Berliner Anti-Israel-Demo: Regenbogenflagge neben Symbolen des Iran-Regimes
Ein Video vom 30. Mai zeigt einen verstörenden Widerspruch: LGBTQ-Symbolik neben Zeichen eines Regimes, das Homosexuelle verfolgt.

Berlin hat am 30. Mai ein Bild geliefert, das mehr über den Zustand bestimmter antiisraelischer Milieus sagt als viele Reden. Auf einer wöchentlichen Demonstration der linksislamistischen Szene wurden nach einer Videodokumentation Regenbogenflaggen neben Symbolen des islamischen Regimes in Iran getragen. Zu sehen gewesen sein sollen auch Porträts von Ali Khamenei, Schilder mit durchgestrichenem Magen David, die bekannte Symbolik blutiger Hände und Parolen, in denen israelischen Soldaten der Tod gewünscht wurde. Eine Gruppe antisemitismuskritischer Personen stellte sich dem Aufmarsch entgegen.
Was dort sichtbar wurde, ist nicht nur geschmacklos oder widersprüchlich. Es ist ein politischer Offenbarungseid. Die Regenbogenflagge steht für den Schutz von LGBTQ-Menschen, für Sichtbarkeit, Selbstbestimmung und Freiheit. Das islamische Regime in Iran steht für Verfolgung, Unterdrückung und Gewalt gegen genau jene Menschen. Homosexuelle werden in Iran kriminalisiert, bedroht, inhaftiert und in bestimmten Fällen mit dem Tod bestraft. Frauen werden gegängelt, Dissidenten verfolgt, religiöse Minderheiten eingeschüchtert. Wer die Regenbogenflagge neben Symbolen dieses Regimes trägt, zeigt nicht Solidarität, sondern die Kapitulation jedes freiheitlichen Maßstabs vor dem eigenen Israelhass.
Genau darin liegt die eigentliche Nachricht. In Teilen des antiisraelischen Aktivismus gilt offenbar nicht mehr, was man vorgibt zu verteidigen. Nicht Frauenrechte, nicht queere Rechte, nicht Demokratie, nicht Religionsfreiheit, nicht Schutz von Minderheiten. Sobald Israel zum Feind erklärt wird, werden selbst die brutalsten Feinde dieser Werte zu Bündnispartnern, Projektionsflächen oder zumindest zu geduldeten Symbolen. Die politische Logik ist simpel und gefährlich: Wer gegen Israel steht, wird verharmlost. Wer zu Israel gehört, wird dämonisiert.
Das ist der Moment, in dem aus Aktivismus Ideologie wird. Eine Bewegung, die behauptet, Unterdrückung bekämpfen zu wollen, marschiert mit Zeichen eines Regimes, das Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt. Eine Szene, die sich gern moralisch überlegen gibt, duldet Symbole, die Juden nicht als politische Gegner, sondern als Ziel markieren. Eine Demonstration, die angeblich für Menschenrechte steht, trägt den durchgestrichenen Magen David. Das ist keine Kritik an einer Regierung. Der Magen David ist ein jüdisches Symbol. Wer ihn durchstreicht, richtet seine Botschaft nicht nur an Jerusalem, sondern an Juden überall.
Auch die Symbolik der blutigen Hände ist nicht neutral. Sie ist im israelischen und jüdischen Gedächtnis mit brutaler Gewalt verbunden. In Verbindung mit Todeswünschen gegen israelische Soldaten entsteht ein Bild, das mit Friedenspolitik nichts zu tun hat. Wer so demonstriert, fordert nicht Deeskalation. Er inszeniert Feindschaft. Er spricht nicht über Lösungen, sondern über Vernichtung, Beschämung und Einschüchterung.
Besonders verlogen ist die behauptete moralische Sprache solcher Aufmärsche. Dort wird von Gerechtigkeit gesprochen, während die Hamas als Terrororganisation verharmlost oder verschwiegen wird. Dort wird von Befreiung gesprochen, während das iranische Regime als Symbol mitlaufen darf. Dort wird von Menschenrechten gesprochen, während der einzige jüdische Staat als Ursprung allen Übels dargestellt wird. Diese Doppelmoral ist nicht zufällig. Sie ist das Betriebssystem moderner Israelhasspolitik.
Berlin darf solche Bilder nicht als Randkuriosität abtun. Sie zeigen, wie sich Antisemitismus heute tarnt. Er kommt nicht immer mit Glatze, Stiefeln und alten Parolen. Er kommt auch mit akademischen Begriffen, antikolonialen Schlagworten, Regenbogenfarben und Menschenrechtsrhetorik. Doch am Ende entscheidet nicht die Verpackung, sondern die Botschaft. Wenn jüdische Symbole durchgestrichen werden, wenn Khamenei neben der Regenbogenflagge erscheint, wenn Israel zum einzigen Feind erklärt wird und Terrorregime kaum noch stören, dann ist die Maske gefallen.
Für queere Menschen müsste dieses Bild ebenfalls alarmierend sein. Wer die Regenbogenflagge neben das Symbol eines Regimes stellt, das Homosexuelle verfolgen lässt, macht aus einem Zeichen der Freiheit eine Staffage. Er benutzt queere Sichtbarkeit nicht zum Schutz queerer Menschen, sondern als Dekoration für eine antiisraelische Inszenierung. Das ist keine Solidarität. Das ist Missbrauch eines Symbols.
Die antisemitismuskritischen Gegendemonstranten haben deshalb das Richtige getan. Sie haben sichtbar gemacht, dass diese Verdrehung nicht unwidersprochen bleiben darf. Es reicht nicht, Antisemitismus nur dann zu erkennen, wenn er aus der extremen Rechten kommt. Er muss auch dort benannt werden, wo er sich progressiv verkleidet, wo er Israelhass mit Minderheitenrhetorik verbindet und wo er sich selbst als moralische Bewegung feiert.
Der 30. Mai in Berlin war kein harmloser Folkloreaufzug. Er war ein Lehrstück darüber, wie tief sich Israelhass in politische Milieus hineingefressen hat, die sich selbst für aufgeklärt halten. Wer Regenbogenflagge und Khamenei zusammenbringt, hat nicht verstanden, was Freiheit bedeutet, oder er hat es verstanden und entschieden, dass der Kampf gegen Israel wichtiger ist.
Beides ist verheerend.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 2. Juni 2026