Liebe Leserinnen und Leser,
haOlam.de wird privat betrieben – ohne Verlag, ohne Unterstützung durch Institutionen. Damit wir unsere Arbeit auch 2026 fortführen können, möchten wir bis Jahresende mindestens 6.000 Euro erreichen, ideal wären 10.000 Euro. Jeder Beitrag hilft – auch kleine Beträge machen einen Unterschied.

Hamas nahm ihm das Bein. Jetzt trifft der Hass Shalev Biton und Adidas knickt ein


Shalev Biton wurde 2021 auf israelischem Gebiet durch eine Panzerabwehrrakete der Hamas schwer verwundet und verlor ein Bein. Fünf Jahre später wird ausgerechnet der Überlebende einer Terrorattacke zum Ziel einer internationalen Boykottkampagne. Adidas entschuldigt sich.

haOlam-News.de - Nachrichten aus Israel, Deutschland und der Welt.

Man muss die Geschichte von Shalev Biton nur vollständig erzählen, um zu verstehen, wie grotesk die Kampagne gegen ihn geworden ist. Biton marschierte nicht durch Gaza. Er verlor sein Bein auch nicht während des Krieges, der nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 begann. Als er am 12. Mai 2021 schwer verwundet wurde, befand sich seine Einheit auf israelischem Gebiet und hatte den Auftrag, israelische Gemeinden entlang der Grenze zum Gazastreifen zu schützen.

Die damalige Mitteilung der IDF ist eindeutig. Hamas-Terroristen feuerten eine Panzerabwehrrakete auf das Fahrzeug der Soldaten. Der 21-jährige Stabsfeldwebel Omer Tabib wurde getötet, ein weiterer Soldat schwer und ein Offizier mittelschwer verletzt. Der Schwerverletzte war Shalev Biton.

Auch der israelische Sender N12 rekonstruierte den Angriff bereits wenige Wochen später. Eine Hamas-Zelle habe auf der anderen Seite der Grenze auf die Soldaten gewartet und eine Kornet-Panzerabwehrrakete auf ihr Fahrzeug abgefeuert. Biton schilderte später, wie nach der Explosion alles gebrannt habe und er aus dem Fahrzeug gezogen worden sei. Sein Kamerad Tabib überlebte den Angriff nicht.

Heute läuft Biton mit einer Prothese.

Und genau deshalb passte er zu einer Adidas-Kampagne für Menschen mit amputierten Gliedmaßen.

Aus dem Opfer eines Hamas-Angriffs wird ein angeblicher Täter

Adidas hatte seinen sogenannten Single Shoe Service Anfang 2026 in Europa eingeführt. Menschen, die aufgrund einer Amputation oder anderer körperlicher Unterschiede nur einen Schuh benötigen, können in teilnehmenden Geschäften einen einzelnen Schuh für 50 Prozent des Preises eines Paares kaufen. Nach Angaben des Unternehmens wurde das Angebot gemeinsam mit Menschen entwickelt, die selbst mit solchen Einschränkungen leben.

Für die Einführung des Angebots in Israel war Biton einer von elf behinderten Sportlern, die auf Werbematerial in israelischen Adidas-Geschäften gezeigt wurden. Das hebräische Video mit Biton erwähnte weder seinen früheren Militärdienst noch die Ursache seiner Behinderung. Es zeigte einen Mann mit Prothese, der einen einzelnen Schuh ausprobiert und anschließend damit läuft.

Dann begann die Kampagne gegen ihn.

Pro-palästinensische Aktivisten verbreiteten Boykottaufrufe gegen Adidas. Bilder Bitons wurden neben Fotos amputierter Kinder aus Gaza gestellt. In zahlreichen Beiträgen wurde der Eindruck erweckt, Biton habe am aktuellen Krieg in Gaza teilgenommen. Nach Berichten israelischer und jüdischer Medien wurde ihm sogar eine Beteiligung an einem angeblichen „Genozid“ vorgeworfen. Diese Behauptung ist schon aufgrund der Chronologie falsch. Biton wurde im Mai 2021 verwundet, mehr als zwei Jahre vor dem Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 und dem darauf folgenden Krieg.

Auch der spanische Schauspieler Javier Bardem verbreitete Beiträge gegen Adidas und Biton. Einer der von ihm geteilten Posts warf dem Unternehmen vor, dabei zu helfen, „Kindermörder wieder auf die Beine zu bringen“. Andere verbreitete Beiträge bezeichneten Biton nach Angaben des Algemeiner als „Kriegsverbrecher“ oder behaupteten, er habe an Angriffen in Gaza teilgenommen.

Hier endet die politische Kritik und beginnt eine bemerkenswerte Verdrehung der tatsächlichen Geschichte.

Shalev Biton wurde nicht durch einen israelischen Angriff zum Amputierten. Er wurde auch nicht bei einem Kampfeinsatz innerhalb Gazas verwundet. Hamas-Terroristen feuerten eine Rakete aus Gaza auf seine Einheit, während diese israelische Gemeinden schützte. Sein Kamerad wurde getötet. Biton überlebte schwer verletzt.

Diese entscheidenden Tatsachen verschwinden in großen Teilen der Empörung.

Übrig bleibt das gewünschte Bild vom israelischen Soldaten als Täter.

Adidas entschuldigt sich, die Hamas verschwindet aus der Geschichte

Selbst die Palestinian Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel, PACBI, beließ es nach der Adidas-Reaktion nicht bei Kritik. Die zur BDS-Bewegung gehörende Organisation verlangte, Biton vollständig aus dem Werbematerial des Unternehmens zu entfernen. Gegenüber Al Jazeera bezeichnete eine PACBI-Vertreterin bereits seine Beteiligung an der Kampagne als Affront gegen Palästinenser.

Adidas reagierte auf den Druck mit einer Entschuldigung. Eine Stellungnahme, die unter anderem über Adidas Arabia verbreitet wurde, erklärte, ein Bild aus einer lokalen Kampagne habe Sorgen und starke Reaktionen ausgelöst. Es sei niemals die Absicht gewesen, jemanden zu beleidigen. Das Unternehmen entschuldigte sich bei Betroffenen und betonte zugleich den inklusiven Charakter seines Angebots.

Doch gerade diese Entschuldigung hinterlässt die entscheidende Frage: Wofür eigentlich?

Dafür, dass ein Israeli mit Behinderung in einer Kampagne für Menschen mit Behinderungen vorkommt?

Dafür, dass dieser Israeli früher Soldat war?

Oder dafür, dass er einen Terroranschlag der Hamas überlebt hat?

Biton selbst berichtete inzwischen von einer massiven Welle von Hass, Angriffen und Meldungen gegen seine sozialen Netzwerke. Große pro-palästinensische Seiten hätten immer wieder über ihn veröffentlicht. Die Attacken und Versuche, sein Profil zu melden, hörten nicht auf.

Dass im Gazastreifen sehr viele Menschen durch den Krieg Gliedmaßen verloren haben, ist eine schreckliche Realität. Sie macht das Leid eines israelischen Amputierten jedoch nicht weniger real. Und sie ändert nichts daran, wer Biton verletzte.

Genau an diesem Punkt offenbart die Kampagne gegen ihn ihre Absurdität. Das Leid palästinensischer Amputierter wird benutzt, um einen israelischen Amputierten aus einer Kampagne für Behinderte herauszudrängen. Die Hamas, die für seine Verwundung und den Tod seines Kameraden verantwortlich war, verschwindet dabei fast vollständig aus der Erzählung.

Das ist mehr als eine unfaire Verkürzung. Es kehrt Täter und Opfer um.

Niemand muss die israelische Regierung unterstützen, um zu erkennen, was am 12. Mai 2021 geschah. Eine Terrororganisation schoss auf Soldaten, die israelische Grenzgemeinden schützten. Ein Soldat starb. Shalev Biton wurde verstümmelt.

Fünf Jahre später wird nicht die Hamas für diesen Terror zum Gegenstand der internationalen Empörung. Der Hass trifft den Überlebenden.

Und Adidas entschuldigt sich.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: KI-generierte Illustration / haOlam.de

Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 9. September 2026

Unterstütze unser Projekt


Newsletter