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Britische Journalistin verbreitet KI-Fälschung über Israels Präsident Herzog


Ein gefälschtes Foto, erstellt durch künstliche Intelligenz, setzte Isaac Herzog neben den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Eine Journalistin der Times verbreitete das Bild ungeprüft und löste damit einen Skandal aus.

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Ein einziger Klick genügte, um einen Präsidenten zu verleumden, die Glaubwürdigkeit eines Mediums zu beschädigen und zu zeigen, wie gefährlich das Zeitalter der künstlichen Intelligenz für den Journalismus geworden ist. Was als vermeintliche Enthüllung begann, endete als peinliche Blamage für eine erfahrene Nahostreporterin.

Gabrielle Sivia Weiniger, Journalistin der britischen Tageszeitung The Times, veröffentlichte am 9. Februar auf der Plattform X ein Foto, das den israelischen Präsidenten Isaac Herzog angeblich zusammen mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und dessen Komplizin Ghislaine Maxwell zeigte. Das Bild erweckte den Eindruck, Herzog habe persönliche Verbindungen zu dem berüchtigten Netzwerk des US-Milliardärs.

Die Botschaft war eindeutig. In ihrem Beitrag schrieb Weiniger, Epstein habe angeblich engen Kontakt zur israelischen Führung gehabt. Sie deutete an, weitere Recherchen anzustellen. Der Post klang wie der Auftakt zu einer großen investigativen Enthüllung.

Doch nichts davon entsprach der Wahrheit.

Schon kurz nach der Veröffentlichung stellte sich heraus, dass das Foto eine Fälschung war. Erstellt mit moderner KI-Technologie, manipuliert aus einer alten Aufnahme aus dem Jahr 1995, aufgenommen in Mar-a-Lago, Florida. Auf dem Originalbild sind Epstein, Maxwell und andere Personen zu sehen, aber kein Isaac Herzog. Sein Gesicht und seine Gestalt wurden digital in das Bild hineinmontiert.

Fachleute der Redaktion BBC Verify bestätigten rasch, dass es sich um eine künstlich erzeugte Manipulation handelte. Der angebliche Beweis für eine Verbindung zwischen Herzog und Epstein existierte nie. Dennoch hatte das Bild bereits begonnen, sich in sozialen Netzwerken zu verbreiten.

Nachdem die Fälschung entlarvt worden war, löschte Weiniger ihren Beitrag und veröffentlichte eine Entschuldigung. Sie habe das Foto ohne ausreichende Prüfung gepostet, schrieb sie, und bedauere den schweren Fehler. In ihrem eigentlichen Artikel für die Times sei Herzog überhaupt nicht erwähnt worden.

Trotz der Entschuldigung bleibt der Schaden erheblich. Ein israelischer Staatspräsident wurde öffentlich in Verbindung mit einem der abscheulichsten Kriminalfälle der letzten Jahrzehnte gebracht, ohne jeden realen Anhaltspunkt. Die Episode zeigt, wie schnell Falschinformationen heute entstehen und sich verbreiten können.

Der Vorfall wirft ernste Fragen auf. Wie konnte eine professionelle Journalistin ein derart sensibles Bild ungeprüft veröffentlichen? Welche Kontrollmechanismen fehlen, wenn selbst renommierte Medienvertreter Opfer digitaler Täuschungen werden? Und welche Verantwortung tragen Plattformen, auf denen solche Inhalte binnen Sekunden weltweit geteilt werden?

Im Fall von Israel wiegt der Skandal besonders schwer. Antisemitische Verschwörungsmythen rund um Epstein kursieren seit Jahren im Internet. Das gefälschte Foto bediente genau diese Narrative und verlieh ihnen scheinbare Glaubwürdigkeit. Für viele Nutzer, die nur den ersten Eindruck wahrnahmen, blieb der Schaden auch nach der Richtigstellung bestehen.

Isaac Herzog selbst äußerte sich zunächst nicht öffentlich zu dem Vorfall. Der Präsident befand sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung auf einer Reise nach Australien, wo er an Gedenkveranstaltungen zum Terroranschlag von Bondi Beach teilnahm. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sein Umfeld rechtliche Schritte prüft.

Der Fall steht beispielhaft für ein wachsendes Problem. Mit immer leistungsfähigeren KI-Systemen wird es zunehmend einfacher, täuschend echte Bilder zu erzeugen, die historische Ereignisse, Personen und Situationen manipulieren. Die Grenze zwischen Realität und Fälschung verwischt.

Für den Journalismus bedeutet das eine dramatische Herausforderung. In einer Zeit, in der Vertrauen ohnehin brüchig ist, kann ein einziger unüberlegter Beitrag enorme Folgen haben. Sorgfalt, Quellenprüfung und Skepsis gegenüber spektakulären Inhalten sind wichtiger denn je.

Die Entschuldigung der Journalistin ändert nichts an der grundlegenden Lehre dieses Skandals. Die digitale Welt ist voller Fallen. Wer Informationen verbreitet, trägt Verantwortung. Und wer diese Verantwortung missachtet, riskiert mehr als nur den eigenen Ruf.

Der Fall Herzog zeigt, wie schnell ein politischer Ruf zerstört werden kann, wenn Faktenprüfung durch Sensationslust ersetzt wird. Er zeigt auch, wie verletzlich demokratische Gesellschaften gegenüber technologisch erzeugten Lügen geworden sind.

Für Israel ist der Vorfall ein weiteres Beispiel dafür, wie leicht Desinformation gegen das Land eingesetzt wird. Für die Medienwelt ist er eine Warnung, dass journalistische Standards im Zeitalter der künstlichen Intelligenz nicht gelockert, sondern verschärft werden müssen.

Denn wenn gefälschte Bilder politische Realitäten verzerren, steht mehr auf dem Spiel als eine einzelne Falschmeldung. Dann steht die Glaubwürdigkeit des gesamten Informationssystems zur Disposition.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot X

Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 10. Februar 2026

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