischen Attacke. Fünf Täter schlagen, berauben und bedrohen ihn mit einem Messer. Der Vorfall erschüttert die jüdische Gemeinde Frankreichs.

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Es ist ein Montag wie jeder andere. Ein 13-jähriger jüdischer Junge verlässt sein Zuhause in Paris, auf dem Kopf eine Kippa, auf dem Weg zu seiner Synagoge. Was dann geschieht, ist kein Zufall, kein gewöhnlicher Raubüberfall, kein jugendlicher Streit. Es ist rohe, gezielte Gewalt gegen ein Kind, einzig deshalb, weil es Jude ist.

Nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft wurde der Junge von einer Gruppe aus fünf Personen abgepasst. Sie stellten ihm ein Bein, schlugen ihm ins Gesicht, zerrten an seiner Kleidung und forderten ihn auf, seine Taschen zu leeren. Einer der Angreifer hielt ihm ein Messer an den Hals. Die Täter stahlen ihm seine Jacke und seine Kopfhörer. Begleitet wurde der Überfall von antisemitischen Beschimpfungen.

Die Botschaft war klar: Du bist Jude, also bist du ein Ziel.

Der Angriff ereignete sich mitten in der französischen Hauptstadt, im Herzen eines Landes, das sich offiziell Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf die Fahnen geschrieben hat. Und doch erleben jüdische Bürger seit Jahren eine Realität, in der diese Werte für sie immer brüchiger werden.

Besonders erschütternd ist, dass das Opfer erst 13 Jahre alt ist. Ein Kind, das seinen Glauben offen zeigt und deshalb zum Freiwild erklärt wird. Dass ein Minderjähriger auf dem Weg zum Gebet mit einem Messer bedroht wird, ist ein Symbol für den moralischen Verfall, den Europa im Umgang mit Judenhass immer deutlicher erlebt.

Der Junge hatte zum Zeitpunkt der Attacke zufällig ein Videogespräch auf seinem Telefon laufen. Die Person am anderen Ende der Leitung hörte, was geschah, und konnte später wichtige Hinweise zu einem der Täter liefern. Dank dieser Informationen nahm die Polizei des 18. Pariser Arrondissements wenig später einen 18-jährigen Verdächtigen fest. Er befindet sich inzwischen in Untersuchungshaft.

Die Ermittlungen laufen wegen bewaffneten Raubes und schwerer Körperverletzung in einer Gruppe mit antisemitischem Hintergrund. Doch selbst wenn die Justiz in diesem Fall konsequent handelt, bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Denn dieser Angriff steht nicht isoliert da.

Frankreich verzeichnet seit Jahren einen dramatischen Anstieg antisemitischer Übergriffe. Jüdische Schulen werden bewacht, Synagogen von Sicherheitskräften geschützt, Kinder lernen früh, ihre religiösen Symbole zu verstecken. Viele Familien fragen sich längst, ob ein offenes jüdisches Leben in Paris überhaupt noch möglich ist.

Der Präsident des Dachverbands jüdischer Organisationen in Frankreich, Yonathan Arfi, fand deutliche Worte. Wie solle man einem 13-jährigen Kind erklären, dass es angegriffen wurde, nur weil es jüdisch ist, fragte er öffentlich. Wer könne diesem Jungen morgen wieder das Vertrauen in die Zukunft zurückgeben.

Diese Fragen sind schmerzhaft, aber notwendig. Denn hinter jedem solchen Angriff steckt mehr als nur ein individueller Täter. Dahinter steht ein gesellschaftliches Klima, in dem Juden immer öfter als legitime Zielscheibe betrachtet werden.

Antisemitismus ist in Frankreich längst kein Randphänomen mehr. Er kommt aus extremistischen Milieus, aus religiösem Fanatismus, aus politischer Radikalisierung. Er wird genährt von Hasspropaganda in sozialen Netzwerken, von einseitigen Kampagnen gegen Israel und von einem öffentlichen Diskurs, der die Grenze zwischen Kritik und Dämonisierung immer weiter verwischt.

Für jüdische Kinder bedeutet das eine Kindheit unter Bedrohung. Sie wachsen auf mit Polizeischutz vor Schulen, mit Warnungen der Eltern, mit der Erfahrung, dass ihre Identität gefährlich sein kann. Was bleibt von Freiheit, wenn ein Kind Angst haben muss, mit einer Kippa durch die eigene Stadt zu laufen.

Die französische Regierung verspricht regelmäßig, entschlossen gegen Judenhass vorzugehen. Doch für viele Betroffene klingen diese Versprechen hohl. Zu oft folgen auf große Worte nur kleine Taten. Zu oft werden Täter milde bestraft, zu oft wird Antisemitismus verharmlost oder als gesellschaftliches Randproblem abgetan.

Der Angriff auf diesen Jungen zeigt erneut, wohin diese Nachlässigkeit führt. Wenn Juden im Alltag nicht sicher sind, ist die gesamte Gesellschaft nicht sicher. Wer heute wegschaut, wenn ein jüdisches Kind bedroht wird, öffnet morgen die Tür für weitere Gewalt.

Es reicht nicht, Mitgefühl zu bekunden. Es reicht nicht, Erklärungen zu veröffentlichen. Was nötig ist, sind konsequente Strafverfolgung, klare gesellschaftliche Grenzen und eine Erziehung, die Hass gegen Juden nicht duldet, egal aus welcher Richtung er kommt.

Für den 13-jährigen Jungen wird dieser Tag für immer ein Einschnitt bleiben. Ein Moment, der sein Vertrauen in die Welt erschüttert hat. Für Frankreich muss er ein Weckruf sein. Ein Land, das seine jüdischen Kinder nicht schützt, verliert einen Teil seiner eigenen Seele.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: By DXR - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35745458

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 12. Februar 2026

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