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+++ Wie westliche Universitäten den modernen Antisemitismus verharmlosen
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+++ Israels Künstler werden weltweit ausgegrenzt
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+++ Hamas-nahe Aktivisten nutzen Symbolik israelischer Geiseln für weltweite Red-Ribbon-Kampagne

Wie westliche Universitäten den modernen Antisemitismus verharmlosen


Nach dem 7. Oktober begann in Teilen westlicher Universitäten und Forschungsinstitute eine Entwicklung, die viele Juden als historischen Schock empfinden. Terror wurde relativiert, antisemitische Ideologie hinter akademischer Sprache versteckt und die Täter vielfach als Produkt angeblicher kolonialer Unterdrückung erklärt. Die Folgen reichen längst weit über Hörsäle hinaus.

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Der 7. Oktober 2023 war nicht nur der schwerste Angriff auf Juden seit der Schoa. Er war auch ein Moment der Entlarvung. Nicht nur für islamistische Bewegungen oder antisemitische Aktivisten auf der Straße, sondern auch für Teile westlicher Eliten, die seit Jahren behaupten, besonders sensibel für Diskriminierung, Gewalt und Menschenrechte zu sein.

Denn während Hamas-Terroristen ihre Verbrechen selbst dokumentierten, Videos von Ermordungen veröffentlichten und israelische Frauen, Männer und Kinder durch Gaza schleppten, begann in Teilen der akademischen Welt fast sofort eine bemerkenswerte Verschiebung. Nicht das antisemitische Motiv der Täter stand im Mittelpunkt. Nicht die Tatsache, dass Juden gezielt ermordet wurden. Nicht die islamistische Ideologie der Hamas. Stattdessen dominierte in vielen Debatten sehr schnell ein anderes Wort: „Kontext“.

Innerhalb weniger Tage erschienen Stellungnahmen, offene Briefe und wissenschaftliche Kommentare, die das Massaker vor allem als Folge kolonialer Unterdrückung interpretierten. Einige Forscher sprachen von „Widerstand“, andere von einem „Aufstand der Unterdrückten“. Der Holocaustforscher Omer Bartov erklärte bereits kurz nach dem Angriff, der „verabscheuungswürdige Angriff der Hamas“ müsse als Versuch verstanden werden, Aufmerksamkeit auf die Lage der Palästinenser zu lenken.

Genau an diesem Punkt begann für viele Juden weltweit die eigentliche Erschütterung. Denn plötzlich wurde sichtbar, dass ein Teil westlicher Wissenschaft den antisemitischen Charakter des 7. Oktober nicht nur unterschätzte, sondern ideologisch verdrängte.

Das Problem reicht dabei deutlich tiefer als einzelne Aussagen.

In den vergangenen Jahren hat sich an vielen Universitäten ein postkoloniales Weltbild etabliert, das internationale Konflikte fast ausschließlich entlang einer simplen Achse interpretiert: hier die Unterdrücker, dort die Unterdrückten. Israel wird in diesem ideologischen Raster häufig automatisch als koloniale Macht eingeordnet. Palästinenser erscheinen dagegen grundsätzlich als Opfer historischer Ungerechtigkeit.

Dieses Denken produziert zwangsläufig moralische Verzerrungen. Denn wenn die Rollen einmal fest verteilt sind, verliert die Realität an Bedeutung. Terrororganisationen erscheinen dann nicht mehr primär als ideologische Akteure mit eigenen Zielen und eigener Verantwortung, sondern als Reaktion auf Machtverhältnisse.

Die Hamas profitiert massiv von genau dieser Denkweise.

Dabei formuliert die Organisation ihre Ziele offen. Ihre Ideologie basiert nicht auf liberalen Befreiungsvorstellungen, sondern auf islamistischem Antisemitismus. Führende Hamas-Vertreter sprechen seit Jahrzehnten von der Vernichtung Israels. Die Organisation glorifiziert Märtyrertum, verbreitet antisemitische Propaganda und verfolgt politische Gegner brutal. Frauenrechte, Meinungsfreiheit oder demokratische Prinzipien existieren in ihrer Ideologie praktisch nicht.

Trotzdem wurde die Hamas nach dem 7. Oktober in Teilen westlicher Debatten erstaunlich schnell zu einer Art Symbol des „antikolonialen Widerstands“ umgedeutet.

Besonders auffällig war dabei der Umgang mit antisemitischer Gewalt. Noch am 7. Oktober fanden weltweit Demonstrationen statt, bei denen Parolen wie „From the River to the Sea“ skandiert wurden. Für viele Aktivisten gilt diese Formel als allgemeiner Solidaritätsruf. Tatsächlich beschreibt sie politisch jedoch ein Gebiet ohne Israel zwischen Jordan und Mittelmeer.

Gerade jüdische Studenten berichteten danach weltweit von einer Atmosphäre massiver Einschüchterung. In den USA mussten Universitäten wie Harvard, Columbia oder Berkeley wegen eskalierender Proteste unter Polizeischutz gestellt werden. Jüdische Studenten erklärten öffentlich, sie hätten Angst, offen als Juden erkennbar zu sein. In Großbritannien, Frankreich und Deutschland stiegen antisemitische Vorfälle nach dem 7. Oktober massiv an.

Trotzdem konzentrierte sich ein Teil akademischer Debatten weiterhin fast ausschließlich auf Israel.

Die Wissenschaftlerin Verena Buser beschreibt dabei ein weiteres zentrales Problem: Antisemitismus wird in bestimmten theoretischen Ansätzen zunehmend als gewöhnlicher „Rassismus“ behandelt. Damit geht jedoch der Blick für die Besonderheit antisemitischer Ideologie verloren.

Antisemitismus funktioniert historisch anders als viele andere Formen von Menschenfeindlichkeit. Juden wurden nicht nur als fremd oder minderwertig dargestellt, sondern oft als angeblich übermächtige Bedrohung. Genau deshalb konnte Antisemitismus über Jahrhunderte unterschiedlichste politische Lager verbinden – von Rechtsextremen über sowjetische Propaganda bis hin zu islamistischen Bewegungen.

Der moderne Antisemitismus tarnt sich heute häufig als radikaler Antizionismus.

Das bedeutet nicht, dass Kritik an israelischer Politik antisemitisch wäre. Natürlich ist Kritik an Regierungen legitim, auch in Israel. Problematisch wird es dort, wo Israel nicht mehr wie ein normaler Staat behandelt wird, sondern als moralische Ausnahme. Wenn israelische Selbstverteidigung grundsätzlich dämonisiert wird, während Terror relativiert oder erklärt wird, verschiebt sich die Debatte fundamental.

Besonders deutlich wird das bei den immer häufigeren NS-Vergleichen gegen Israel. Einige Wissenschaftler und Aktivisten vergleichen israelische Politik offen mit dem Nationalsozialismus oder sprechen von „Genozid“, obwohl solche Begriffe historisch und juristisch hochkomplex sind. Die Wirkung dieser Vergleiche ist enorm. Denn sie verschieben die Erinnerungskultur selbst.

Ausgerechnet der Staat, der nach der Schoa als Schutzraum für Juden entstand, wird dadurch zum Symbol des absolut Bösen erklärt.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der in der öffentlichen Diskussion oft unterschätzt wird: Islamistische Gruppen haben seit Jahrzehnten verstanden, wie westliche Diskurse funktionieren. Bereits Anfang der neunziger Jahre dokumentierte das FBI Treffen Hamas-naher Akteure in den USA, bei denen diskutiert wurde, wie man westliche Universitäten und Menschenrechtsdiskurse strategisch nutzen könne. Ziel war es, Unterstützung für die palästinensische Sache zu mobilisieren, indem man Sprache und Begriffe progressiver Bewegungen übernimmt.

Genau diese Strategie zeigt heute Wirkung.

Viele westliche Aktivisten übernehmen Narrative islamistischer oder radikal antizionistischer Gruppen, ohne deren ideologischen Hintergrund überhaupt wahrzunehmen. Begriffe wie „Dekolonisierung“, „Befreiung“ oder „Widerstand“ wirken im westlichen Diskurs moralisch positiv. Dass dieselben Begriffe gleichzeitig zur Legitimation antisemitischer Gewalt genutzt werden, wird oft verdrängt.

Dabei hat diese Entwicklung längst reale Konsequenzen.

Juden verstecken in Europa ihre Symbole. Synagogen werden bewacht. Lehrer berichten von antisemitischen Vorfällen an Schulen. Jüdische Studenten meiden bestimmte Universitätsbereiche. Gleichzeitig erklären Teile akademischer Milieus weiterhin, das eigentliche Problem sei vor allem die Einschränkung „pro-palästinensischer Stimmen“.

Gerade darin liegt die gefährliche Verschiebung unserer Zeit.

Denn Antisemitismus verschwindet nicht dadurch, dass man ihn anders nennt. Wenn Judenhass hinter akademischer Sprache verborgen wird, wirkt er lediglich intellektueller. Wenn Terror relativiert wird, weil die Täter sich selbst als Opfer inszenieren, verliert die Gesellschaft moralische Orientierung.

Und wenn Universitäten beginnen, antisemitische Ideologien als Teil „antikolonialer Befreiung“ umzudeuten, dann betrifft das längst nicht mehr nur Israel oder den Nahen Osten. Dann geht es um die Frage, ob westliche Gesellschaften überhaupt noch bereit sind, antisemitische Gewalt eindeutig als solche zu benennen.

Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 15. Mai 2026

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